DIVI

Experten fordern sofort mehr Personal und finanziellen Anreiz für Krankenhäuser

 

Berlin (8. März 2019) – Alarmierende Situation in der Intensivpflege: Immer mehr Krankenhäuser müssen Betten sperren, weil die Pflegekräfte fehlen. In Spitzenzeiten kommt es schon jetzt zu Einschränkungen in der Notfallversorgung. Die Ergebnisse einer heute veröffentlichten Umfrage des Deutschen Ärzteblattes zeigen, dass sich die Situation in den kommenden Jahren weiter zuspitzen wird. „Die Veröffentlichung weist erneut und mit besonderem Nachdruck auf die gefährliche Lage hin, die sich auf den Intensivstationen der deutschen Krankenhäuser entwickelt“, sagt Thomas van den Hooven, Vertreter der Pflege im Präsidium der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv-und Notfallmedizin (DIVI) und Pflegedirektor der Uniklinik Münster.

Insgesamt 2.498 Intensivpflegekräfte wurden befragt. Davon bestätigen 96,8 Prozent die deutlich gestiegene Arbeitsbelastung, genauso viele bestätigen eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen insgesamt. 37,3 Prozent der Befragten Personen gab an, den Beruf in den kommenden fünf Jahren verlassen zu wollen. 33,6 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, ihren Arbeitsanteil in den kommenden zwei Jahren reduzieren zu wollen.

 

Sofortmaßnahmen gefordert: Personaluntergrenzen anpassen und finanzieller Anreiz für Krankenhäuser

Aus Sicht der DIVI müssen daher umgehend zwei Maßnahmen erfolgen: Die Personaluntergrenzen für Intensivstationen sollten geändert und an die von der DIVI bereits 2011 evidenzbasiert ermittelten und publizierten Anhaltszahlen angepasst werden. Dies ist für die Patientensicherheit und intensivmedizinische Behandlungsqualität notwendig. Als zusätzliche Sofortmaßnahme gegen den Fachkräftemangel auf Intensivstationen sollte ein finanzieller Anreiz für die Krankenhäuser gesetzt werden, die sich an die Personalvorgaben der DIVI halten. Damit wird klar, dass sich eine gute Intensivpflege für alle Beteiligten lohnt.

 

Mangelversorgung durch aktuelle Regel-und Vorgabenwerke

Die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) und das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) sind Ansätze, die durchaus in die richtige Richtung weisen könnten. Mit dem momentan existierenden Regel-und Vorgabenwerk wird aber das Gegenteil erreicht. Im Bereich der Normalstationen wird eine Mangelversorgung festgeschrieben und im Bereich vieler Intensivstationen wird dort, wo man sich an die Vorgaben der DIVI hält, der Personalabbau geplant. „Eine Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufes stellt sich nicht nur die DIVI anders vor“, sagt Thomas van den Hooven aus dem DIVI-Präsidium.

 

DIVI-Mindestvorgabe: Eine Pflegekraft auf zwei Patienten!

Häuser, in denen eine aufwändige intensivmedizinische Versorgung verantwortungsvoll betrieben wird, haben zwangsläufig auch eine höhere Personalausstattung im Bereich der Intensivpflege, die sich an den Mindestvorgaben der DIVI mit einem Betreuungsschlüssel von einer Pflegekraft auf zwei Patienten sowohl tagsüber als auch nachts ausrichtet. „Angesichts der schwierigen finanziellen Situation vieler Häuser in Deutschland verführt die PpUGV nun – entgegen ihrer Intention – dazu, das Personal auf Intensivstationen den Anhaltszahlen der PpUGV anzupassen –das sind eine Pflegekraft auf zweieinhalb Patienten im Tagdienst und eine Pflegekraft auf dreieinhalb Patienten im Nachtdienst“, sagt van den Hooven.

 

Stellenabbau verstärkt Exodus von Pflegekräften

„Wir beobachten eine fatale Entwicklung bei überlasteten Pflegekräften, die schon jetzt in größerem Umfang ihrem Beruf den Rücken kehren und dies auch weiter tun werden“, so van den Hooven. „An dieser Stelle rächt sich, dass weder die PpUGV noch das PpSG Instrumente zur quantitativen und qualitativen Leistungserfassung und der daraus abgeleiteten Personalbedarfe vorsehen. Der offensichtlich vielerorts geplante Abbau von Pflegestellen wird den weiteren Exodus von Pflegekräften verstärken.“

 

Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv-und Notfallmedizin e.V. (DIVI)

Die 1977 gegründete Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv-und Notfallmedizin (DIVI) ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 2.500 persönlichen Mitgliedern und entsprechenden Fachgesellschaften. Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv-und Notfallmedizin aus.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne der Gemeinnützigkeitsverordnung vom 24.12.1953 und ist damit ein nicht-wirtschaftlicher Verein gemäß § 21 ff BGB.

 


Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), 08.03.2019 (tB).

Schlagwörter: ,

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie unterversorgt? Studie zeigt auffällige…
Suliqua® zur Therapieoptimierung bei unzureichender BOT
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Nahrungsergänzungsmittel während der Krebstherapie: Es braucht mehr Bewusstsein für mögliche…
Fusobakterien und Krebs
Fortgeschrittenes Zervixkarzinom: Pembrolizumab verlängert Leben
Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…