DIVI veröffentlicht Stellungnahme zur Stärkung und Zukunft der Intensivpflege

„Wenn wir jetzt nichts tun, bekommen wir ein  existentielles Problem!“

 

Berlin (1. April 2021) — Die DIVI und die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) haben gemeinsam eine „Stellungnahme zur Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland“ erarbeitet. Ärzte und Pflegkräfte haben in dem bemerkenswert konkreten Sechs-Seiten-Papier zahlreiche praxisnahe Forderungen und Vorschlägen zusammengetragen, um die Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege jetzt und sofort sowie nachhaltig zu verbessern. „Die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte müssen sich dringend ändern“, sagt DIVI-Präsident Professor Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen. Seit einem Jahr und immer noch im Dauereinsatz inmitten der jetzt dritten Welle der Pandemie spielen zahlreiche Pflegekräfte mit dem Gedanken, aus ihrem Beruf aussteigen. „Wenn wir jetzt nichts tun, und die Pflegekräfte gehen, dann bekommen wir ein existentielles Problem in der Intensivmedizin!“, konstatiert Professor Felix Walcher, Präsident elect der DIVI und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg. „Es gibt kein Intensivbett ohne Pflege! Wir Ärzte stehen nicht den ganzen Tag am Bett der Patienten – das sind die Pflegenden“, sind sich Walcher und Marx einig.

 

DIVI und DGF fordern unter anderem:

  • ein verbindliches Personalbemessungsinstrument,
  • kreative und moderne Arbeitszeitmodelle,
  • Unterstützungsangebote für Mitarbeitende mit Familie oder pflegebedürftigen Angehörigen,
  • psychosoziale Unterstützungsangebote,
  • die Optimierung der interprofessionellen Teamarbeit,
  • die Entlohnung entsprechend der Qualifikation,
  • die Erweiterung der Kompetenzen für Intensivpflegende und
  • patienten- und pflegeferne Tätigkeiten sowie Bürokratie drastisch zu reduzieren.

 

Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege müssen dringend verbessert werden

Die Empfehlungen der Stellungnahme stammen in erster Linie direkt von den Pflegenden. „Intensivpflegekräfte müssen täglich einen Spagat zwischen High-Tech-Versorgung und dem Patienten im Mittelpunkt des Geschehens machen und sind darüber außerordentlicher physischer und psychischer Belastung ausgesetzt“, weiß Andreas Schäfer, Sprecher der DIVI-Sektion Pflegeforschung und Pflegequalität und Pflegefachleiter am Klinikum Kassel. Es sei daher dringend erforderlich, dass die Punkte des Positionspapiers stringent angepackt würden. „Es ist ein wichtiger Schritt und gutes Signal, dass sich Intensivmediziner und Intensivpflegekräfte gemeinsam auf den Weg machen und gegenüber der Politik Stellung beziehen.“

 

JETZT Fakten schaffen!

Schäfer ist überzeugt: „Um dem Exodus aus der Intensivpflege zu begegnen, wären insbesondere das Aufzeigen eines Karriereweges mit entsprechender Verantwortung und Vergütung, sowie die gleichberechtigte Integration in den Behandlungsprozess, wertvolle Maßnahmen für eine Steigerung der Attraktivität des Berufes. Dass Einbeziehen von Assistenzkräften, die nicht auf den Stellenplan der Pflege angerechnet werden, würde die hohe Arbeitsbelastung zudem entschärfen können.“ Dies sind nur zwei Beispiele, die auf der Agenda der Stellungnahme stehen, um die Intensivpflege attraktiver für Pflegekräfte zu machen. „Ich glaube deshalb, dass wir mit diesem Vorhaben der Pflege sehr viele positive Signale senden“, so Walcher – und das sei unbedingt notwendig. „Wir müssen JETZT Fakten schaffen. Sonst wird uns dieses hochqualifizierte Personal von der Fahne gehen und das System ist – so wie jetzt – nicht mehr aufrechtzuerhalten.“

Als Sprecher der Sektion Resilienz ist es Walcher zudem wichtig zu betonen, dass vor allem auch die psychosoziale Unterstützung der interprofessionellen Teams ein wichtiges und zentrales Anliegen der DIVI sei. „Die exzellenten Mitarbeiter der Intensiv- und Notfallmedizin machen eine sehr wertvolle Arbeit, die gelegentlich aber auch psychisch extrem belastend ist. Bis zum heutigen Tag gibt es weder Psychologen noch professionelle Strukturen im Krankenhaus, an die sich ein Mitarbeiter wenden kann, wenn er mit einem belastenden Ereignis nicht mehr alleine emotional fertigwerden kann. Das ist nicht hinnehmbar!“

 

Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung will Umsetzung Nachdruck verleihen

Die Stellungnahme wurde Anfang März von der DIVI und der DGF fertiggestellt und bereits am 15. März durch den Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, in einer ersten Pressemitteilung Politikern und Journalisten vorgestellt. „Pflegekräfte und Ärzte haben sich zusammengetan und treten gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege ein. Das begrüße und unterstütze ich mit aller Kraft!“, so Westerfellhaus. „Ich werde die Forderungen von der DIVI und der DGF in den politischen Raum tragen, damit der Umsetzung Nachdruck verliehen wird.“

Bereits seit Jahren bestimmt das Thema Stärkung der Pflegekräfte die politische Agenda der DIVI. Durch die Pandemie scheint endlich Bewegung in den Prozess zu kommen. „Die sehr positiven Signale aus der Politik, jetzt unmittelbar gemeinsam mit uns in die Umsetzung der konkret skizzierten Maßnahmen zu gehen, stimmen uns sehr hoffnungsvoll“, erklärt DIVIPräsident Marx. „Das ist ein Meilenstein! Und wir werden nicht lockerlassen.“

 

 

Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI)

Die 1977 gegründete Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 3.500 persönlichen Mitgliedern und 19 Fachgesellschaften aus Anästhesiologie, Chirurgie, Innerer Medizin, Kinder- und Jugendmedizin sowie Neurologie und Neurochirurgie. Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne der Gemeinnützigkeitsverordnung vom 24.12.1953 und ist damit ein nicht-wirtschaftlicher Verein gemäß § 21 ff BGB.

 

 


Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI), 01.04.2021 (tB).

Schlagwörter: , ,

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie unterversorgt? Studie zeigt auffällige…
Suliqua® zur Therapieoptimierung bei unzureichender BOT
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Nahrungsergänzungsmittel während der Krebstherapie: Es braucht mehr Bewusstsein für mögliche…
Fusobakterien und Krebs
Fortgeschrittenes Zervixkarzinom: Pembrolizumab verlängert Leben
Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…