DIVI2012

Optimierte Strategien bei Sepsis im Fokus

 

Berlin (3. Dezember 2012) – Wer mit einem Herzinfarkt  eben das Krankenhaus erreicht, hat eine Überlebenschance von über 90 Prozent. Bei Menschen, die mit einer Blutvergiftung in die Klinik kommen, liegt sie dagegen gerade einmal bei 50 Prozent. „Deshalb ist das Thema Sepsis auch ein ganz wichtiger Bestandteil des DIVI 2012“, sagt der diesjährige Kongresspräsident Professor Tobias Welte. „Wir wollen versuchen neue Wege zu finden, um sowohl die Ärzte als auch die Bevölkerung für diese so dramatisch unterschätzte Krankheit zu sensibilisieren, sie früher zu erkennen und gezielter zu behandeln.“ Der 12. Kongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin findet vom 05. bis 07.12.2012 in Hamburg statt.

 

Eine Sepsis fordert hierzulande täglich 162 Todesopfer. Trotzdem spielt die Krankheit im Bewusstsein der Menschen kaum eine Rolle. Nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung weiß, dass es sich bei einer Sepsis um eine Blutvergiftung handelt. Die andere Hälfte weiß immerhin, dass es sich um eine Infektion handelt. „Dafür reicht oft schon eine kleine Wunde oder ein entzündeter Zahn aus, um eine fatale Kettenreaktion im Körper auszulösen“, sagt Professor Gernot Marx, Sektionssprecher der DIVI im Bereich Systemische Inflammation und Sepsis.

 

Normalerweise hat das Immunsystem keine Probleme, eine räumlich begrenzte Infektion zu bekämpfen. Dennoch versagt dieser Mechanismus oft. Vor allem dann, wenn der Erreger besonders aggressiv ist oder wenn die Abwehrkräfte der Betroffenen geschwächt sind. „Dann dringen Bakterien in die Blutbahn ein und infizieren nach und nach die Organe“, sagt der Experte, der auch Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum der RWTH Aachen ist. Die Folge: das Immunsystem mobilisiert alle Kräfte und vernichtet alle fremdartigen Stoffe. Bei einer kleinen Wunde kein Problem. Aber im Falle einer Sepsis ist der ganze Körper dem Amok laufenden Immunsystem ausgesetzt. „Weiße Blutkörperchen setzen Gifte frei, die schlimme Nebenwirkungen haben“, sagt Professor Marx. Sie durchlöchern die Gefäße, Blut tritt aus, der Blutdruck sackt ab, der Puls schießt in die Höhe, der Kreislauf bricht zusammen, es kommt zum septischen Schock.“

 

Das ganze Drama spielt sich binnen Stunden ab. Was lange fehlte, waren spezifische Marker, mit den sich die Krankheit zuverlässig diagnostizieren lässt. „Ein erster Schritt ist der Nachweis von Procalcitonin im Blut“, sagt der Aachener Notfallmediziner.

 

„Dabei handelt es sich um ein Hormon der Schilddrüse. Bei gesunden Menschen fließt es nicht durch die Blutbahn.“

 

Wenn eine Sepsis vorliegt, müssen die Ärzte schnell handeln. Besonders wichtig ist es, den Erreger zu finden, um ihn dann mit den richtigen Antibiotika zu bekämpfen. „Zahlreiche neue diagnostische Verfahren wie beispielsweise PCR-basierte Tests sind derzeit in Erprobung, Ergebnisse sind in Kürze zu erwarten", sagt Professor Marx. Wenn ein Entzündungsherd operativ behandelt werden kann, sollte dies so frühzeitig wie möglich geschehen.

 

„Außerdem müssen wir die Forschung vorantreiben und die Ärzte besser aus- und fortbilden“, sagt Kongresspräsident Professor Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Obwohl so weit verbreitet und gefährlich, spielt die Sepsis kaum eine Rolle im Medizinstudium. Hier heißt es, auch die Ärzte und vor allem Intensiv- und Notfallmediziner weiter zu sensibilisieren und fortzubilden.“

 

Nach dem von der DIVI begrüßten Weltsepsistag am 13. September diesen Jahres gehört das Thema „Sepsis“ in Theorie und Praxis auch zum Programm des 12. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, der vom 05. bis 07.12.2012 im CCH Congress Center Hamburg stattfindet und bei dem rund 5000 Teilnehmer erwartet werden. Das Motto lautet: „Erfolg durch Interdisziplinarität“. Kongresspräsident Professor Welte: „Denn gerade die Intensiv- und Notfallmedizin ist ein Bereich, in dem unterschiedliche Berufsgruppen – Ärzte, Pfleger und medizinisch-technischer Bereich – perfekt zusammen arbeiten müssen, um eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten.“ Neben dem Thema Sepsis halten hochkarätige Referenten auch Vorträge zu aktuellen Themen, etwa zur Situation der Organspende, den internationalen Konzepten zum Hirntod oder zu Notfällen im Kindesalter. Gleichzeitig findet ein Pflegekongress statt und wie schon in den letzten Jahren gibt es ein umfangreiches Praxisprogramm für Mediziner, Pfleger und Physiotherapeuten an. Dazu gehören Workshops, Hands-on-Kurse und etliche Fortbildungsmöglichkeiten. „Besonderes Highlight sind die Aktionen der Feuerwehr Hamburg, die am 6. und 7.12. zwischen 11:45 und 12.15  eine Höhenrettungsübung im 28.Stock des Hotel Radissons durchführen, bei der die verletzte Person über die Außenwände transportiert werden muss“, sagt Kongress-Sekretär Privat-Dozent Dr. Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE).

 

 

DIVI weltweit einzigartig

 

Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 1500 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fachkrankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften.

 

 

Die Experten der DIVI

 

  • Professor Gernot Marx ist Sprecher und Gründungsmitglied der Sektion Systemische Inflammation und Sepsis bei der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Er arbeitet als Direktor der  Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum der RWTH Aachen.
  • Professor Tobias Welte ist Präsident des 12. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin und Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.
  • Privat-Dozent Dr. Stefan Kluge ist Kongresssekretär des 12. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin und Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE).

 

 


Quelle: 12. Kongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, 06.12.2012 (tB).

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