„Darmkrebs? Ich doch nicht….“

Vorsorge-Koloskopie und Karzinomprophylaxe bei Colitis-Patienten

 

Von Dr. Bernd Bokemeyer, Minden

Berlin (1. Oktober 2008) – Dickdarmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebstodesursache. Die Krebs­neuerkrankungsrate, bezogen auf beide Geschlechter, ist im Vergleich zu anderen Karzinomen am höchsten. Über 70.000 Personen erkranken in Deutschland jährlich neu an Darmkrebs, was die Relevanz dieses Themas für jeden einzelnen dokumentiert.

Da die seit vielen Jahren durchgeführte Untersuchung des Stuhls auf okkultes Blut zwar eine signifikante Reduktion des Dickdarmkrebsrisikos um circa gut 20 % zeigte, bestehen doch viele Nachteile bei diesem Test, der nicht sehr spezifisch ist. Um eine bessere Effektivität in der Darmkrebsvorsorge zu erreichen, wurde 2003 in Deutschland die Vorsorge-Koloskopie eingeführt. Man geht davon aus, dass durch die Durchführung einer Vorsorge-Koloskopie alle 10 Jahre, die Karzinomrate um über 70 % gesenkt werden kann. Auf Grund dieser Daten wurde 2003 die Vorsorge-Koloskopie für alle Patienten ab dem 56. Lebensjahr kostenfrei eingeführt, die bei sonst unauffälligem Befund nach 10 Jahren wiederholt werden sollte.

 

Die aktuellen Daten zur Vorsorge-Koloskopie dokumentieren die hohe Effektivität dieser Untersuchung. In knapp 1 % der Untersuchungen finden sich schon invasive Kolon-Karzinome bei der Vorsorge-Koloskopie. Polypen (Adenome) fanden sich bei circa 20 % der Untersuchungen, die dann in der gleichen Sitzung abgetragen wurden. Hiermit wurde eine effektive Karzinomprophylaxe vorgenommen.

 

Die Kolon-Karzinome zeigen ein stadienabhängiges Überleben. Patienten im Stadium UICC I und UICC II überleben nach 10 Jahren in circa 95 % bzw. 80 %, während Patienten im Stadium UICC III nach 10 Jahren nur noch eine Überlebenschance von etwa 60 % haben. In den Haemoccult-Studien befanden sich nur 12 % der gefundenen Karzinome im Stadium UICC I und 32 % im Stadium UICC II. In einer jetzt vom Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (bng) durchgeführten Untersuchung fanden sich bei ins­gesamt 575 bei der Vorsorge-Koloskopie nachgewiesenen Karzinomen 43 % im Stadium UICCI und 26 % im Stadium UICC II, womit sich nahezu 70 % der gefundenen Karzinome in einem relativ günstigen Stadium befanden. Dieser Stadienshift der gefundenen Karzinome zu früheren Stadien ist ein deutliches Zeichen für die positiven Effekte der Vorsorge-Kolos­kopie.

 

Die Beteiligungsrate der Vorsorge-Koloskopie könnte allerdings besser sein. Momentan liegt sie bei etwa 3 % pro Jahr. Diese Teilnahmerate muss unbedingt weiter gesteigert werden, um sinnvolle Effekte bezüglich der Dickdarmkrebsmortalität in der Bevölkerung zu erreichen. Zumindest 30 bis 40 % der berechtigten Personen sollten in 10 Jahren untersucht sein. Um dem Ziel der Reduktion des Dickdarmkrebsrisikos entscheidend näher zu kommen, ist eine Zusammenarbeit sämtlicher Gruppen, wie der Hausärzte und zusätzlich auch der Gynäkologen und Urologen, die am ehesten mit Vorsorgefragen der Patienten beschäftigt sind, notwendig. Durch Werbemaßnahmen in der Öffentlichkeit ist es unbedingt notwendig, dieses Thema präsent zu halten und so die Patienten immer wieder anzuhalten, zur Vorsorge-Koloskopie zu gehen.

 

Dieses Thema eines erhöhten Karzinomrisikos ist auch bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa und Morbus Crohn) ein wesentliches Thema. In Abhängigkeit von der Schwere und der Dauer der Erkrankung findet sich, insbesondere bei der Colitis ulcerosa ein deutlich erhöhtes Kolon-Karzinomrisiko. Aus diesem Grunde werden nach den Leitlinien bei der Colitis ulcerosa mit einem Befall des ganzen Dickdarmes nach einer Krankheitsdauer von 8 Jahren jährliche Koloskopien und bei einem Befall nur des linken Hemicolons jährliche Koloskopien ab dem 15. Krankheits­jahr empfohlen. Um hier eine erhöhte Effektivität zu erreichen, wurden in letzter Zeit neue endoskopische Techniken, wie zum Beispiel die Chromo-Endoskopie und die virtuelle Chromo-Endoskopie, entwickelt. So gelingt es häufiger, Zellen im Dickdarm schon auf dem Wege hin zur Entartung zu finden, was dann möglicherweise eine prophylaktische Kolon-Entfernung bedingen könnte.

 

Darüber hinaus gibt es auch medikamentöse Möglichkeiten einer Karzinomprophylaxe. Es ist durch Studien und große Metaanalysen nachgewiesen, dass Mesalazin (5-ASA) die Fähigkeit hat, bei einer Langzeittherapie das Karzinomrisiko deutlich zu reduzieren. Insbesondere bei Patienten mit einer Colitis ulcerosa wird dieses genutzt. Die Therapie mit Mesalazin (5-ASA) ist damit in der Langzeitbetreuung nicht nur für die Unterdrückung der entzündlichen Schübe der Colitis ulcerosa, sondern auch zur Karzinomprophylaxe nützlich und sinnvoll. Durch die Verbindung der endoskopischen Überwachungsregime und der medikamentösen Karzinomprophylaxe mit Mesalazin (5-ASA) kann auch bei gefährdeten Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen das Kolon-Karzinomrisiko signifikant gesenkt werden.

 

 

Autor

Dr. med. Bernd Bokemeyer

Gastroenterologische Geschaftspraxis Minden

Uferstraße 3

32423 Minden

 


 

Quelle: Pressegespräch der Firma Ferring zum Thema „Pentasa® Xtend – Remissionserhaltung bei Colitis ulcerosa: Auf die Dosis kommt es an“ am 01.10.2008 in Berlin (AdLexis).

 

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