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Wie gut ist die Versorgung von CED-Patienten in Deutschland?

 

Von Dr. med. Bernd Bokemeyer

 

Berlin (2. Oktober 2008) – Nach vorliegenden Untersuchungen gibt es in Deutschland etwa 320.000 CED-Patienten, etwa jeweils zur Hälfte Morbus Crohn- und Colitis ulcerosa-Patienten. Circa 35 % werden davon im gastroenterologischen und fachinternistischen Versorgungsbereich behandelt. Demgegenüber befinden sich über 50 % dieser Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) in der Behandlung von Allgemeinärzten oder Allgemeininternisten. Hier wäre es anzustreben, zumindest diese Patienten konsiliarisch an ein gastroenterologisches Zentrum mit einem CED-Schwerpunkt anzubinden.

 

In einer Umfrage des Berufsverbandes Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (bng) aus dem Jahr 2006 in gastroenterologischen Fachpraxen wurde die Zahl der behandelten CED-Patienten/Praxis erhoben. Bei insgesamt 169 teilnehmenden bng-Praxen fanden sich durchschnittlich 64 CED-Patienten pro Praxis. Wo die Grenze liegt, um effektiv CED-Patienten zu behandeln, ist nicht ganz klar. Es scheint aber schon für die Behandlungserfahrung günstig zu sein, wenn zumindest mehr als 50 CED-Patienten pro Institution pro Jahr behandelt würden, um so auch eine entsprechende Erfahrung in der Therapie dieser teils komplexen Krankheitsbilder zu haben.

 

In einer Versorgungsforschungsuntersuchung der Fachgruppe CED des bng im Jahr 2007 wurde die Häufigkeit der verordneten Medikamente bei über 1.000 CED-Patienten untersucht. Eine Azathioprin-Therapie wurde dabei bei knapp 50 % der Morbus Crohn-Patienten und bei etwa 25 % der Colitis ulcerosa-Patienten angewendet. Die TNF-alpha-Therapie bei den Morbus Crohn-Patienten lag mit etwa 9 % noch in einem relativ niedrigen Bereich. Nach dieser Erhebung sind die Medikamentenkosten bei der CED-Behandlung nicht unerheblich. Pro Jahr betragen die Medikamentenkosten 2.891 € beim Morbus Crohn und 1.884 € bei der Colitis ulcerosa. Auf der Basis dieser Daten wurde eine Kalkulation der jährlichen Gesamtkosten der Behandlung von Morbus Crohn-Patienten in Anlehnung an die gezahlten Beträge in der gesetzlichen Krankenversicherung vorgenommen. Insgesamt betragen die durchschnittlichen Kosten der Morbus Crohn-Therapie 3.609 € pro Jahr. Davon entfallen 71 % auf die Arzneimittelkosten, 21 % auf stationäre Behandlungen und 5,3 % auf die jährlichen ambulanten Betreuungskosten beim niedergelassenen Gastroenterologen. Die Kosten von 192 €/Jahr beim niedergelassenen Gastroenterologen beinhalten sämtliche Kontrolluntersuchungen einschließlich der Laboruntersuchungen, der Beratungen, der Sonographien und der notwendigen endoskopischen Prozeduren. Um in diesem Zusammenhang eine ausreichende ambulante Versorgung der CED-Patienten mit den teils sehr komplizierten Verläufen zu gewährleisten, erscheint es notwendig, die Honorierung für die ambulante gastroenterologische Betreuung von insgesamt circa 50 € pro Quartal durch spezielle CED-Betreuungsziffern entsprechend anzuheben, da sonst die ambulante Langzeitversorgung dieser teilweise schwierig zu behandelnden Patientengruppe auf Dauer gefährdet erscheint.

 

Zur Versorgung der CED-Patienten wurden im Jahr 2008 evidenzbasierte und patientenorientierte Versorgungspfade im Sinne einer „Versorgungsleitlinie“ definiert. Hier tauchen verschiedene Behandlungsebenen auf. Erstens die Ebene der primärärztlichen Betreuung, zweitens die Ebene der spezialisierten gastroenterologischen Versorgung und drittens die der CED-Schwerpunktpraxen bzw. CED-Ambulanzen. Die CED-Schwerpunktpraxen bzw. CED-Ambulanzen zeichnen sich dadurch aus, dass sie viele Patienten (>150 CED-Patienten pro Jahr pro Behandlungszentrum) behandeln und ein entsprechendes Betreuungsnetzwerk mit den entsprechenden Einrichtungen aufweisen, um eine komplette CED-Behandlung auch komplexer Verläufe garantieren zu können. In diesem Zusammenhang wird auch eine weitere Qualifizierung des Assistenzpersonals zur CED-Fachassistenz angestrebt. Das Kompetenznetz CED führt hierzu seit 2007 Fortbildungsveranstaltungen durch, um so durch eine weitere Qualifizierung des Assistenzpersonals die Behandlungsqualität der CED-Patienten zu verbessern.

 

Referent

Dr. med. Bernd Bokemeyer

Gastroenterologische Gemeinschaftspraxis Minden

Uferstr. 3

32423 Minden

 


 

Quelle: Pressegespräch der Firma Abbott Immunology im Rahmen der 63. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten zum Thema „Versorgung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) in Deutschland – Wo stehen wir?“ am 02.10.2008 in Berlin (Weber Shandwick).

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