12. Bamberger Gespräche 2008

Harninkontinenz ‑ Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede

 

Therapie der Belastungsinkontinenz

 

Von Dr. med. Gert Naumann

 

Bamberg (13. September 2008) – Bei abnehmenden Geburtenzahlen und steigender Lebenserwartung wird der Anteil älterer Menschen in Deutschland immer größer. Schätzungen gehen davon aus, dass 2050 jeder dritte Mensch in Deutschland älter als 65 Jahre sein wird. Die Harninkontinenz ist mit einer Häufigkeit zwischen 30‑40 % aller Frauen ab 50 Jahren eine bedeutende Volkskrankheit. Bei einer stetig steigenden Zahl älterer Patientinnen in unseren Sprechstunden werden wir in unserem Fachgebiet in den nächsten Jahren einen deutlichen Zuwachs an Frauen mit einer Harninkontinenz erleben, die eine Sanierung wünschen.

 

In den letzten Jahren wurde ein deutlicher Wandel hin zu einer gesünderen Lebensweise und zu mehr Körperbewusstsein geschafft. Unsere Öffentlichkeit suggeriert aber immer noch zu oft nur das Bild junger, gesunder Menschen. Fitnessstudio und Trimm‑Dich‑Pfad haben Konjunktur, doch Tabuthemen wie z.B. Harninkontinenz oder Sexualitätsstörungen bleiben unverändert außen vor. Seit einigen Jahren gibt es eine Reihe neuer effektiver Behandlungsoptionen bei der konservativen und operativen Therapie der Harninkontinenz. Dieser Trend fördert eine wachsende Therapiebereitschaft der Patientinnen. Der Wunsch vieler Frauen zielt auf eine vor allem risikoarme und nebenwirkungsfreie Behandlung.

 

Die Prävalenz der Harninkontinenz schwankt in der Gesamtbevölkerung zwischen 4 und 55 % bei einem Mittel von etwa 25 %. In einer aktuellen Befragung von über 2.000 Frauen im Auftrag der Women’s Health Coalition e.V. im Jahr 2005 berichten 21 % aller befragten Frauen zwischen 25‑75 Jahren über eine Harninkontinenz unterschiedlichen Ausmaßes.

 

Die effektive Sanierung der Belastungsinkontinenz bedarf einer abgestuften und individuellen Diagnostik. Grundsatz sollte sein: „ So viel wie nötig, so individuell als möglich."

 

Wichtig ist ein Stufenprogramm, das alle konservativen und notwendigen operativen Maßnahmen umfasst. Konservative Therapieansätze zielen derzeit auf Verhaltensmodifikationen und eine Konditionierung des Beckenbodens ab. Die Regulierung von Trinkvolumen, Miktionszeiten sowie die Normalisierung des Stuhlganges führen meist zu einer ersten Verbesserung der Inkontinenzepisoden. Ebenso gehören die Gewichtsreduktion, Beendigung des Rauchens sowie das Vermeiden von Heben und Tragen schwerer Lasten dazu.

 

Eine Hauptsäule der konservativen Therapie der Belastungsinkontinenz bei noch möglicher willkürlicher Anspannung der Levatormuskulatur ist das Beckenbodentraining mit oder ohne Biofeedback. Nach einer Phase des gezielten Erlernens der Beckenbodenkontraktion soll es in den Alltag eingebaut werden. Die medikamentöse Therapie mit einer lokalen Estrogenisierung oder die Anwendung einer Duloxetin‑Therapie zur Verbesserung der Kontraktionskraft der Harnröhre ist eine weitere wichtige Säule.

 

Bei der operativen Therapie der Belastungsinkontinenz stehen eine Reihe verschiedener Methoden zur Verfügung. Häufigste Anwendungen erfahren heute spannungsfreie Vaginal‑schlingen in Lokalanästhesie mit Erfolgsraten von über 80 % auch nach 5 Jahren. Zudem existieren bewährte Methoden wie die abdominale Kolposuspension oder Faszienzügelplastik mit gleichen guten Resultaten, aber einem erhöhten operativen Aufwand. Zudem existieren auch Injektionstechniken in die Harnröhre mit unterschiedlichen Materialien; diese Operationen sind am einfachsten zu handhaben, ambulant durchführbar, zeigen jedoch eingeschränktere Erfolge.

 

Es existieren eine Reihe unterschiedlicher konservativer und operativer Möglichkeiten zur Therapie der Belastungsinkontinenz der Frau, die in den allermeisten Fällen zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Frauen führen.

 


 

Quelle: Pressekonferenz zum Thema „Harninkontinenz ‑ Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede?“ anlässlich der 12. Bamberger Gespräche am 13.09.2008 in Bamberg (Fleishman Hillard).

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