Dr. Patrick Jahn: „Für die Ermittlung des Personalbedarfs im Krankenhaus brauchen wir eine schnelle Lösung"

Pflegebedarfsfaktoren bilden die pflegerischen Leistungen im DRG-System besser ab

 

Berlin (25. August 2015) – „Die Integration von Pflegebedarfsfaktoren in die DRG-Kalkulation ist der richtige Ansatz, um den tatsächlichen Pflegebedarf eines Krankenhauspatienten im Entgeltsystem besser abzubilden", betonte Dr. Patrick Jahn, Leiter der Fachkommission DRG des Deutschen Pflegerats, heute in Berlin. Da es sich zudem um eine Weiterentwicklung innerhalb des bestehenden DRG-Systems handele, sei das Instrument zügig umsetzbar.


In den letzten Jahren habe man viel darüber diskutiert, wie der Pflegeaufwand eines Patienten ausschließlich mithilfe des Pflegekomplexmaßnahmen-Scores abgerechnet werden kann. „Diese Diskussion griff zu kurz und hat die Entwicklung innovativer Konzepte behindert", kritisiert Jahn.

 

„Wir müssen auch im Krankenhaus weg von der Minutenbindung, ähnlich wie dies mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff in der Pflegeversicherung erreicht werden soll", fordert Jahn. Künftig müsse auch im Krankenhaus der tatsächliche Pflegebedarf eines Patienten im Vordergrund stehen. Dieser lasse sich am besten über den Grad der Selbstständigkeit eines Patienten ermitteln und dafür gibt es auch schon passende Instrumente.

 

„Die kognitiven und körperlichen Funktionsfähigkeiten müssen als Pflegebedarfsfaktoren in die DRG-Kalkulation einfließen", schlägt der Leiter der Fachkommission DRG des Deutschen Pflegerats vor. Damit könne der Grad der Selbstständigkeit und der damit verbundene Pflegeaufwand maßgeblich abgebildet werden. Nötig hierfür sei lediglich die stärkere Einbindung von Assessmentinstrumenten in die DRG-Systematik. Diese würden darüber hinaus für die Weiterentwicklung der Qualitätsindikatoren zur Verfügung stehen.

 

Als „nicht zielführend" sieht Jahn die Diskussion um eine Einführung von „Nursing Related Groups" (NRG) an. Die NRGs stellen nichts weniger als die Ausweitung der PKMS-Systematik auf alle Patienten dar. Dies ist aufgrund der fachlichen Mängel, der Prüfanfälligkeit und der Dokumentationsaufwände nicht die Lösung, sondern bindet mehr Pflegezeit für Dokumentation und macht den Pflegeberuf weiter unattraktiv.

 

Der Deutsche Pflegerat hat seinen Vorschlag für die Pflegebedarfsfaktoren, mit deren Hilfe die pflegerischen Leistungen im DRG-System besser abgebildet werden, im Rahmen des DRG-Forums 2015 vorgestellt. „Jetzt geht es darum, unser sinnvolles Instrument gemeinschaftlich weiter auszubauen. Die Pflege muss unbürokratisch und leistungsgerecht im Finanzierungssystem der Krankenhäuser abgebildet werden“, macht Jahn deutlich. „Die Integration von Pflegebedarfsfaktoren ist dafür der richtige Ansatz.“

 

 


Quelle: Deutscher Pflegerat (DPR), 25.08.2015 (tB).

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