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Abb.: Anleitung zur Bewegungstherapie über eine Spielekonsole: Patientin bei einer Yoga-Übung. Foto: Jan Zernicke, CharitéEffekte der Bewegungsförderung

Spielkonsole als Therapieoption bei Rheumaerkrankungen

Berlin (13. Oktober 2016) – Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin sind der Frage nachgegangen, ob ein animiertes Heimübungsprogramm unter Nutzung einer Spielkonsole machbar und lohnend für ein regelmäßiges, gezieltes Training bei Rheumaerkrankungen ist. Die aktuelle Studie zeigt: Wenn Patienten mit Gelenkerkrankungen aus Zeitgründen oder aufgrund der schlechten Erreichbarkeit einer physiotherapeutischen Praxis kaum noch körperlich aktiv sind, dann können animierte Heimübungsprogramme zur Bewegungsförderung beitragen. Der motivierende Aspekt einer Spielkonsole spielt eine zentrale Rolle, unabhängig vom Patientenalter und der Krankheitsdauer. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Fachzeitschrift BMC Musculoskeletal Disorders* veröffentlicht.

Rheumatoide Arthritis ist die häufigste Form einer chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankung. Damit die Funktionen der Gelenke möglichst lang erhalten bleiben, sind Physiotherapie und körperliche Bewegung für Rheumapatienten von zentraler Bedeutung. Im Alltag klagen Betroffene allerdings häufig über fehlende Anleitung oder mangelnden Zugang zu einer Bewegungstherapie. Übungsprogramme mit Hilfe einer Spielkonsole können tatsächlich eine alternative, unterstützende Option für Patienten mit rheumatoider Arthritis sein, wie die Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben. „Im Vergleich zu herkömmlichen heimbasierten, physiotherapeutischen Übungen konnten wir gleiche Effekte feststellen. Hinzu kommt, dass auf diese Weise mehr Spaß in das Behandlungskonzept gebracht werden kann, was die Therapietreue und somit die Wirksamkeit erhöht“, erklärt Jan Zernicke, Studienkoordinator an der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité.

Die Pilotstudie ist über ein halbes Jahr mit zwei Behandlungsgruppen an der Charité durchgeführt worden. Ausschließlich Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis mit niedriger Krankheitsaktivität unter Therapie mit einem biologischen Basismedikament sind in die Untersuchung einbezogen worden. Nach einer detaillierten Einführung in das eigenständige Training haben 15 Patienten mit einem konventionellen heimbasierten physiotherapeutischen Übungsprogramm und weitere 15 Patienten mit einem definierten animierten Übungsprogramm an einer Spielkonsole begonnen. Nach zwölf Wochen wechselten die Patienten in die jeweils andere Behandlungsgruppe für einen Behandlungszeitraum von ebenfalls zwölf Wochen. Die Vorteile der zeitlichen Flexibilität und der unterhaltsamen Ausführung scheinen den Nachteil der nicht angeleiteten und möglicherweise nicht optimalen Bewegungsausführung auszugleichen.

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Die Auswertung der Ergebnisse zeigt: Übungsprogramme an Spielkonsolen für die Nutzung zu Hause haben durchaus einen therapeutischen Effekt. „Beide Gruppen weisen nach dem Therapiezeitraum die gleichen Verbesserungen in den physiologischen Funktionstests aus. Die Gesamtmuskelkraft stieg um etwa zwölf Prozent an und die Gehleistung erhöhte sich um durchschnittlich fünf Prozent“, so Jan Zernicke. Die Ergebnisse könnten Patienten mit rheumatischen Erkrankungen ermutigen, gemeinsam mit ihren Physiotherapeuten und Rheumatologen eine ergänzende Behandlung mit diesem oder ähnlichen animierten Übungsprogrammen zu besprechen. Auch die physiotherapeutische Betreuung „per remote“, also aus der Ferne via PC und Webcam, ist keine Fiktion mehr. In Flächenländern wie Kanada wird sie bereits praktiziert und kann eine ergänzende Option der Rheumabehandlung sein.


Originalarbeit

  • *J. Zernicke, C. Kedor, A. Müller, G. R. Burmester, A. Reißhauer, E. Feist. A prospective pilot study to evaluate an animated home-based physical exercise program as a treatment option for patients with rheumatoid arthritis. BMC Musculoskeletal Disorders. 2016 Aug 18; 17(1):351. doi: 10.1186/s12891-016-1208-3.

 

Abb. oben: Anleitung zur Bewegungstherapie über eine Spielekonsole: Patientin bei einer Yoga-Übung. Foto: Jan Zernicke, Charité


Weitere Informationen


Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin , 13.10.2016 (tB).

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