Effektive Blutdrucksenkung bei Übergewichtigen

 

Deutsche Studie beim Europäischen Kardiologenkongress in München

 

München (30. August 2008) – Bei übergewichtigen Patienten mit Bluthochdruck ist eine Therapie mit der neuartigen Substanz Aliskiren deutlich wirksamer als mit Substanzen, die die Wasserausscheidung fördern (Diuretika) und die seit langem in der Bluthochdruck-Behandlung eingesetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine deutschen Studie, die von Prof. Dr. Roland E. Schmieder vom Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg beim Kongress der Europäischen Kardiologengesellschaft präsentiert wurde. Der Kongress der European Society of Cardiology (ESC) findet vom 30. August bis 3. September in München statt, erwartet werden rund 30.000 Teilnehmer. Der ESC-Kongress ist der größte Medizin-Kongress Europas.

  

Schwierige Patienten

75 Prozent der übergewichtigen Patienten, berichtet Prof. Schmieder, leiden auch an zu hohem Blutdruck und sind oft schwierig zu behandeln. "Insgesamt erreichen weniger als 20 Prozent dieser Patientengruppe den Zielblutdruckwert von weniger als 140/90 mmHg", so der Experte. "Hier besteht eindeutig ein Bedarf an neuen Therapieoptionen."

Renin-Hemmung erweitert die Blutgefäße

Der Renin-Hemmer Aliskiren scheint diesem Anspruch gerecht zu werden. Renin ist ein Enzym, das an der Produktion von Angiotensin im Körper beteiligt ist. Eine Renin- und damit auch Angiotensin-Hemmung führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße.
Nach 12-wöchiger Behandlung mit 300 Milligramm Aliskiren wurde im Vergleich zur Therapie mit 25 Milligramm des Diuretikums Hydrochlorothiazid (HCTZ) der Blutdruck besser gesenkt, berichtet Prof. Schmieder. "Darüber hinaus spreche ein signifikant größerer Prozentsatz der mit Aliskiren Behandelten auf die Therapie an." Nach 12 Wochen waren es 71,2 Prozent der Patienten, verglichen mit 59,5 Prozent bei HCTZ, nach 52 Wochen lag die Ansprechrate bei Aliskiren bei 86,3 Prozent, bei HCTZ hingegen bei 78 Prozent.

"Während die Aliskiren-basierte Behandlung bei der Senkung des Blutdrucks bei übergewichtigen und nicht-übergewichtigen Patienten eine ähnliche Wirksamkeitsrate zeigte, war die HCTZ-basierte Behandlung bei übergewichtigen Patienten weniger wirksam", sagt Prof. Schmieder. "Unsere Analyse zeigt, dass die Aliskiren-basierte Therapie eine hochwirksame und gut verträgliche Option für die schwierig behandelbare Patientengruppe mit Übergewicht und Bluthochdruck ist und gegenüber der HCTZ-basierten Therapie höhere Blutdruckkontrollraten bietet."

Deutsche Forscher auf dem ESC-Kongress sehr aktiv

Die von Prof. Schmieder präsentierte Studie ist eine von insgesamt 484 Arbeiten, die von deutschen Forschern beim Europäischen Kardiologenkongress in München vorgestellt werden. Dass sich die ESC mit ihrem Jahreskongress einmal mehr für den Standort Deutschland entschieden hat, sei auch eine Auszeichnung für die deutsche Kardiologie und für das Engagement der deutschen Herzspezialisten innerhalb der ESC, betonte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Prof. Dr. Dr. h.c. Gerd Heusch (Essen): "Dieses Engagement drückt sich insbesondere in unserer sehr intensiven wissenschaftlichen Beteiligung an diesem Kongress aus." Von den insgesamt rund 9670 wissenschaftlichen Arbeiten ("Abstracts"), die international für eine Präsentation eingereicht wurden, stammten 978 aus Deutschland – das ist der unangefochtene Spitzenplatz. Aber auch bei den wissenschaftlichen Arbeiten, die für die Präsentation ausgewählt wurden, ist die deutsche Kardiologie die Nummer Eins.

Quelle: Renin system inhibition and cardiovascular protection: can we do better? Abstract No. 3926



Quelle: Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. vom 30.08.2008.

 

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