Ein Therapiefall:

Männergesundheit im Europa des 21. Jahrhunderts

 

München (12. Juni 2008) – Getrieben von traditionell maskulinen Normen und gesellschaftlichen Erwartungen setzen Männer ihre Gesundheit aufs Spiel.(1) Oft nehmen sie keine medizinische Hilfe in Anspruch, weil das für „unmännlich” gehalten wird.(2) Die Konsequenzen sind, verglichen mit Frauen, höhere Mortalitäts- und Morbiditätsraten.(3) Aus diesem Grund müssen medizinische Fachkräfte und Gesundheitseinrichtungen aufmerksam und verantwortungsbewusst auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern in Abhängigkeit von Alter, ethnischer Zugehörigkeit, sozioökonomischem Status und Gesundheitsbedürfnissen reagieren.

 

Obwohl der Gesundheit von Männern heute mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird als je zuvor, gibt es viel zu tun, um ihren Bedürfnissen mit Blick auf Gesundheit und Wohlbefinden wirksamer zu entsprechen.(4) Denn Versäumnisse bei der Reduzierung von Erkrankungen bei Männern haben Auswirkungen sowohl auf deren Familien als auch auf die Gesellschaft insgesamt.(5)  

Warum steht es um die Gesundheit von Männern so schlecht?

Der Gesundheitszustand von Männern wird durch ganz verschiedene Faktoren beeinflusst.

 

  • Männer leben meist weniger gesund. Bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie rauchen, mehr als eine vertretbare Menge Alkohol trinken und gesundheitsfördernde Aktivitäten ablehnen.(6)

 

  • Männer, die mit Arbeitslosigkeit und beruflicher Unsicherheit konfrontiert sind, sind anfälliger für Stress, Krankheiten, Arbeitsunfähigkeit und Sterblichkeit.(6)

 

  • Obwohl Frauen in ihrem Leben belasteter sind als Männer, verfügen sie über wirksamere Bewältigungsstrategien. Auf lange Sicht ist Stress gesundheitsschädigend.(6)

 

 

Wie Männer mit Gesundheitseinrichtungen umgehen

 

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Männer innerhalb von zwölf Monaten nicht zum Arzt gehen, ist zweimal größer als bei Frauen.(6)

 

  • Gesundheitseinrichtungen reagieren sehr unterschiedlich auf Männer und Frauen. Medizinisches Fachpersonal stellt Männern weitaus weniger Zeit, Angebote, Gesundheitsinformationen und Beratungsangebote zur Verfügung als Frauen. Auch sprechen sie mit Männern weniger über die Notwendigkeit, ihre Gewohnheiten zugunsten ihrer Gesundheit zu verändern.(6) So erhält etwa die große Mehrheit der Frauen eine Routineberatung zur Selbstuntersuchung der Brust, während weniger als ein Drittel der Männer eine Beratung zu testikulärer Selbstuntersuchung erhält.(6)

 

  • Mit Blick auf Fragen der Gesundheit gelten Männer in der Gesellschaft als naiv und passiv.

 

Vorschläge zur Lösung des Problems „männliche Gesundheit“

 

  • Das medizinische Fachpersonal muss das Bewusstsein für die gesundheitlichen Bedürfnisse von Männern schärfen und zur Kenntnis nehmen, dass die Mehrheit der Männer Unterstützung nicht von selbst einfordert. Deshalb sollte man mit männlichen Patienten proaktiv über sich abzeichnende Gesundheitsprobleme sprechen.

 

  • Das medizinische Fachpersonal muss verstehen, dass die Leiden, aufgrund derer Männer ärztlichen Rat suchen – dazu gehören sexuelle Leistungsfähigkeit oder Sexualfunktionen – oft ganz direkt ihr maskulines Selbstverständnis betreffen. Dabei können diese Leiden auf andere ernsthafte Gesundheitsprobleme hinweisen und sollten Anlass für eine intensivere Untersuchung des Gesundheitszustands sein.(2)

 

  • Gesundheitseinrichtungen müssen männliche Gesundheit ganzheitlich begutachten, um bei Männern mit unterschiedlichem Hintergrund bessere Ergebnisse zu erzielen. Dabei sollte der Fokus auf einer proaktiven Gesundheitsvorsorge liegen.

 

  • Sofern eine Behandlung notwendig ist, sollten medizinische Fachkräfte diesen Bedarf erkennen und wirksame Lösungen anbieten, die Männern aller Altersstufen eine maximale Lebensqualität ermöglichen.

 

  • Gesundheitseinrichtungen müssen zu Zeiten ansprechbar sein, zu denen Männer diese auch aufsuchen können.

 

  • Männer müssen als Zielgruppe für Gesundheitserziehung erkannt werden.

 

  • Die kulturelle Bedeutung von Männlichkeit muss so definiert werden, dass Männer sich veranlasst sehen, sich um ihre Gesundheit zu kümmern.

 

  • Die Gesellschaft muss sich klarmachen, dass zahlreiche gesellschaftliche Realitäten wie Arbeitsplätze mit mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen und unsichere Arbeitsverhältnisse die Gesundheit von Männern beeinträchtigen. Die Umgebung, in der Männer einen Großteil ihrer Zeit verbringen, muss die Gesundheit fördern.

 

  • Männer müssen die notwendigen Fähigkeiten und das Selbstvertrauen erwerben, Gesundheitseinrichtungen zielführend zu nutzen, nach Hilfe zu fragen und diese anzunehmen.

 

Quellen

1   Mahalik JR, Burns SM, Syzdek M. Masculinity and perceived normative health behaviors as predictors of men’s health behaviors. Soc Sci Med. 2007;64(11):2201-9.

2   O’Brien R, Hunt K, Hart G. ‘It’s caveman stuff, but that is to a certain extent how guys still operate’: men’s accounts of masculinity and help seeking. Soc Sci Med. 2005;61(3):503-16.

3   McVittie C, Willock J. "You can’t fight windmills": how older men do health, ill health, and masculinities. Qual Health Res. 2006;16(6):788-801.

4   Crawshaw P. Governing the healthy male citizen: men, masculinity and popular health in Men’s Health magazine. Soc Sci Med. 2007;65(8):1606-18.

5   Bonhomme J, Men’s health: impact on women, children and society. J Mens Health Gend. 2007;4(2):124-130.

6   Williams DR. The Health of Men: Structured Inequalities and Opportunities. Am J Public Health. 2003;93(5):724–731.


Quelle: Presseveranstaltung der Firma Bayer HealthCare zum Thema „Wenn die männliche ‚Strandperle’ immer weiter wächst. Testosteronmangel, erektile Dysfunktion und metabolisches Syndrom – Zusammenhänge und Behandlungsmöglichkeiten“ am 12. Juni 2008 in München (3K-Agentur für Kommunikation).

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