Eisenmangel/-anämie bei Tumorpatienten

Frühzeitige Diagnose und Therapie sind entscheidend

  • Bis zu 63 % der onkologischen Patienten leiden an einem Eisenmangel.1
  • Hat sich bereits eine Eisenmangelanämie ausgeprägt, kann dies schwere Folgen für die Patienten haben: Dazu zählen die Beeinflussung der Chemotherapie2, das häufigere Auftreten lokaler Rezidive3, eine erhöhte Mortalitätsrate4 sowie eine zusätzliche Beeinträchtigung der Lebensqualität5.
  • Laut nationaler Leitlinie6 kann allein durch die Messung der Transferrinsättigung (TSAT) der Eisenstoffwechsel ausreichend zuverlässig überwacht werden: Liegt die TSAT
    < 20 %, ist von einer eisendefizitären Erythropoese auszugehen.6
  • Nationale6 und internationale7 Leitlinien empfehlen zum Ausgleich eines Eisendefizits bei onkologischen Patienten vorzugsweise die i.v. Eisensubstitution – sie nennen hierfür Eisencarboxymaltose* als Möglichkeit.6,7

München (25. Juni 2020) — In Abhängigkeit von der Tumorentität weisen bis zu 63 % der onkologischen Patienten einen Eisenmangel auf; im Durchschnitt aller Tumorentitäten leiden 33 % der Patienten an einer Eisenmangelanämie.1 Damit einhergehen können vielfältige negative Auswirkungen auf die onkologische Grunderkrankung. Die Experten Prof. Dr. Marc Thill (Frankfurt/Main) und Dr. Georg Heinrich (Fürstenwalde) erörterten in einem digitalen Symposium von Vifor Pharma, wie der Transfer vom theoretischen Wissen zum Eisenmangel bei onkologischen Patienten in die Praxisroutine gelingen kann.


Eisenmangel bei onkologischen Patienten: Vielerlei Ursachen

Bei 82 % der onkologischen Patienten mit Eisenmangel handelt es sich um einen funktionellen Eisenmangel1: Hier ist trotz ausreichender Eisenreserven die Verfügbarkeit des Eisens eingeschränkt. Neben dem funktionellen Eisenmangel gibt es noch den absoluten Eisenmangel, bei dem die Minderversorgung der Erythropoese und anderer Zellen des Körpers auf einem wirklichen Mangel an Eisen beruht.6

Die Entstehung eines Eisenmangels bzw. einer Eisenmangelanämie bei onkologischen Patienten kann multifaktoriell bedingt sein: Beispielsweise können die Eisenspeicher durch chronischen Blutverlust aufgrund des Tumors, Ernährungsdefiziten oder Resorptionsstörungen entleert werden.8 Chemo- und Radio-Therapie9 können Ursache für eine Eisenmangelanämie bei onkologischen Patienten sein. So entwickelt etwa die Hälfte der Patienten nach dem 4. Chemotherapie-Zyklus eine Anämie.10

Nicht zu vergessen ist der Tumor-induzierte Eisenmangel, bei dem es sich um einen funktionellen Eisenmangel handelt. Im Fokus steht hierbei das Peptidhormon Hepcidin, das bei chronischen Entzündungen und malignen Prozessen von der Leber ausgeschüttet wird. Hepcidin reduziert nicht nur die Eisenresorption aus dem Darm, sondern blockiert auch das vorhandene Eisen in den Zellen, sodass es nicht für seine vielfältigen Funktionen im Körper zur Verfügung steht.6


Transferrinsättigung als diagnostischer Marker des Eisenmangels

Wird der Eisenmangel nicht behandelt, kann sich eine Eisenmangelanämie entwickeln8 – die Hämoglobin (Hb)-Normwerte werden dann unterschritten (Hb-Wert < 12 g/dl bei Frauen, < 13 g/dl bei Männern).6 Daher ist eine frühzeitige Diagnose des Eisenmangels von großer Bedeutung. Hierbei kommt der Bestimmung der Transferrinsättigung (TSAT) eine Schlüsselrolle zu; nimmt die TSAT ab, ist dies ein Zeichen für eine Verschlechterung der Eisenverfügbarkeit.6 Laut nationaler Onkopedia-Leitlinie kann allein durch die TSAT-Messung der Eisenstoffwechsel ausreichend zuverlässig überwacht werden: Liegt die TSAT < 20 % ist von einer eisendefizitären Erythropoese auszugehen.6


Eisenmangel bei Tumorpatienten ist keine „Nebensache“

Die Auswirkungen von Eisenmangel und Eisenmangelanämie sollten ernst genommen werden, denn sie können die Tumorpatienten und deren Therapie zusätzlich belasten. Neben den generell möglichen Symptomen eines Eisenmangels wie Fatigue, Beeinträchtigung des Immunsystems und kognitive Dysfunktion11, kann eine Eisenmangelanämie weitere Probleme bereiten. Dazu zählt, dass sie die Therapie maßgeblich negativ beeinflussen kann: Das Risiko für eine Dosiserniedrigung und -unterbrechung im Verlauf einer Chemotherapie kann bei moderater Anämie 1,5-fach und bei schwerer Anämie sogar 2,8-fach erhöht sein.2 Bei anämischen Patienten können häufiger Rezidive auftreten3 und die Mortalitätsrate kann erhöht sein4. Zudem kann eine Eisenmangelanämie die Lebensqualität der Betroffenen, wie die körperliche und soziale Funktionsfähigkeit, das psychische Wohlbefinden und die Vitalität, beeinträchtigen.5


Eisensubstitution – so früh und effizient wie möglich

Für das Ziel der Normalisierung der Eisenspeicher und der Hb-Konzentrationen stehen Bluttransfusionen, Eisensubstitution und ESA zur Verfügung. Bluttransfusionen sollten jedoch aufgrund der erhöhten Komplikations- und Mortalitätsraten12 so lange wie möglich vermieden werden; bei ESA stellt das Thromboserisiko einen entscheidenden Nachteil dar13,14. Bei onkologischen Patienten mit Eisenmangel empfehlen nationale6 und internationale7 Leitlinien vorzugsweise die i.v. Eisensubstitution; diese kann – im Gegensatz zu oralem Eisen – den Hepcidin-Block beim funktionellen Eisenmangel umgehen.8 Als Möglichkeit der Korrektur eines Eisenmangels wird von den Leitlinien eine i.v. Eisensubstitution mit Eisencarboxymaltose (ferinject®)*,15 genannt.6,7


Eisencarboxymaltose (FCM): Klinische Daten

Die Dextran-freie16 Eisencarboxymaltose ist charakterisiert durch eine hohe Komplexstabilität, die eine Applikation von bis zu 1.000 mg in einer Sitzung ermöglicht6, und zeigt eine gute Wirksamkeit:
Klinische Daten unterstreichen den Nutzen von FCM bei onkologischen Patienten mit Eisenmangel. In einer nicht-interventionellen Studie führte FCM sowohl in der Monotherapie (n=233) als auch in Kombination mit einem ESA (n=46) dazu, dass der Hb-Wert innerhalb von 5 Wochen zunahm und sich anhaltend stabilisierte.17 Eine Interventionsstudie mit 19 Lymphom-Patienten zeigt, dass bei Chemotherapie-induziertem Eisenmangel und Eisenmangelanämie die i.v. Eisenmangeltherapie mit FCM zu einer schnellen Bereitstellung von Funktionseisen (TSAT) und zur effektiven Korrektur der Eisenmangelanämie führte. Die Hb-Werte stiegen nach 8 Wochen in der FCM-Gruppe signifikant höher (p=0,021) als in der Kontrollgruppe, die keine Anämiebehandlung erhielt, sondern eine symptomatische Behandlung nach der im jeweiligen Krankenhaus üblichen Praxis.18

Des Weiteren konnte in einer Beobachtungsstudie durch die i.v. Eisensubstitution mit FCM zur Behandlung der präoperativen Eisenmangelanämie bei Kolonkarzinom-Patienten das Transfusionsrisiko und die Krankenhausverweildauer im Vergleich zu einem historischen Kollektiv, das kein i.v. Eisen, jedoch orales Eisen erhielt, gesenkt werden.19

Die Minimierung von Transfusionen ist von großer Bedeutung, da Bluttransfusionen ein unabhängiges Risiko für Morbidität und Mortalität darstellen.20 Insgesamt hat Eisencarboxymaltose bei der Behandlung von Tumorpatienten mit Eisenmangelanämie eine gute Verträglichkeit gezeigt.17, 19

 

Anmerkung

* ferinject® ist indiziert zur Behandlung von Eisenmangelzuständen, wenn orale Eisenpräparate unwirksam sind oder nicht angewendet werden können.15

Die Vifor Pharma Gruppe, ehemals Galenica Gruppe, ist ein globales Spezialitäten-Pharmaunter-nehmen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, globale Marktführerin in den Bereichen Eisenmangel, kardio-renaler Therapien und Nephrologie zu werden. Das Unternehmen ist der bevorzugte Partner für Spezialitäten-Pharmaprodukte und innovative patientenorientierte Lösungen. Die Vifor Pharma Gruppe will Patienten mit schweren und chronischen Krankheiten auf der ganzen Welt helfen, ein Leben in besserer Gesundheit zu führen. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte für eine optimale Patientenversorgung.

Die Vifor Pharma Gruppe nimmt in all ihren Kerngeschäften eine führende Position ein und besteht aus den folgenden Unternehmen: Vifor Pharma, Vifor Fresenius Medical Care Renal Pharma (ein gemeinsam mit Fresenius Medical Care geführtes Unternehmen), Relypsa und OM Pharma. Die Vifor Pharma Gruppe hat ihren Hauptsitz in der Schweiz und ist an der Schweizer Börse (SIX Swiss Exchange, VIFN, ISIN: CH0364749348) kotiert.


Vifor Pharma
, ein Unternehmen der Vifor Pharma Gruppe mit Sitz in Zürich, ist die weltweit führende Gesellschaft in der Erforschung, Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von pharmazeutischen Produkten zur Behandlung von Eisenmangel. Das Unternehmen bietet zudem ein diversifiziertes Portfolio an verschreibungs- (Rx) und nichtverschreibungspflichtigen (OTC) Medikamenten an.
Vifor Pharma baut seine globale Präsenz laufend aus und verfügt über ein umfassendes, weltweites Netzwerk aus Tochtergesellschaften und Partnern.

 

ferinject® (US-Markenname: Injectafer®) ist ein innovatives, dextranfreies, intravenös zu verabreichendes Eisenpräparat, das von Vifor Pharma erforscht und entwickelt wurde. Eisencarboxymaltose ist der pharmazeutische Wirkstoff von ferinject®. Bislang ist ferinject® in 72 Ländern weltweit für die Behandlung von Eisenmangelzuständen zugelassen, wenn orale Eisenpräparate unwirksam sind oder nicht angewendet werden können. Die Diagnose eines Eisenmangels muss durch geeignete Laboruntersuchungen bestätigt sein.

FERINJECT® 50 mg Eisen/ml.
Wirkstoff:
Eisencarboxymaltose. Zusammensetzung: 1 ml Lösung enthält 50 mg elementares, dreiwertiges Eisen als Eisencarboxymaltose; sonstige Bestandteile: Natriumhydroxid und Salzsäure (zur Einstellung des pH-Werts), Wasser für Injektionszwecke.
Anwendungsgebiete: Behandlung von Eisenmangelzuständen, wenn orale Eisenpräparate unwirksam sind oder nicht angewendet werden können. Die Diagnose eines Eisenmangels muss durch geeignete Laboruntersuchungen bestätigt sein.
Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, gegen Ferinject® 50 mg Eisen/ml oder einen der sonstigen Bestandteile, schwere bekannte Überempfindlichkeit gegen andere parenterale Eisenpräparate, nicht durch Eisenmangel bedingte Anämie, Anhaltspunkte für eine Eisenüberladung oder Eisenverwertungsstörungen.
Nebenwirkungen: Häufig: Hypophosphatämie, Kopfschmerzen, Schwindel, Flush, Hypertonie, Übelkeit, Reaktionen an der Injektions-/infusionsstelle. Gelegentlich: Überempfindlichkeit, Parästhesie, Dysgeusie, Tachykardie, Hypotonie, Dyspnoe, Erbrechen, Dyspepsie, Abdominalschmerz, Verstopfung, Diarrhoe, Pruritus, Urtikaria, Erythem, Ausschlag, Myalgie, Rückenschmerzen, Arthralgie, Schmerz in einer Extremität, Muskelspasmen, Fieber, Müdigkeit, Schmerzen im Brustkorb, peripheres Ödem, Schüttelfrost, vorübergehender Abfall der Serumphosphatspiegel, Anstieg der Alanin-Aminotransferase, Anstieg der Aspartat-Aminotransferase, Anstieg der Gamma-Glutamyltransferase, Anstieg der Lactatdehydrogenase im Blut, Anstieg der alkalischen Phosphatase im Blut. Selten: anaphylaktoide/anaphylaktische Reaktionen, Verlust des Bewusstseins, Angst, Phlebitis, Synkope, Präsynkope, Bronchospasmen, Flatulenz, Angioödem, Blässe, Gesichtsödem, Unwohlsein, grippeähnliche Symptome (die innerhalb weniger Stunden oder mehrerer Tage einsetzen können).
Verschreibungspflichtig.
Pharmazeutischer Unternehmer: Zulassungsinhaber: Vifor France, 100-101 Terasse Boieldieu, Tour Franklin La Défense 8, 92042 Paris La Défense Cedex, Frankreich;
Vertrieb: Vifor Pharma Deutschland GmbH, Baierbrunner Straße 29, 81379 München, Deutschland.
Stand: November 2018


Literatur

  1. Ludwig H, et al. Prevalence of iron deficiency across different tumors and its association with poor performance status, disease status and anemia. Ann Oncol 2013; 24: 1886–1892.
  2. Family L, et al. The effect of chemotherapy-induced anemia on dose reduction and dose delay. Support Care Cancer 2016; 24(10): 4263–4271.
  3. Zhang Y, et al. Impact of preoperative anemia on relapse and survival in breast cancer patients. BMC Cancer 2014; 14: 844.
  4. Wan S, et al. Post-diagnosis hemoglobin change associates with overall survival of multiple malignancies – results from a 14-year hospital-based cohort of lung, breast, colorectal, and liver cancers. BMC Cancer 2013; 13: 340.
  5. Lind M, et al. The level of haemoglobin in anaemic cancer patients correlates positively with quality of life.
    Brit J Cancer 2002; 86: 1243–1249.
  6. Hastka J, et al. Eisenmangel und Eisenmangelanämie. Stand Dezember 2018. Abrufbar unter:
    https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/eisenmangel-und-eisenmangelanaemie/@@guideline/html/index.html. Letzter Zugriff: 03. Juni 2020
  7. Aapro M, et al. Management of anaemia and iron deficiency in patients with cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines. Ann Oncol 2018; 29(Suppl 4): iv96–iv110.
  8. Aapro M, et al. Prevalence and management of cancer-related anaemia, iron deficiency and the specific role of i.v. iron. Ann Oncol 2012; 23: 1954–1962.
  9. Leitlinienprogramm Onkologie – S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patientinnen – Langversion 1.1 – April 2017 – AWMF-Registernummer: 032/054OL.
  10. Ludwig H, et al. The European Cancer Anaemia Survey (ECAS): a large, multinational, prospective survey defining the prevalence, incidence, and treatment of anaemia in cancer patients. Eur J Cancer 2004; 40(15): 2293-2306.
  11. Nielsen P. Diagnostik und Therapie von Eisenmangel mit und ohne Anämie. UNI-MED Bremen 2009: 66–69.
  12. Salim A, et al. Role of Anemia in Traumatic Brain Injury. J Am Cell Surg 2008; 207 (3): 398–406.
  13. Bohlius J, et al. Recombinant Human Erythropoietins and Cancer Patients: Updated Meta-Analysis of 57 Studies Including 9353 Patients. J Natl. Cancer Inst 2006; 98(10): 708–714.
  14. Bokemeyer C, et al. EORTC guidelines for the use of erythropoietic proteins in anaemic patients with cancer: 2006 update. Eur J Cancer 2007; 43(2): 258–270.
  15. Fachinformation ferinject®, in der jeweils gültigen Fassung.
  16. Funk F, et al. The new generation of intravenous iron: chemistry, pharmacology, and toxicology of ferric carboxymaltose. Arzneimittelforschung 2010;60(6a):345-353.
  17. Steinmetz T, et al. Clinical experience with ferric carboxymaltose in the treatment of cancer- and chemotherapy-associated anaemia. Ann Oncol 2013; 24: 475–482.
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  19. Calleja JL, et al. Ferric carboxymaltose reduces transfusions and hospital stay in patients with colon cancer and anemia. Int J Colorectal Dis 2016; 31: 543–551.
  20. Bernard AC, et al. Intraoperative Transfusion of 1 U to 2 U Packed Red Blood Cells Is Associated with Increased 30-Day Mortality, Surgical-Site Infection, Pneumonia, and Sepsis in General Surgery Patients. J Am Coll Surg 2009; 208(5): 931-937.

 


Quelle: Vifor Pharma, 25.06.2020 (tB).

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