ENS 2013

Roboter holen Demenzkranke aus der Apathie

 

Barcelona, Spanien (11. Juni 2013) – Roboter könnten künftig eine Schlüsselrolle bei der Förderung von Demenzkranken einnehmen. Ein spanisches Forschungsteam vermeldete beim Kongress der Europäischen Neurologengesellschaft in Barcelona erste Erfolge bei der Robotherapie für Demenzkranke. WHO-Prognosen gehen davon aus, dass sich bis 2050 die Zahl der Betroffenen weltweit verdreifacht.  

 

Roboter können teilnahmslose Demenzkranke ein Stück weit aus der Apathie holen. Das fand ein spanisches Forschungsteam im Rahmen einer Pilotstudie heraus, die beim 23. Meeting der Europäischen Neurologengesellschaft (ENS) in Barcelona vorgestellt wurde, wo derzeit 3.000 Experten aktuelle Entwicklungen des Fachgebiets diskutieren. Die rasante Zunahme an Demenzkranken zählt zu den drängendsten Herausforderungen im Gesundheits- und Sozialbereich. Bereits jetzt leiden weltweit 35,6 Millionen Menschen an Demenz. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert, dass sich die Zahl der Betroffenen aufgrund der demografischen Entwicklung bis 2030 verdoppeln und bis 2050 sogar verdreifachen wird. „Wir müssen Konzepte zur optimalen Langzeitpflege dieser Patienten/-innengruppen entwickeln, die berücksichtigte, dass immer weniger jüngere Menschen immer mehr ältere Personen versorgen müssen. Möglicherweise können Roboter in Zukunft Therapeuten unterstützen“, erklärte Dr. Meritxell Valentí Soler (CIEN Foundation – Alzheimer Center Reina Sofía Foundation, Madrid, Spanien). 

 

Für die aktuelle von Dr. Pablo Martinez-Martin koordinierte Studie untersuchte Dr. Valentí Soler die Therapieerfolge bei 101 Patienten, die zwischen 58 und 100 Jahre alt waren, an moderaten bis schweren Formen demenzieller Erkrankungen litten und sich in institutioneller Pflege befanden. 88 Prozent der Probanden waren weiblich. Bei allen Patienten standen drei Monate lang zweimal wöchentlich Therapieeinheiten auf dem Programm. Sie wurden mithilfe von Musik-, Sprach- und kognitiver Therapie gefördert. Der Unterschied lag lediglich darin, dass die Förderung bei einer Patientengruppe nur von Therapeuten durchgeführt wurden, bei den anderen beiden Gruppen wurden die Therapeuten von Robotern unterstützt, wobei einer wie ein kleiner Mensch, der andere wie eine Robbe gestaltet war. 

 

 

Patienten weniger teilnahmslos 

 

Anhand einer Skala wurde das Ausmaß der Apathie vor und nach der Behandlung verglichen. Dabei fiel auf, dass vor allem die Therapie mit den humanoiden Robotern anschlug und die Patienten nach der Therapie weniger teilnahmslos waren. Ein Grund zu vorsichtigem Optimismus: „Die Verbesserung hielt sich zwar in engen Grenzen und natürlich kann man das Ergebnis bei einem so kleinen Sample nicht auf alle Demenzkranken übertragen. Weitere Untersuchungen mit einer größeren Patientengruppe wären erforderlich, um die Wiederholbarkeit des Erfolgs zu testen und nähere Aussagen über den Grad der Verbesserung zu treffen. Dennoch lassen diese ersten Ergebnisse die Hoffnung aufkommen, einem gangbaren Weg für die Förderung von Demenzerkrankten auf der Spur zu sein“, resümierte Dr. Valentí Soler.  

 

Der kognitive Zustand der Patienten konnte durch die Robotherapie nicht verbessert werden. Dieser wurde vor und nach der Therapie mithilfe zweier Tests ermittelt, dem Mini-Mental-Status-Test und der Severe Mini Mental Examination, die speziell für Patienten/-innen entwickelt wurde, die an mittlerer bis schwerer Demenz leiden. Der Mini-Mental-Status-Test ergab sogar signifikante Verschlechterungen bei der Gruppe, bei der die humanoiden Roboter eingesetzt waren. Die Severe Mini Mental Examination zeigte dagegen keine Veränderungen an. 

 

 

Service: Demenz in Europa

 

Die OECD bietet in einem Überblick, wie hoch die Demenz-Prävalenz in den verschiedenen europäischen Ländern ist: www.oecd-ilibrary.org/docserver/download/8112121ec018.pdf

 


 

Quellen: ENS Abstract P662: Robotherapy in dementia: pilot study; WHO (2012): Dementia: a public health priority: www.who.int/mental_health/publications/dementia_report_2012/en/index.html ; OECD (2012): Health at a glance, Europa 2012: www.oecd-ilibrary.org/docserver/download/8112121ec018.pdf. (tB)

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