Abb.: Die Kurven zeigen die zeitliche Reaktion von Nervenfasern, die so genannte Potenzialmessung, nach einer Stimulation (Pfeil). Die Reaktionszeit variiert zwischen einer normalen (grau), einer verzögerten (rot) und einer abgeschwächten Erregungsleitung (grün). Abbildung: AG Saleh IbrahimEntzündungsforschung

Kann der Verlauf von Multipler Sklerose beeinflusst werden?

 

Lübeck (21. August 2014) – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Entzündungsforschung“ der Universität zu Lübeck haben ein Gen identifiziert, welches die Übertragungsgeschwindigkeit von Nervenfasern beeinflusst. Bei der Erkrankung Multiple Sklerose (MS) ist diese Nervenleitungsgeschwindigkeit verändert. Die neuen Erkenntnisse könnten zukünftige Therapien dieser Erkrankung beeinflussen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanzierte die Studie, die jetzt (Mittwoch, 13.08.) in der internationalen Fachzeitschrift American Journal of Pathology veröffentlicht wurde.

 

Das Forschungsteam des Lübecker Instituts für Experimentelle Dermatologie und des Instituts für Medizinische Biometrie und Statistik untersuchte gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus München, Magdeburg, Spanien, Österreich und Schweden die genetischen Ursachen für veränderte Nervenleitungsgeschwindigkeiten. Die genetischen Informationen für den Aufbau sämtlicher Körperstrukturen sind in Chromosomen gespeichert. Bisher war bekannt, in welchem Abschnitt des Chromosoms die Informationen für Nervenleitungsgeschwindigkeiten liegen. Diesen Chromosomenbereich identifizierte Doktor Susanne Lemcke, Erstautorin der aktuellen Studie und Mitglied im Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“, im Rahmen ihrer Promotionsarbeit. „In einer langwierigen Feinkartierung haben wir aus mehreren Hundert Genen die in Frage kommenden herausgesiebt“, berichtet Lemcke. Ein Chromosomenbereich enthalte zu viele Gene, als das man sie alle detailliert untersuchen könne.

Etwa zehn Gene, die für eine Steuerung der Nervenleitungsgeschwindigkeit in Frage kamen, wurden von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern genauer untersucht. Das sogenannte Kandidatengen, welches veränderte Leitungsgeschwindigkeiten in den Nerven verursacht, wiesen die Forscherinnen und Forscher schließlich im Mausmodell nach. „Wir konnten zeigen, dass kleine Varianten im Genom, sogenannte SNPs, die Ausbreitung der Signale entlang der Nervenfaser beeinflussen. Es ist faszinierend, dass solche genetischen Mutationen, die jeweils nur einen einzelnen ‚Genbuchstaben‘ an einer bestimmten Stelle des Erbguts verändern, Einfluss auf die Nervenleitungsgeschwindigkeit haben“, fasst Lemcke die neuen Erkenntnisse zusammen.

Bei einer zusätzlichen Studie, die gesunde und an MS erkrankte Personen verglich, konnte ein Zusammenhang zwischen dem Vorkommen der neu entdeckten Genvariante und dem Auftreten von MS nachgewiesen werden. „Unsere Ergebnisse könnten zu neuen Ansatzmöglichkeiten für die Prävention und Behandlung von MS führen“, erklärt Studienleiter und Clustermitglied Professor Saleh Ibrahim. „In unserem nächsten Schritt wollen wir erforschen, wie stark Veränderungen im Genom mit dem Schweregrad der MS Erkrankung assoziiert sind.“


Originalpublikation

  • Lemcke, S., Müller, S., Möller, S., Schillert, A., Ziegler, A., Cepok-Kauffeld, S., Comabella, M., Montalban, X., Rülicke, T., Kutty, S. N., Hemmer, B., Holmdahl, R., Pahnke, J., and Ibrahim, S.M. (2014): Nerve Conduction Velocity Is Regulated by the Inositol-Polyphosphate-4-Phosphatase II Gene, American Journal of Pathology, 185 (3), http://dx.doi.org/10.1016/j.ajpath.2014.05.021  

 

Abb. oben: Die Kurven zeigen die zeitliche Reaktion von Nervenfasern, die so genannte Potenzialmessung, nach einer Stimulation (Pfeil). Die Reaktionszeit variiert zwischen einer normalen (grau), einer verzögerten (rot) und einer abgeschwächten Erregungsleitung (grün). Abbildung: AG Saleh Ibrahim

 

Weitere Informationen

 

 


Quelle: Exzellenzcluster Entzündungsforschung, 21.08.2014 (tB) Thomas Backe

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung