Entzündungshemmer gegen Darmkrebs

 

International Journal of Cancer, Band 125 (7), ist erschienen

 

Heidelberg (2. Oktober 2009) –  Entzündungshemmende Medikamente und Antioxidantien können Menschen vor Darmkrebs schützen, indem sie chronisch entzündlichen Darmkrankheiten entgegenwirken. Außerdem im Heft: Fehlt das zelluläre Prion-Protein in Krebszellen, entstehen bei Mäusen mehr Absiedlungen in der Lunge. Die Prognose bei Prostatakrebs ist umso schlechter, je aktiver das Enzym Mangan-Superoxid-Dismutase im Tumorgewebe ist.

Antioxidantien und entzündungshemmende Medikamente können das Darmkrebsrisiko verringern. Das zeigte eine Studie an 750 Darmkrebspatienten und 1200 gesunden Kontrollpersonen von Martha Slattery von der University of Utah und ihrem Team. Diese Substanzen wirken reaktionsfreudigen Sauerstoffverbindungen entgegen, den so genannten freien Radikalen. Diese sind dafür bekannt, dass sie chronisch entzündliche Darmerkrankungen verursachen können. Menschen, die an einer solchen Erkrankung leiden, tragen ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. Die Forscher beobachteten, dass sowohl die Aufnahme bestimmter Antioxidantien mit der Nahrung, etwa Vitamin E, als auch die Einnahme entzündungshemmender Medikamente dazu führte, dass Gene, deren Veränderung Krebs auslösen kann, seltener mutiert waren.

Welche Rolle spielt das zelluläre Prion-Protein bei der Entstehung von Tumoren und der Bildung von Metastasen? Dieser Frage gingen Angelita Muras vom Ludwig Institute for Cancer Research in Sao Paulo und ihr brasilianisches Forscherteam nach, indem sie verschiedene Krebszelllinien verglichen. Dazu impften die Wissenschaftler eine erste Gruppe von Mäusen mit Krebszellen, die das Prion-Protein enthielten und eine zweite Mausgruppe mit Krebszellen, die das Protein nicht enthielten. Das Ergebnis: Bei Mäusen der zweiten Gruppe entstanden mehr Absiedlungen in der Lunge als bei Mäusen, die Zellen mit Prion-Proteinen geimpft bekamen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Prion-freien Krebszellen mehr Integrine bilden. Integrine sind Oberflächenmoleküle, die es Krebszellen ermöglichen, in fremdes Gewebe einzudringen – ein wichtiger Faktor für Tumoren, um Metastasen bilden zu können. Blockierten die Forscher die Integrine, setzten sich die Krebszellen schlechter in der Lunge fest. Das zelluläre Prion-Protein scheint demnach eine hemmende Rolle bei der Ausbreitung von Krebszellen zu spielen.

Die übliche Therapie bei Patienten mit Prostatakrebs ist der Entzug von männlichen Sexualhormonen – um den Tumorzellen das Wachstumssignal zu entziehen. Doch leider werden die Tumorzellen mit der Zeit unabhängig von den Hormonen, und vermehren sich auch ohne dieses Wachstumssignal. Bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs steigt in diesem Stadium gleichzeitig die Zahl von Zellen, die Neurohormone ausschütten – die so genannten neuroendokrinen (EN-) Zellen – im Tumorgewebe stark an. Dieser Anstieg geht einher mit einer schlechten Prognose für den Patienten. Wissenschaftler um Isabel Quirós vom Institut IOUPA im spanischen Oviedo untersuchten, welche Vorgänge dabei eine Rolle spielen. Dafür wandelten die Wissenschaftler Prostatakrebszellen in EN-ähnliche Zellen um. Sie stellten daraufhin eine erhöhte Aktivität des Enzyms Mangan Superoxid Dismutase in den Zellen fest. Das Enzym ist ebenfalls dafür bekannt, Zellen gegen Chemo- und Strahlentherapie zu schützen. Die Forscher wollen nun dieses Enzym genauer untersuchen, da es ein interessantes Angriffsziel für künftige Therapien sein könnte.

Literatur

Slattery et al. Tumor markers and rectal cancer: Support for an inflammation-related pathway
DOI: 10.1002/ijc.24467

Muras et al. Prion protein ablation increases cellular aggregation and embolization contributing to mechanisms of metastasis
DOI: 10.1002/ijc.24425

Quirós et al. Upregulation of manganese superoxide dismutase (SOD2) is a common pathway for neuroendocrine differentiation in prostate cancer cells
DOI: 10.1002/ijc.24501

Weitere Artikel sind unter folgendem Link verfügbar:
http://www3.interscience.wiley.com


 

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft vom 02.10.2009 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung