12. Workshop des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege am 26.02.2010 in der Charité Universitätsmedizin Berlin

 

Ergebnisse der modellhaften Implementierung des 7. nationalen Expertenstandards „Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“ liegen vor

 

Berlin (11. März 2010) – Der Expertenstandard „Ernährungsmanagement“ konnte in der ersten Jahreshälfte 2009 mit wissenschaftlicher Begleitung in 24 Gesundheits- und Altenhilfeeinrichtungen – 11 Einrichtungen der stationären Altenhilfe, 9 Krankenhäusern und 4 ambulanten Pflegediensten – erfolgreich eingeführt werden. Die Ergebnisse der modellhaften Implementierung waren ein zentrales Thema des diesjährigen Netzwerk-Workshops, sie wurden in sieben Arbeitsgruppen eingehend diskutiert. Der Workshop war – ebenso wie in den vergangenen Jahren – mit über 350 TeilnehmerInnen weit vor dem Termin ausgebucht.

 

Eröffnet wurde der Workshop von Andreas Westerfellhaus (Präsident des Deutschen Pflegerats) und Hedwig François-Kettner (Pflegedirektorin der Charité Universitätsmedizin Berlin). Die Vorstellung der Ergebnisse aus dem Implementierungsprojekt erfolgte sowohl aus dem Blickwinkel der wissenschaftlichen Begleitung (Prof. Dr. Martin Moers, DNQP, FH Osnabrück) als auch aus Sicht der Praxis der Altenpflege (Dipl.-Pflegewirtin Barbara Lauffer-Spindler, M.A., Samariterstiftung Leonberg). Zusammen genommen waren die Botschaften beider Vorträge, dass der Expertenstandard „Ernährungsmanagement“ hohe Anforderung an die pflegerische Einschätzung von Ernährungsrisiken stellt und seine Einführung eine enge Kooperation aller mit dem Thema Ernährungsmanagement befassten Berufsgruppen voraussetzt. Für ein wirksames Ernährungsmanagement ist daher eine Disziplin übergreifende Verfahrensregelung, in der Ablaufpfade und Verantwortlichkeiten der einzelnen Berufsgruppen klar benannt werden, unverzichtbar.

 

Von den Projektbeauftragten aus den beteiligten Einrichtungen wird dem Expertenstandard durchweg hohe Relevanz, Praxistauglichkeit und Akzeptanz bescheinigt. Dies bestätigen aus Sicht des wissenschaftlichen Teams des DNQP auch die Ergebnisse des abschließenden Audits. Der großen Bedeutung des Themas Ernährung entsprechend wird daher eine flächendeckende Einführung des Expertenstandards empfohlen.

 

Aus allen Einrichtungsarten ist im Rahmen der Standardeinführung von ausgedünnten Personalressourcen berichtet worden. Hier ist die besorgniserregende Tendenz festzustellen, dass Personalknappheit nicht nur aus Personalabbau in den Einrichtungen resultiert, sondern zunehmend auch auf unbesetzte Stellen zurückzuführen ist, für die kein qualifiziertes Personal gefunden werden kann. Für das Ernährungsmanagement ergibt sich daraus die Konsequenz, dass geringer qualifiziertes Personal vor dem Hintergrund sinkender Fachkraftquoten zunehmend an der Umsetzung von Maßnahmen beteiligt wird. Die Herausforderung besteht somit in der richtigen Aufgabenverteilung im pflegerischen Team und die Entscheidung für eine adäquate Pflegeorganisationsform, idealerweise dem Primary Nursing, da die Anwendung von Expertenstandards Pflegefachkräften vorbehalten ist. Allerdings bleibt festzuhalten, dass beide Maßnahmen nicht geeignet sind, sinkende Fachkraftquoten oder zu geringe Personalausstattung zu kompensieren.

 

Die Plenumsvorträge und Diskussionen am Nachmittag standen ganz im Zeichen der anhaltenden Diskussion um die Bedeutung des § 113a des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes für die zu-künftige Entwicklung von Expertenstandards in der Pflege. Beide Redner, Dr. Matthias von Schwanenflügel vom BMG und Klaus Dumeier vom GKV-Spitzenverband versuchten die Work-shop-TeilnehmerInnen davon zu überzeugen, dass zukünftig keine Abstriche an der methodischen und fachlichen Entwicklung zu befürchten sei. Frau Prof. Dr. Doris Schiemann stellte in Ihrem Ausblick auf die weitere Arbeit des Netzwerks klar, dass sich das DNQP auf seine dauerhafte Etablierung eingestellt hat und seine bisherige sektorenübergreifende Arbeit in Kooperation mit dem Deutschen Pflegerat fortsetzen wird.

 

 


Quelle: Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), 11.03.2010 (tB).

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