Erste „Hilfsmittelexperten“ haben Ausbildung abgeschlossen

 

Absolventen sind Vermittler zwischen Lebenslage, Sozialrecht und Hilfsmittelmarkt

 

Witten/Herdecke (28. Juli 2011) – Neun Teilnehmerinnen haben im Juli 2011 ihre Ausbildung zur „Geprüften Hilfemittelexpertin / Casemanagerin“ an der Universität Witten/Herdecke (UW/H) erfolgreich abgeschlossen. Damit sind sie die ersten Absolventen der in Deutschland einmaligen berufsbegleitenden Weiterbildungsmaßnahme.

Hilfsmittelexperten sind Vermittler zwischen Lebenslage, Sozialrecht und Hilfsmittelmarkt. Ihre Aufgabe ist es, Pflege- und Hilfebedürftige bei einer angemessenen und wirtschaftlichen Versorgung mit Hilfsmitteln zu unterstützen. Dies umfasst den Versorgungsprozess von der Beratung und administrativen Betreuung über die Analyse des Hilfsmittelbedarfs bis hin zur Planung, Umsetzung und Evaluation der Versorgung. Hilfsmittel sind zum Beispiel Rollatoren und Rollstühle, aber auch Hausnotrufsysteme oder Pflegebetten.

„Die Fallberichte und Diskussionen in den Abschlusspräsentationen zeigen deutlich, dass die dreistufige Ausbildung die Teilnehmer ideal auf das Lösen komplexer Versorgungssituationen vorbereitet hat“, freut sich Otto Inhester, Projektleiter der Weiterbildung Hilfsmittelexperte, mit den Absolventen. Diese haben in 18 Monaten ein umfassendes Wissen über Hilfsmittel, Sozialversicherungs- und Medizinprodukterecht erlangt und somit eine bundesweit einzigartige Ausbildung durchlaufen.

In speziellen Ausbildungsbereichen kooperierte die UW/H mit externen Institutionen wie Reha-Kind oder der Bundesfachschule für Orthopädietechnik. In Praktika bei Versorgern, aber auch im Hilfsmittelmanagement bei Krankenkassen, konnten die Teilnehmer ihr Wissen zudem bereits erfolgreich in der Praxis anwenden.

„Das Interesse an der Weiterbildung ist groß, weitere Hilfsmittelexperten werden folgen“, kündigt Otto Inhester an. Auch die Politik unterstützt das Programm. Vertreter des Bundesministeriums für Gesundheit lobten die Initiative zur Ausbildung von Hilfsmittelexperte mehrfach und wiesen auf die dringende Notwendigkeit qualifizierter Versorgung hin.

„Der erste große Schritt ist nun getan“, sagt Norbert Kamps, Mitbegründer und Initiator der Weiterbildung. „Nun geht es darum, ein Netzwerk von Hilfsmittelexperten aufzubauen, um so die Hilfsmittelversorgung zukünftig für alle Beteiligten zu verbessern.“ Von der zielgenaueren und indikationsgerechten Auswahl geeigneter Hilfsmittel sollen vor allem behinderte und pflegebedürftige Menschen sowie auch Kostenträger und Hilfsmittellieferanten profitieren.


Hintergrundinformationen:

Die berufsbegleitende Weiterbildung zum „Geprüften Hilfsmittelexperten / Casemanager“ wird seit September 2009 an der Universität Witten/Herdecke angeboten. Die Weiterbildung ist das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit zwischen Herrn Dipl.-Ing. N. Kamps und dem Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke. Sie richtet sich speziell an Mitarbeiter aus der Pflege, Physio- und Ergotherapie sowie der Heilerziehung. Für Mitarbeiter aus anderen Gesundheitsberufen, insbesondere dem Gesundheitshandwerk, wird seit Anfang 2011 die Weiterbildung „Hilfsmittelcoach“ angeboten.

Mit der Weiterbildung zum Hilfsmittelexperten bzw. Hilfsmittelcoach wird das Ziel einer berufsgruppenübergreifenden Ausbildung verfolgt. Die gerade in der Versorgungspraxis mit Hilfsmitteln geforderte interdisziplinäre Zusammenarbeit von Mitarbeitern aus der Pflege, Physio- und Ergotherapie, Heilerziehung, dem Gesundheitshandwerk, den Kostenträger und medizinischen Diensten soll durch die Weiterbildung gefördert werden.

Mit der Weiterbildung wird den gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen an ein ressourcenbegrenztes und durch den demographischen Wandel belastetes Gesundheits- und Sozialsystem entsprochen. Gleichzeitig wird dabei eine hohe Versorgungsqualität für erkrankte, behinderte und pflegebedürftige Menschen aufrecht erhalten.

Die drei Stufen der Ausbildung

 

  • Stufe 1: Beratung von Behinderten, Kranken und pflegebedürftigen Menschen, Bedarfserhebung, Leistungsrecht;
  • Stufe 2: Spezielles Hilfsmittelwissen über alle Arten der Hilfsmittelversorgung
  • Stufe 3: Hilfsmittelbezogenes Casemanagement und komplexe Versorgungssituationen wie z.B. häusliche Langzeitbeatmung

 

Ansprechpartner: Dipl. Päd. Otto Inhester, otto.inhester@uni-wh.de, Tel. 02302 / 926 -243

Über uns


Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsbildung.
Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft

 

 

Die Absolventen und Ausbildungsverantwortlichen. Photo: UW/H

 

Die Absolventen und Ausbildungsverantwortlichen. Photo: UW/H

 


Quelle: Universität Witten/Herdecke, 28.07.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

Fitness watches generate useful information, but increase patient anxiety
A new device provides added protection against COVID-19 during endoscopic…
81 million Americans lacking space or bathrooms to follow COVID…
Front-line physicians stressed and anxious at work and home
EULAR: High-Dose Glucocorticoids and IL-6 Receptor inhibition can reduce COVID-19…

SCHMERZ PAINCARE

Morbus Fabry mittels Datenanalysen aus dem PraxisRegister Schmerz aufspüren
Neandertaler besaßen niedrigere Schmerzschwelle
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2020 – ONLINE
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert Anerkennung von Nicht-Psychologen in der…
DBfK: Besondere Rolle für Pflegeexpert/innen Schmerz – nicht nur in…

DIABETES

“Körperstolz”: Michael Krauser managt seinen Diabetes digital
Der richtige Sensor – von Anfang an
Diabetes mellitus: Ein Risikofaktor für frühe Darmkrebserkrankungen
Fastenmonat Ramadan: Alte und neue Herausforderung für chronisch Erkrankte während…
Sanofi setzt sich für die Bedürfnisse von Menschen mit Diabetes…

ERNÄHRUNG

Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…
Fast Food, Bio-Lebensmittel, Energydrinks: neue Daten zum Ernährungsverhalten in Deutschland
Neue Daten zur Ernährungssituation in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen: Mangelernährung…
Baxter: Parenterale Ernährung von Patienten mit hohem Aminosäurenbedarf

ONKOLOGIE

Darolutamid bei Prostatakarzinom: Hinweis auf beträchtlichen Zusatznutzen
Multiples Myelom: Wissenschaftler überprüfen den Stellenwert der Blutstammzelltransplantation
Neues zur onkologischen Supportiv- und Misteltherapie und aktuelle Kongress-Highlights zum…
Finanzierung der ambulanten Krebsberatung weiterhin nicht gesichert
Lungenkrebsscreening mittels Low-Dose-CT

MULTIPLE SKLEROSE

Geschützt: Multiple Sklerose: Novartis’ Siponimod verzögert Krankheitsprogression und Hirnatrophie bei…
Neurofilamente als Diagnose- und Prognosemarker für Multiple Sklerose
Bedeutung der Langzeittherapie bei Multipler Sklerose – mehr Sicherheit und…
Bristol Myers Squibb erhält Zulassung der Europäischen Kommission für Ozanimod…
Einige MS-Medikamente könnten vor SARS-CoV-2/COVID-19 schützen

PARKINSON

Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…
Putzfimmel im Gehirn
Parkinson-Patienten in der Coronakrise: Versorgungssituation und ein neuer Ratgeber
Neuer Test: Frühzeitige Differenzialdiagose der Parkinson-Erkrankung
Gegen das Zittern: Parkinson- und essentiellen Tremor mit Ultraschall behandeln…