MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Faltblatt erklärt knapp und allgemein verständlich Vor- und Nachteile der Früherkennungsuntersuchung

IQWiG legt Elterninformation zu Pulsoxymetrie-Screening bei Neugeborenen vor


Köln (7. Juni 2016) – Trotz Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft und der U1-Untersuchung direkt nach der Geburt kann es vorkommen, dass ein schwerer Herzfehler nicht erkannt wird. Ein weiterer Test, die Pulsoxymetrie, soll diese diagnostische Lücke schließen. Doch wie jedes Screening kann die Pulsoxymetrie-Untersuchung nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile haben. Bereits 2015 hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Nutzen und Schaden des Pulsoymetrie-Screenings bewertet. Nun hat es diese Ergebnisse im Auftrag des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) in knapper und allgemein verständlicher Form für werdende Eltern aufbereitet.


Nutzer testen Verständlichkeit

In einem ersten Schritt haben die Kölner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler qualitative Studien recherchiert und ausgewertet, die der Frage nachgingen, welche Informationsbedürfnisse werdende Eltern haben, was sie also zu welchem Zeitpunkt wissen möchten.

Werbung

In einem zweiten Schritt hat das IQWiG einen Text sowie eine Grafik erstellt, die dem Umfang eines DIN-A4-Faltblatts entsprechen. Grundlage für die Darstellung von Vor- und Nachteilen waren dabei die Ergebnisse der Nutzenbewertung, die im Mai 2015 publiziert worden war. Der Faltblatt-Entwurf wurde einer Nutzertestung unterzogen: In zwei sogenannten Fokusgruppen prüften Testleserinnen und -leser mithilfe eines Diskussionsleitfadens, wie verständlich die Informationen sind. Außerdem prüften sie, als wie hilfreich die Informationen wahrgenommen werden. Danach wurde der Entwurf überarbeitet.

Ohne Behandlung ist Überlebens-Chance minimal

Einige angeborene Herzfehler, also Fehlbildungen am Herzen oder an herznahen Gefäßen, können nach der Geburt schnell zu lebensbedrohlichen Störungen des Herz-Kreislauf-Systems führen. Solche Herzfehler werden mit dem Fachbegriff "kritische Herzfehler" bezeichnet, im Faltblatt aber vereinfachend "schwere Herzfehler" genannt. Wenn Sie in den ersten 48 Stunden diagnostiziert werden, lassen sich Folgeschäden und Todesfälle durch eine frühzeitige Behandlung vermindern. Doch durch die bisherigen Standarduntersuchungen bleiben solche Herzfehler bei etwa vier von 10 .000 Neugeborenen unentdeckt.

Mit Pulsoxymetrie werden mehr kritische Fälle entdeckt

Bei der Pulsoxymetrie wird mithilfe eines Lichtsensors der Sauerstoffgehalt des Blutes bestimmt. Zu wenig Sauerstoff kann auf einen schweren Herzfehler hinweisen. Wie das IQWiG in seinem Abschlussbericht feststellte, werden mehr solcher kritischen angeborenen Herzfehler entdeckt, wenn zusätzlich zu den Standard-Untersuchungen auch eine Pulsoxymetrie durchgeführt wird. Diese sollte in den ersten 24 bis 48 Stunde n nach der Geburt stattfinden.

Im Durchschnitt wird dadurch bei etwa drei von 10.000 Babys ein schwerer Herzfehler entdeckt, der vorher nicht aufgefallen ist. Andererseits übersieht auch die Pulsoxymetrie noch immer bei durchschnittlich einem von 10.000 Babys eine solche Anomalie am Herzen.

Auffälliges Ergebnis kann beunruhigend sein

Zwar hat der Test selbst keinerlei Nebenwirkungen, wird doch noch nicht einmal Blut entnommen. Allerdings kann es sein, dass ein auffälliges Ergebnis überprüft werden muss, wobei die Zeit bis zu dieser Klärung, für Eltern belastend sein kann: 13 von 10.000 Neugeborenen haben einen auffälligen Test-Befund, davon haben nur etwa drei tatsächlich einen schweren Herzfehler und müssen schnell behandelt werden. Bei den übrigen zehn hat der niedrige Sauerstoffgehalt im Blut eine andere Ursache, die in der Regel medizinisch weniger gravierend ist und auch nicht immer eine Behandlung erfordert.


Faltblatt soll ärztliche Aufklärung unterstützen

Der G-BA berät derzeit die Einführung der Pulsoxymetrie als Angebot für alle gesetzlich versicherten Neugeborenen vor. "Das setzt eine Aufklärung der Eltern voraus", sagt Klaus Koch, Leiter des Ressorts Gesundheitsinformation im IQWiG: "Das Faltblatt soll die ärztliche Aufklärung unterstützen."

Information am besten schon vor der Geburt

Wie der Nutzertest zeigte, kann die Elterninformation helfen, das Screening zu verstehen. Aufgrund ihres knappen Formats, kann sie allerdings nicht alle Fragen beantworten.

Alle Testpersonen waren sich zudem darin einig, dass eine solche Information bereits während der Schwangerschaft erfolgen sollte, am besten in den letzten drei Monaten. Denn in den ersten 24 bis 48 Stunden nach der Geburt sind Eltern so gefordert, dass sie ein Faltblatt nicht lesen können oder wollen.

Material bündeln, um informierte Entscheidung zu ermöglichen

Der vom IQWiG vorgelegte Entwurf des Faltblatts wird jetzt in die Beratungen des G-BA aufgenommen. Sofern der G-BA die Einführung der Pulsoxymetrie beschließt, wird das Faltblatt in der vom G-BA finalisierten Version dann allen Eltern zur Verfügung stehen.

Wie auch bei allen anderen Untersuchungen, die Eltern angeboten werden, ist die Teilnahme an der Pulsoxymetrie freiwillig.

"Es wäre für Eltern sicher hilfreich, die verschiedenen Untersuchungen ihres Kindes in einem einheitlichen Informationspaket zu bündeln und so früh zur Verfügung zu stellen, dass ihnen genügend Zeit für eine informierte Entscheidung bleibt", meint Klaus Koch.


Weitere Informationen


Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) , 07.06.2016 (tB).

MEDICAL NEWS

COVID-19 pandemic sees increased consults for alcohol-related GI and liver…
The eyes offer a window into Alzheimer’s disease
Ventilating the rectum to support respiration
Screening for ovarian cancer did not reduce deaths
Fatigue, mood disorders associated with post-COVID-19 syndrome

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf
Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf bei Menschen mit Diabetes
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Krebs – eine unterschätzte finanzielle Herausforderung
Cannabidiol gegen Hirntumore
Assistierte Selbsttötung bei Krebspatienten: Regelungsbedarf und Ermessensspielraum
Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie

MULTIPLE SKLEROSE

Neue S2k-Leitlinie für Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose
Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose: Stellungnahme zu SARS CoV 2 Impfdaten…
Schwangere mit MS: Schadet Schubbehandlung dem Ungeborenen?
Multiple Sklerose: Ein Sprung sagt mehr, als viele Kreuzchen auf…
Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung

PARKINSON

Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit