Fernreisende jetzt verstärkt über Reiseerkrankungen aufklären

 

  • Tollwut‑Impfung sollte Reisenden in Risikogebieten empfohlen werden
  • Impfung gegen Cholera bildet Antikörper, die über eine Kreuzreaktion auch gegen das E. coli‑Toxin (ETEC) schützen
  • Impfschutz gegen Japanische Enzephalitis nach einem Jahr auffrischen
  • FSME auch in einigen Regionen Süd‑Ost‑Asiens endemisch

 

Hamburg (8. Juni 2010) ‑ Fernreisen sind im Trend: Reiseveranstalter erwarten in diesem Jahr eine Zunahme der Übersee‑Reisenden aus Deutschland auf rund fünf Millionen. Viele Fernreisende sind sich der möglichen Gesundheitsrisiken an ihrem Reiseziel nicht bewusst und starten ohne ausreichenden Impfschutz. Experten für Reisemedizin warnten heute während einer Pressekonferenz von Novartis Vaccines vor möglichen schweren Folgen und empfahlen Ärzten, während der Urlaubszeit die Aufklärung über Reiseerkrankungen und möglichen Impfschutz zu intensivieren. Ein Hauptaugenmerk gelte es dabei auf die Vorbeugung von potentiell besonders gefährlichen Erkrankungen wie z.B. Tollwut zu legen.

 

 

Tollwut‑Risiko ernst nehmen

 

Gerade die Tollwut‑Gefahr werde häufig unterschätzt, sagte Prof. Gerd Burchard, Leiter der Sektion Tropenmedizin am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. Weltweit sterben 40.000 ‑ 70.000 Menschen nach Tierbissen an der immer tödlich verlaufenden Infektion, die meisten in den Hauptendemiegebieten China, Indien, Südostasien und Afrika. Auch Urlauber sind laut Burchard gefährdet: „Das Risiko eines Tierbisses während eines Auslandsaufenthalts ist höher als oft angenommen“, so der Tropenmediziner. Bei Schweizer Entwicklungshelfern fand sich eine Häufigkeit von 1,9 pro 1.000 pro Jahr. „Ein TollwutAusbruch auf Bali in jüngster Zeit demonstriert, dass auch in Touristengebieten mit der Erkrankung zu rechnen ist", warnte Burchard. Gefahr gehe dabei insbesondere von streunenden Hunden und Tempelaffen aus. Untersuchungen zeigen laut Burchard, dass selbst Risikoreisende häufig unzureichend informiert sind. Eine präexpositionelle Impfung empfiehlt Burchard Reisenden in Endemiegebiete mit entsprechendem Expositionsrisiko, vor allem bei Langzeitaufenthalten, Trekkingtouren und Höhlenbesuchen. Der verfügbare Tollwut‑Impfstoff (Rabipur®) ist gut verträglich und schützt wirksam, auch vor nicht Klassischen Fledermaus­Tollwutvirusstämmen, wie eine neuere Untersuchung zeigt.

 

 

Schutz vor Reisediarrhoe auf Reisen wichtig

 

Das häufigste Problem auf Fernreisen sind Infektionen, die über verunreinigte Nahrungsmittel aufgenommen werden, allen voran die Reisediarrhoe, von der etwa jeder Dritte betroffen ist. Bis zu 60 Prozent aller Durchfallepisoden werden von Enterotoxinbildenden Escherichia coli‑Stämmen (ETEC) ausgelöst. Auch bei Einhaltung elementarer Hygiene‑Regeln „Boil it, peel it, cook it or forget it" ist die Vermeidung dieser Infektion auf Reisen schwierig. Der Cholera‑Schluckimpfstoff Dukoral® enthält die rekombinant hergestellte B‑Untereinheit des Choleratoxins (CTB). Da diese dem Toxin von ETEC strukturell, funktionell und immunologisch ähnlich ist, können nach Impfung Antikörper gegen CTB über eine Kreuzreaktion auch gegen das E. coli‑Toxin schützen. Darauf wies Prof. Thomas Weinke, Leiter der Abteilung Gastroenterologie und Infektiologie am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam hin. Pathomechanismus und Toxinzusammensetzung seien bei ETEC und Cholera ähnlich. „Über die dokumentierte Kreuzprotektivität zum ETEC-Toxin kann der Choleraimpfstoff einen Teil der Fälle von ETEC-­Reisediarrhoe verhindern“, so der Experte. Dies habe eine neuere Studie gezeigt. „Die Impfung kann sinnvoll sein z.B. bei fehlender Magensäurebarriere, Immunsuppression oder besonderer und rezidivierender Neigung zu Reisediarrhoe", sagte Weinke. Einsatzmöglichkeiten sieht Weinke auch bei der Gefahr schwerer Verläufe, wie sie bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn möglich seien, sowie bei chronischen Grunderkrankungen oder bei Kleinkindern.

 

Eine weitere Infektion, die sich Fernreisende infolge kontaminierter Nahrung zuziehen können, ist Typhus. „Die Impfung ist insbesondere für Reisende unter einfachen hygienischen Verhältnissen sinnvoll", so die Empfehlung von Prof. Weinke, „doch belegen Fallberichte, dass auch im Fünf‑Sterne‑Hotel Typhus-­Infektionen erworben werden können". Zur aktiven Immunisierung stehen ein oraler Lebendimpfstoff (Typhoral®) und parenterale Totimpfstoffe zur Verfügung. Der orale Lebendimpfstoff hat laut Prof. Weinke den Vorteil, dass sie eine breitere Stammabdeckung und einen Schutz vor Paratyphus A und B bieten.

 

 

Impfung gegen Japanische Enzephalitis nach einem Jahr auffrischen

 

In Asien weit verbreitet ist die Japanische Enzephalitis. „Alle Reisenden in ländliche Gebiete Asiens sollten über die Japanische Enzephalitis und mögliche Schutzmaßnahmen informiert werden", riet Dr. Tomas Jelinek vom Berliner Centrum für Reise‑ und Tropenmedizin. In Deutschland steht mit Ixiaro® seit April 2009 ein Impfstoff zur Verfügung. Wie Jelinek berichtete hat die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) die Empfehlungen zur Wiederimpfung neu zugelassen: Eine erste Auffrischungsimpfung sollte innerhalb des zweiten Jahres nach Grundimmunisierung, und zwar vor einer erneuten potentiellen Exposition, gegeben werden. Bei kontinuierlichem Expositionsrisiko ist eine Auffrischung 12 Monate nach Grundimmunisierung empfohlen. Weitere Auffrischungstermine sind in längeren Abständen zu erwarten. Die Untersuchungen dauern noch an.

 

Was viele Reisende nicht wissen: Auch die FSME ist in einigen Regionen Süd‑Ost‑Asiens endemisch, beispielsweise in China und der Mongolei.

 

 

Impfberatung vor Dienstreisen sichert Einsatzfähigkeit

 

Zusätzlich zu den Urlaubsreisen finden in Deutschland pro Jahr 1,5 ‑ 1,8 Millionen arbeitsbedingte Fernreisen statt. Um beruflich Reisende zu schützen, haben die Berufsgenossenschaften einen Grundsatz erlassen ‑ den G35 ‑, der arbeitsmedizinische Untersuchungen und Beratungen vor einem Arbeitsaufenthalt im Ausland unter besonderen klimatischen und gesundheitlichen Belastungen festlegt. Diese Untersuchungen sollten ernst genommen werden, sagte Dr. Christian Feldhaus, Leiter der Arbeitsmedizin bei der RWE AG in Essen, denn: „Die intensive ärztliche Betreuung von Auslandseinsätzen stellt nicht nur eine moralische und rechtliche Verpflichtung des Arbeitgebers dar, sondern sichert auch die Einsatzfähigkeit von Mitarbeitern und damit den ökonomischen Erfolg von internationalen Projekten". Großen Stellenwert hat nach Ansicht des Arbeitsmediziners die Kontrolle des Impfstatusses mit ggf. notwendigen Grundimmunisierungen bzw. entsprechenden Auffrischimpfungen. Die arbeitsmedizinischen Dienste des RWE‑Konzerns führen laut Dr. Feldhaus im Jahr 8.000 Impfungen durch, viele davon im Rahmen der über 1.000 reisemedizinischen Beratungen. „Im Vordergrund stehen Hepatitis A und B, Typhus, Cholera, Tollwut, Gelbfieber, japanische Enzephalitis als auch die FSME", so Feldhaus. Die Kosten für die auf Dienstreisen benötigten Impfungen trägt der Arbeitgeber.

 

Weitere Infos unter www.reiseerkrankungen.de

 

 

 

Abbildung

 

Abb.: Vier Wochen vor einer geplanten Reise sollte mit der Impfprophylaxe begonnen warden, um einen ausreichenden Impfschutz bis zu Reisebeginn zu sichern. Photo: Novartis Vaccines 

 

Abb.: Vier Wochen vor einer geplanten Reise sollte mit der Impfprophylaxe begonnen warden, um einen ausreichenden Impfschutz bis zu Reisebeginn zu sichern. Photo: Novartis Vaccines

 

 

Download

 

Prof. Dr. Thomas Weinke: “Typhus, Cholera und Reisedurchfall: Wie sollten sich Reisende schützen?”

Abstract: Weinke.pdf Weinke.pdf (1.92 MB)

 

Prof. Dr. Gerd-D. Burchard: “Tollwut: unterschätztes Risiko auf Reisen”

Abstract: Burchard.pdf Burchard.pdf (5.09 MB)

 

PD Dr. med. Thomas Jelinek: Japanische Enzephalitis – Neue Impfempfehlungen und erste Erfahrungen mit dem neuen Impfstoff”

Abstract: Jelinek.pdf Jelinek.pdf (2.83 MB)

 

Dr. Christian Feldhaus: “Infektionsrisiken und Impfangebote bei beruflichen Auslandsaufenthalten”

Abstract: Feldhaus.pdf Feldhaus.pdf (1.78 MB)

 

 

Hintergrundinformationen

 

Tollwut – Tollwut.pdf Tollwut.pdf (2.76 MB)

Tollwut-Prophylaxe mit Rabipur® – Rabipur.pdf Rabipur.pdf (1.28 MB)

 

Cholera und bakterielle Diarrhoe – Cholera und bakterielle Diarrhoe.pdf Cholera und bakterielle Diarrhoe.pdf (3.12 MB)

Prophylaxe gegen Cholera mit Dukoral® – Prophylaxe gegen Cholera mit Dukoral.pdf Prophylaxe gegen Cholera mit Dukoral.pdf (1.03 MB)

 

Typhus und Paratyphus – Typhus und Paratyphus.pdf Typhus und Paratyphus.pdf (3.58 MB)

Typhoral ® L – Prophylaxe gegen Typhus und Paratyphus – Typhoral L.pdf Typhoral L.pdf (1.66 MB)

 

Japanische Enzephalitis – Japanische Enzephalitis.pdf Japanische Enzephalitis.pdf (3.06 MB)

Impfstoff gegen Japanische Enzephalitis: Ixiaro – Ixiaro.pdf Ixiaro.pdf (3.76 MB)

 

Hepatitis A – Hepatitis A.pdf Hepatitis A.pdf (3.19 MB)

Prophylaxe gegen Hepatitis A mit HAVpur® – HAVpur.pdf HAVpur.pdf (1.53 MB)

 

 


Quelle: Pressekonferenz der Firma Novartis Vaccines zum Thema “Update Reiseimpfstoffe: Erweiterte Schutzmöglichkeiten für Fernreisende” am 08.06.2010 in Hamburg (Weber Shandwick) (tB).

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