Forderungen der Gesundheits-Berufsverbände in Europa nach wirksamem Schutz für ihre Mitarbeitenden vor Ort

 

Berlin (29. März 2020) — In einem gemeinsamen Appell haben sich vor zwei Tagen 12 europäische Verbände der Gesundheitsberufe gemeinsam an die Institutionen der Europäischen Union, alle Mitgliedsländer, die Gesundheitsindustrie und weitere relevante Stakeholder gewandt und gefordert, dass die Mitarbeitenden in den Gesundheitssystemen dringend besser vor Infektonen mit dem COVID-10-Virus geschützt werden müssen. Die gemeinsame Erklärung und Auszüge aus der zugehörigen Pressemeldung aus Brüssel stellt der DBfK jetzt in deutscher Sprache bereit.

Mit einer gemeinsamen Erklärung haben sich 12 europäische Dachverbände der Gesundheitsprofessionen, darunter die European Federation of Nurses Associations (EFN), an die Europäische Union, die Europäische Kommission und alle Mitgliedsstaaten gewandt. Die CoViD-Pandemie fordere von allen Bürgern und den Gesundheitssystemen der EU derzeit einen hohen Preis. Aber vor allem habe sie immense negative Auswirkungen auf professionell Pflegende an der Frontlinie der Gesundheitsversorgung. Sie müssten ihre Arbeit unter noch schlechteren Bedingungen als jemals zuvor leisten, ohne genügend oder geeignete Schutzausrüstung; oft würden sie selbst angesteckt – in einigen Fällen auch mit tödlichen Folgen.

Daher rufen EFN und andere Organisationen die Institutionen der EU, alle Regierungen der Mitgliedsländer, die Gesundheitsindustrie und andere Stakeholder im Gesundheitswesen auf:

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  • Öffentliche Ausschreibungs- und Beschaffungsverfahren drastisch zu beschleunigen, damit die erforderliche Schutzausrüstung für Mitarbeiter sichergestellt wird.
  • Finanzmittel bereitzustellen, um die vor Ort Pflegenden zu unterstützen. Dafür müssten auch ggf. bereits verabschiedete Haushaltspläne noch einmal verändert werden.
  • Gegen eine Stigmatisierung von Pflegenden, die CoViD-19-Patienten versorgen, anzugehen.
  • Die Zahl von Pflegenden, die CoViD-Positiv getestet sind, die daran erkranken und auch die an der Infektion sterben, zu erfassen und zu dokumentieren.
  • Mitsprache und Mitgestaltung von professionell Pflegenden an der Front bei politischen Entscheidungsprozessen in Bezug auf Vorbereitung, Leitlinien, Training und Auswahl von geeigneter Ausrüstung für eine Pandemie zu fördern.
  • Gemeinsam mit der Profession Pflege im engen Schulterschluss an Strategien zu arbeiten, die Pflegende vor vermeidbaren schwierigen oder unsicheren Arbeitsbedingungen schützen, insbesondere wenn sie CoViD-Erkrankte versorgen.
  • Sich zu verpflichten, einer Ausbreitung künftiger Ausbrüche bis zu einer Pandemie dadurch vorzubeugen, dass Pflegefachpersonen von der Frontlinie in die Gestaltung von Strategien, Maßnahmen und Koordination eingebunden werden. Die EU muss dringend ihre Fähigkeiten der Verhütung, des vorbeugenden Schutzes, der Identifizierung, der Berichterstattung und der Beantwortung von Öffentlichen Gesundheitsnotständen verbessern.
  • Geeignete Mechanismen für eine psychologische Betreuung von solchen Pflegefachpersonen sicherzustellen, die extreme Ängste und Stress erleben in der Krise und im Anschluss daran. Nur so können Post-Traumatische Belastungsstörungen vermieden bzw. behandelt werden.
  • Professionell Pflegende zusätzlich zu schulen, damit sie über Strategien verfügen, um Patienten im Umgang mit Isolation, dem Fehlen von Besuch der Angehörigen und Todesangst zu helfen.

Die Europäischen Verbände der Gesundheitsberufe erkennen an und schätzen die Bemühungen und zusätzlichen Finanzhilfen der Europäischen Kommission und der Gesundheitsindustrie, um Forschung zur Entwicklung eines Impfstoffs und Medikamente zur Behandlung der Infektion voranzutreiben. Aber sie erinnern die Kommission daran, dass jetzt die kritischste Situation ist an der Versorgungsfront.

Die gemeinsame Erklärung der europäischen Dachverbände ist in deutscher Übersetzung als Download verfügbar; die abgeleiteten Forderungen sind einer EFN-Pressemeldung vom 26. März entnommen.

 


Quelle: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, DBfK e.V., 29.03.2020 (tB).

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