Forschungsprojekt prüft neues Dokumentationssystem

Entbürokratisierung in der Pflege

Karlsruhe (22. September 2016) – In einem neuen Forschungsprojekt wird die Qualität und Effizienz eines Dokumentationssystems zur Entbürokratisierung in der Pflege wissenschaftlich untersucht. Das Projekt EvaSIS wird im Auftrag des Spitzenverbands der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen unter Federführung von Prof. Karin Wolf-Ostermann des Instituts für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen durchgeführt, Kooperationspartner sind die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. Anhand der gewonnen Erkenntnisse sollen Empfehlungen erarbeitet werden, wie sich die weitere Einführung und Nutzung des Dokumentationssystems optimieren lässt.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Jahr 2013 Empfehlungen zur Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation entwickelt, die 2014 erstmals in der Praxis getestet wurden. Am 1. Januar 2015 startete auf Initiative der Bundesregierung die flächendeckende Einführung der neuen Pflegedokumentation. Seitdem haben bundesweit knapp 10.000 Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen auf das neue Dokumentationssystem umgestellt – das sind gut 40 Prozent aller Einrichtungen.

Bislang fehlen allerdings Erkenntnisse, inwiefern die Einführung der neuen Pflegedokumentation zu Effizienzsteigerungen und Verbesserungen der Qualität in der ambulanten und stationären Pflege geführt hat. Um dies herauszufinden, bezieht das EvaSIS-Projekt verschiedene Akteursgruppen und Untersuchungsebenen ein: Die Erfahrungen von Pflegekräften und Heimleitungen werden ebenso erfasst wie die von Prüfinstanzen wie dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) und Heimaufsichten. Zudem erfolgt ein Vergleich zu anderen Pflegedokumentationssystemen.

Die Datenerhebung im Rahmen der Qualitätsprüfung greift auf vielfältige Untersuchungsmethoden zurück: Beispielsweise werden zwischen Oktober 2016 und Mai 2017 standardisierte Befragungen mit involvierten Akteuren (Einrichtungsleitungen, Pflegefachkräften, Mitarbeiter/-innen der Heimaufsicht und des MDK) geführt, ebenso Fokusgruppen-Interviews mit Pflegekräften und Prüfinstanzen sowie Interviews mit Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Darüber hinaus kommen Dokumentenanalysen von Pflegeakten zum Einsatz. Die Untersuchung bezieht alle Einrichtungen ein, die seit mindestens drei Monaten mit der neuen Pflegedokumentation arbeiten.

Dr. Tanja Bratan, Projektleiterin am Fraunhofer ISI, nennt wichtige Untersuchungsaspekte: „Wir evaluieren unter anderem, welchen Einfluss unterschiedliche Rahmenbedingungen in den Pflegeeinrichtungen auf die Nutzung der neuen Pflegedokumentation haben, beispielsweise die Größe oder der Personalschlüssel. Zudem untersuchen wir, wie praktikabel das System für die Pflegekräfte ist. Nicht zuletzt prüfen wir, ob die Individualität und die Selbstbestimmung der Pflegebedürftigen angemessen berücksichtigt werden können.“

Ziel des Projekts EvaSIS ist, Erkenntnisse zur Umstellung auf die neue Pflegedokumentation zu gewinnen und die Erfahrungen der beteiligten Akteure zu ermitteln. Aus den Ergebnissen werden Handlungsempfehlungen für den Implementierungsprozess und die Weiterentwicklung beziehungsweise Optimierung des Pflegedokumentationssystems entwickelt. Diese Handlungsempfehlungen sollen im Sommer 2017 vorliegen.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.


Quelle: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) , 22.09.2016 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS
NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…