Knochenneuaufbau für Patienten mit glukokortikoidinduzierter Osteoporose

Forsteo® zur Behandlung der glukokortikoidinduzierten Osteoporose bei Frauen und Männern zugelassen

Bad Homburg (4. April 2008) – Am 4. April 2008 hat die Europäische Kommission die Zulassung für Forsteo® [Teriparatid, Parathormon-Fragment rhPTH (1-34)] auf die Behandlung der mit einer systemischen Langzeit-Glukokortikoidtherapie assoziierten Osteoporose bei Frauen und Männern mit einem hohen Frakturrisiko erweitert. Damit folgt die Kommission der bereits im Februar ausgesprochenen „Positive Opinion“ des Committees for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde. Somit steht erstmals auch für die Behandlung der glukokortikoidinduzierten Osteoporose von Frauen und Männern ein modernes, osteoanabol wirksames Medikament zur Verfügung.

Teriparatid (Forsteo®) stimuliert die Knochenneubildung, indem es die Anzahl und Aktivität der Osteoblasten erhöht. Forsteo® wurde 2003 für die Behandlung der manifesten postmenopausalen Osteoporose und 2007 für die Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern mit einem hohen Frakturrisiko zugelassen.

Grundlage für die Zulassung zur Behandlung der glukokortikoidinduzierten Osteoporose ist eine doppelblind randomisiert durchgeführte direkte Vergleichsstudie mit Teriparatid und Alendronat, in die 428 Patienten (277 postmenopausale Frauen, 67 prämenopausale Frauen und 83 Männer) mit glukokortikoidinduzierter Osteoporose eingeschlossen waren. Diese erhielten über einen Zeitraum von 18 Monaten entweder täglich subkutan 20 µg Teriparatid (Forsteo®) sowie orales Placebo oder eine tägliche Placeboinjektion sowie einmal täglich oral Alendronat 10mg. Alle Patienten wurden mit einer Basistherapie in Form von Calcium (1.000 mg/Tag) und Vitamin D 3 (800 IE/Tag) versorgt.1

Langzeit-Glukokortikoidtherapie häufigste Ursache einer sekundären Osteoporose

Eine Behandlung mit Glukokortikoiden führt häufig zu einem Verlust an Knochensubstanz und -struktur und ist mit einem erhöhten Frakturrisiko assoziiert.2 Glukokortikoide induzieren eine verstärkte Apoptose (Zelluntergang) von Osteoblasten und Osteozyten; somit ist die Lebensspanne dieser Zellen verkürzt. Darüber hinaus hemmen Glukokortikoide die Aktivität der Osteoblasten. Glukokortikoide werden bei einer Vielzahl von entzündlichen Systemerkrankungen eingesetzt, z.B. bei rheumatologischen Erkrankungen, chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen, Vaskulitiden und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.3

Weltweit werden ca. 1-3 % der über 50jährigen Erwachsenen mit Glukokortikoiden therapiert. Europäische Studien zeigen, dass 0,5 bis 0,9% der Gesamtbevölkerung bzw. 2 % der ambulant betreuten Patienten im Laufe ihres Lebens eine langfristige Glukokortikoidtherapie erhalten.4 Eine längerfristige Glukokortikoidtherapie ist die häufigste Ursache einer sekundären Osteoporose5, die mit einem deutlich erhöhten Frakturrisiko assoziiert ist. Bis zu 50 % der Patienten unter einer Langzeit-Glukokortikoidtherapie erleiden im Laufe ihres Lebens eine osteoporotische Fraktur.6

Forsteo® führt zu einer stärkeren Zunahme der Knochenmineraldichte als Alendronat

Im Rahmen der direkten Vergleichsstudie mit Teriparatid und Alendronat konnte bereits nach 6 Monaten ein signifikant höherer Anstieg der Knochenmineraldichte an der Lendenwirbelsäule unter Teriparatid als unter Alendronat (p<0.001) nachgewiesen werden. Nach 18 Monaten Therapie war die Knochenmineraldichte (BMD) an der Lendenwirbelsäule unter Teriparatid mit +7,2 % im Vergleich zum Ausgangswert signifikant höher als unter Alendronat (+3,49 %) angestiegen. Auch an der Gesamthüfte ließ sich ein signifikant höherer Anstieg der Knochenmineraldichte unter Teriparatid als unter Alendronat (+3.6% unter Teriparatid versus +2.2 % unter Alendronat; p<0.01) feststellen.

Die osteoanabole Wirkung von Teriparatid im Vergleich zur antiresorptiven Wirkweise des Bisphosphonats Alendronat wurde anhand biochemischer Marker des Knochenstoffwechsels nachgewiesen. In der Teriparatid-Gruppe zeigte sich bereits nach einem Monat Therapie ein deutlicher Anstieg des Knochenaufbaumarkers P1NP (des N-terminalen Prokollagen Typ 1 Propeptid). Dieser stieg nach sechs Monaten um 69,8 % gegenüber dem Ausgangswert an. Der Knochenresorptionsmarker CTX (das C-terminale Telopeptid) stieg um 44,8 % gegenüber dem Ausgangswert. Diese Konstellation lässt – wie unter Teriparatid bekannt – auf einen umfassenden Knochenumbau- und Erneuerungsprozess schließen. Die Zunahme der Knochenmineraldichte weist auf das positive Verhältnis zwischen Auf- und Abbau von Knochengewebe hin. In der Alendronat-Gruppe zeigte sich hingegen erwartungsgemäß ein signifikantes Absinken sowohl der biochemischen Marker des Knochenabbaus als auch der Knochenformation.

Signifikante Senkung vertebraler Frakturen

Von 336 Studienteilnehmern lagen auswertbare Röntgenaufnahmen zu Studienbeginn und -ende vor. Bei 10 Patienten (6,1%) der Alendronat-Gruppe und bei einem Patienten (0,6 %) in der Teriparatid-Gruppe war eine neue Wirbelfraktur aufgetreten. Das relative Risiko für neue vertebrale Frakturen war in der Teriparatid-Gruppe signifikant niedriger als in der Alendronat-Gruppe (p=0,004).7 Die Ergebnisse bestätigen die bereits aus der Behandlung der manifesten postmenopausalen Osteoporose bekannte fraktursenkende Wirksamkeit von Teriparatid.

„Bisher bestand eine Lücke an Behandlungsoptionen für Patienten, die mit einer Langzeit-Glukokortikoidtherapie behandelt werden, und somit ein erhöhtes Frakturrisiko aufweisen“, so der Studienleiter Kenneth G. Saag, Professor der Medizin und Epidemiologie an der Universität zu Alabama in Birmingham, Alabama. „Diese vorliegenden Erkenntnisse sind sehr wichtig, da sie aufzeigen, dass Teriparatid eine sinnvolle Therapieoption für diese Patienten darstellt.“

  1. Saag KG et al., NEJM 2007;357:2028-2039.
  2. DVO-Leitlinie glukokortikoidinduzierte Osteoporose, 2006, online einsehbar unter www.dv-osteologie.de
  3. Gourlay M et al., Clin Rheumatol. 2007;26:144-153.
  4. Gourlay M et al., Clin Rheumatol. 2007;26:144-153.
  5. Mazziotti G et al., Trends in Endo. And Meta. 2006;17(4);144-149.
  6. Saag KG, Endocrinol Metab Clin N Am. 2003;32;135-157.
  7. Saag KG et al., NEJM 2007;357:2028-2039.


Quelle: Pressemitteilung der Firma Eli Lilly vom 04.04.2008.

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