DGRh: Frage und Antwort zur Anti-TNF-Therapie

Gegenwart und Zukunft der Systemtherapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen

 

 Roentgenbild Rheumatoide Arthritis_Schaeden am Fussgelenk.Berlin (25. September 2008) – Studienergebnisse und Fragestellungen rund um die Systemtherapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen mit TNFa-Inhibi­toren standen im Fokus eines interaktiven Symposiums (1), das im Rahmen des Jah­reskongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) am 25. Sep­tember 2008 in Berlin stattfand. Vorgestellt wurden in diesem Zusammenhang aktuelle Daten der COMET-Studie (2), die beeindruckend belegen, dass die Hälfte der Patienten mit früher Rheumatoider Arthritis (RA) von einer Kombinationstherapie aus Etanercept und Methotrexat innerhalb eines Jahres mit einer Remission profitiert – signifikant mehr als unter einer Methotrexat-Monotherapie.


 

Erstmals wurde im Rahmen einer klinischen Untersuchung der frühen Rheumatoiden Arthritis die DAS 28 (Disease Activity Score) Remission als primärer klinischer Endpunkt gewählt. Das Studiendesign der aktuellen COMET-Studie schloss Patienten ein, die an einer frühen RA erkrankt waren. Die Ergebnisse zeigen: Das Ziel von DAS 28 < 2,6 erreichte nach 52 Wochen die Hälfte der Patienten unter Etanercept/Methotrexat (MTX), im Vergleich zu 28 Prozent unter einer MTX-Monotherapie (p<0,001). Die Auswertung der radiologischen Daten belegt zudem, dass die Kombination aus Etanercept und MTX die Progression fast vollständig stoppt: 80 Prozent der Patienten weisen nach einem Jahr keine messbare Progression mehr auf (definiert als eine Veränderung des TSS ≤ 0,5). Darüber hinaus konnte bei signifikant mehr Patienten unter MTX plus Etanercept eine normale Funktionsfähigkeit der Gelenke gemäß den HAQ-Kriterien (Health Assessment Questionnaire) erzielt werden als unter MTX-Monotherapie (HAQ ≤ 0,5 bei 55 Prozent unter Etanercept/MTX vs. 38,6 Prozent unter MTX).

 

Wie die Daten der COMET-Studie demonstrieren, kann die Entscheidung, inwieweit ein Patient auf die Behandlung anspricht, nach zwölf Wochen noch nicht zuverlässig getroffen werden. „Auch nach zwölf Therapiewochen zeigt ein Teil der Patienten noch erhebliche Verbesserungen“, betonte Professor Dr. Klaus Krüger, München, Chair der Veranstaltung. Die COMET-Studie wird über ein zweites Studienjahr fortgesetzt, wobei ein Cross-Over der verschiedenen Studiengruppen erfolgt.

 

 

Das volle Potenzial der frühen Intervention

 

Krüger fasste die vorgestellten Daten zusammen und betonte: „Dass auch zehn Jahre nach Einführung der Biologics in die Therapie der RA immer noch neue, vielversprechende Daten publiziert werden, ist sehr erfreulich. So zeigen beispielsweise die Ergebnisse der aktuellen COMET-Studie, dass eine Rheumatoide Arthritis so früh wie möglich mit einer Anti-TNF-Therapie, wie z. B. mit Etanercept, behandelt werden muss, um das Fort­schreiten der Erkrankung aufzuhalten.“

 

 

Aufklärungsbedarf zu Biologics im Praxisalltag: Fragen aus dem Plenum

 

Der anschließende interaktive Teil des Symposiums erörterte verschiedene Frage­stellungen in Zusammenhang mit der Anti-TNF-Therapie:

 

 

Lässt sich von der Struktur eines Biologics auf dessen Wirkung schließen?
PD Dr. Andrea Rubbert-Roth, Köln, stellte heraus, dass unterschiedliche Wirkun­gen und Nebenwirkungen, beispielsweise auf den Magen-Darm-Trakt und die Immunogenität, bisher nicht vollständig durch die strukturellen Unterschiede der einzelnen Anti-TNF-Therapien (Antikörper vs. Rezeptor) erklärt werden können. Hier sei noch einige Forschungsarbeit zu leisten.

 

Welche Probleme beim Einsatz von Biologics können im Zusammenhang mit Komorbiditäten auftreten?

Professor Dr. Krause, Berlin, ging auf das Thema Tuberkulose-Infektionen bei RA-Patienten ein. Neben einem vorausgehenden Tuberkolose-Screening gab er für den Einsatz von Anti-TNF-Therapien die Empfehlung, im Falle einer latenten Tuberkulose eine sekundäre Chemoprophylaxe mit Isoniazid (INH) oder Rifampicin durchzuführen. Darüber hinaus solle vor jeder Anti-TNF-Therapie die Hepatitis-B- und -C-Serologie geprüft werden.

 

Lassen sich TNFa-Inhibitoren in der Schwangerschaft einsetzen?

Das Thema Schwangerschaft und Anti-TNF-Inhibitoren behandelte Professor Dr. Erika Gromnica-Ihle, Berlin. Sie stellte die aktuelle Empfehlung der Kommission Pharmakotherapie der DGRh vor: „Aufgrund der nicht ausreichenden Erfahrung sind Anti-TNF-Inhibitoren bisher in der Schwangerschaft kontraindiziert. In Einzelfällen mit hoher Krankheitsaktivität sollte gemeinsam mit der Patientin eine Entscheidung nach Abwägen der Risiken (Substanz vs. unkontrollierte Krankheitsaktivität) getroffen werden“, so Gromnica-Ihle.

 

Was ist beim Impfen unter einer Therapie mit TNFa-Inhibitoren zu beachten?

Professor Dr. Elisabeth Märker-Hermann, Wiesbaden, hob hervor, dass die Anti-TNF-Therapie wegen einer Grippe- oder Pneumokokken-Impfung nicht unterbro­chen werden müsse, da die Patienten in der Regel ausreichend Antikörper bilden. Lebendimpfstoffe seien bei diesen Patienten jedoch kontraindiziert.

 

 

Anmerkungen

  • Lunch-Symposium „Systemtherapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen in Gegenwart und Zukunft“, anlässlich des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), Berlin, 25. Septem­ber 2008
  • Emery P, Breedveld F, Hall S, et al. Comparison of methotrexate monotherapy with a combination of methotrexate and etanercept in active, early, moderate to severe rheumatoid arthritis (COMET): a randomised, double-blind, parallel treatment trial. Lancet. 2008; 372:375-382

 

(Abb. oben: Roentgenbild Rheumatoide Arthritis_Schaeden am Fussgelenk).

 

 

Download

 

Folien zum Lunchsymposium Wyeth Pharma.pdf Lunchsymposium Wyeth Pharma.pdf (1.24 MB)

 


 

Quelle: Lunch-Symposium der Firma Wyeth Pharma zum Thema „Systemtherapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen in Gegenwart und Zukunft“, anlässlich des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), Berlin, 25.09.2008 (3K-Agentur für Kommunikation) (tB).

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