Versorgungsalltag und Modellsimulation:

Zwei aktuelle Kostenvergleiche

 

Von Franz-Werner Dippel, Berlin

 

Leipzig (20. Mai 2009) – 2007 betrugen die Arzneimittelausgaben für Insuline 1,1 Mrd. Euro (1). Angesichts solcher Dimensionen sowie einer wachsenden Anzahl Diabetiker, gewinnen pharmakoökonomische Analysen zunehmend an Bedeutung. In zwei aktuellen Kostenanalysen wurde die Wirtschaftlichkeit von Insulin glargin (Lantus®) im Vergleich zu Insulin detemir bei insulinpflichtigen Typ‑2‑Diabetikern untersucht.

 

1. Bei der LIVE‑COM Studie (2) handelt es sich um eine nicht interventionelle Querschnitts‑Studie bei 138 repräsentativ ausgesuchten Allgemeinmedizinern, Internisten und diabetologischen Schwerpunktpraxen in Deutschland. Die Daten von 1.731 Patienten (Insulin glargin = 1.150; Insulin detemir = 581), die seit mindesten sechs Monaten auf einer intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) waren, konnten ausgewertet werden. Dabei ergab sich ein Kostenvorteil zugunsten von Insulin glargin in Höhe von 325,20 Euro pro Patient und Jahr. Nach Berücksichtigung sämtlicher struktureller Unterschiede zwischen den beiden Behandlungsgruppen, sowie deren möglicher Einfluss auf die Kosten, verbleibt eine „bereinigte" jährliche Einsparung von 256 Euro pro Patient für Insulin glargin (1.865 €) gegenüber Insulin detemir (2.121 €). Der Unterschied ist statistisch signifikant (p< 0,01).

 

Der Kostenvorteil für Insulin glargin setzt sich im Wesentlichen aus geringeren Kosten für das Basalinsulin selbst sowie geringerer Kosten für die zusätzliche Gabe des Bolusinsulins zusammen. Hinzu kommen Einsparungen bei der Blutzuckerselbstmessung (Teststreifen und Lanzetten) sowie bei den Nadelkosten für die Insulininjektion. Bei vergleichbaren Insulinpreisen (3) erklären insbesondere die geringeren Verbrauchsmengen (in Einheiten) an lang‑ und kurzwirksamen Insulinen unter Insulin glargin (27,7/40,3 U) versus Insulin detemir (32,1/47,1 U) den beobachteten Kostenvorteil für Insulin glargin. Die Analyseergebnisse erwiesen sich im Rahmen einer Sensitivitätsanalyse mit veränderten Inputdaten (± 25 %) der Haupteinflussfaktoren als robust. Die Einsparungen unter Insulin glargin variierten von 120‑392 Euro.

 

2. Auf der Basis einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) wurden die Behandlungskosten von Insulin glargin versus Insulin detemir im Rahmen einer basalunterstützten oralen Therapie (BOT) modelliert. Bezüglich des primären Endpunktes (HbA1c‑Senkung) gab es in der klinischen Studie (4) keinen Unterschied zwischen den beiden Behandlungs‑Gruppen (Nicht‑Unterlegenheitsstudie). Der Vergleich der Wirtschaftlichkeit der beiden Behandlungsstrategien fällt zugunsten von Insulin glargin aus. Unter Insulin glargin (jährliche Gesamtkosten 941 €) ergeben sich im ersten Jahr nach Initiierung der basalunterstützten oralen Therapie (BOT) Einsparungen in Höhe von 464 Euro pro Patient im Vergleich zur Alternativstrategie (jährliche Gesamtkosten 1.405 €).

 

Bei einer RCT‑basierten Modellierung wird der Ressourcenverbrauch der beiden Vergleiches‑Gruppen auf der Grundlage des klinischen Studienprotokolls zunächst in Mengeneinheiten ermittelt und anschließend mit den Behandlungsleitlinien und Therapiegewohnheiten der Ärzte abgeglichen. Danach wird der Leistungsverbrauch monetär bewertet und auf ein volles Jahr hochgerechnet. Die Preise entstammen den offiziellen Arzneimittellisten (3) bzw. den aktuellen Heil‑ und Hilfsmittelverzeichnissen. Verglichen wurden die Kosten der verabreichten Insulinmengen sowie die Anzahl der verbrauchten Injektionsnadeln, Blutzucker‑Teststreifen und Lanzetten.

Werbung

 

Die Analyseergebnisse erwiesen sich im Rahmen einer Sensitivitätsanalyse mit veränderten Inputdaten (± 20 %) als robust. Die Einsparungen unter Insulin glargin variierten von 380‑550 Euro.

 

Zusammenfassung: Die Therapie mit Insulin glargin ist im Vergleich zur Therapie mit Insulin detemir bei Patienten mit Typ‑2 Diabetes sowohl in der BOT (jährliche Einsparung 464 €) als auch in der ICT (jährliche Einsparung 256 €) eine medizinisch vergleichbare aber kostengünstigere Behandlungsalternative.

 

Quellen

  1. Häussler B et al. Arzneimittelatlas 2008; Der Arzneimittelverbrauch in der GKV, 85‑94
  2. LIVE‑COM = Long‑acting insulin Insulin glargine versus insulin Insulin detemir cost evaluation comparison in Germany. Posterpräsentation, 44. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (20.‑23.05.09)
  3. Rote Liste® Service GmbH, Arzneimittelverzeichnis für Deutschland, Frankfurt/Main 2008, www.rote‑liste.de
  4. Rosenstock J, et al.: Diabetologica 2008; 51:408‑416.

 


 

Quelle: Pressekonferenz der Firma Sanofi-Aventis zum Thema “Wirtschaftliche Diabetestherapie – Neue Daten zu langwirksamen Insulinanaloga” am 20.05.2009 in Leipzig, anlässlich der 44. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (Ogilvy Healthworld).

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf
Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf bei Menschen mit Diabetes
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Typ-2-Diabetes: Vorteil mit Toujeo® in der Einstellphase – Geringeres Hypoglykämierisiko…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Cannabidiol gegen Hirntumore
Assistierte Selbsttötung bei Krebspatienten: Regelungsbedarf und Ermessensspielraum
Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können

MULTIPLE SKLEROSE

Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose: Stellungnahme zu SARS CoV 2 Impfdaten…
Schwangere mit MS: Schadet Schubbehandlung dem Ungeborenen?
Multiple Sklerose: Ein Sprung sagt mehr, als viele Kreuzchen auf…
Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose

PARKINSON

Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit