Früherkennung Parkinson: Und was kommt dann?

 

Ingelheim (23. September 2010) – Ein Rückblick zeigt die Bereicherung der medikamentösen Parkinsontherapie in den letzten zwölf Jahren, insbesondere durch Dopaminagonisten.* „Pramipexol ist der am häufigsten verordnete Dopaminagonist in Deutschland", so PD Dr. Georg Ebersbach, Beelitz-Heilstätten, im Rahmen eines Symposiums von Boehringer Ingelheim auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Die etablierte Substanz ist mittlerweile auch in retardierter Galenik erhältlich. Doch trotz enormer therapeutischer Fortschritte zeigt der Rückblick auch, dass die Früherkennung weiter optimiert werden muss. Eine neue Studie soll nun helfen, Marker zu identifizieren, um nicht zuletzt die Lebensqualität Betroffener möglichst lange aufrechterhalten zu können.

 

 

Erste Anzeichen und ihre prognostische Bedeutung

 

Meist werden motorische Einbußen bei Parkinsonpatienten erst wahrgenommen, nachdem bereits mehr als 50 Prozent der dopaminergen Neuronen in der Substantia nigra zerstört sind. Denn der Zelluntergang setzt in der Regel fünf bis zehn Jahre vorher ein. Daher ist es notwendig, "die klinische Diagnose so frühzeitig wie möglich zu stellen", betonte Prof. Dr. Daniela Berg, Tübingen.

 

Heute weiß man, dass über 40 Prozent der Parkinsonpatienten unter einer Depression leiden, die sich bei bei einem Fünftel der Fälle vor Diagnosestellung manifestiert und motorischen Auffälligkeiten bis zu 20 Jahren vorausgehen kann (1). Weitere Beobachtungen zeigten, so Berg, dass Menschen, die schlechter riechen, später ein mehrfach erhöhtes Risiko haben, Parkinson zu bekommen. Zu den visuellen Beeinträchtigungen, die bei Parkinson-Patienten als erste Anzeichen auftreten, gehören Störungen des Kontrastsehens, der Farberkennung und -unterscheidung. Prognostisch wichtig sind aber auch REM-Schlaf-Verhaltensstörungen (RBD), Berg zufolge "der höchste bisher bekannte Risikofaktor, da mehr als 30 Prozent aller Betroffenen mit RBD im Laufe ihres Lebens eine Parkinsonerkrankung entwickeln." Beim idiopathischen Parkinsonsyndrom kommt es bereits früh zu einer sympathischen Denervierung am Herzen, die man mittels MIBGSPECT (verminderte Traceraufnahme) erkennen kann, was bei der Differentialdiagnostik helfen kann. Es werden zur Frühdiagnostik diverse Testverfahren vom Riechtest bis zum transkraniellen Ultraschall herangezogen, dennoch ist eine Früherkennung bis dato laut Berg nicht sicher möglich, denn die klinischen Anzeichen sind eher unspezifisch und es gibt noch kein allgemein akzeptiertes Routine-Screening-Verfahren.

 

In mehreren großen Langzeit-Studien konnten Berg und Kollegen allerdings bereits zeigen, dass die Kombination von bestimmten Frühzeichen, insbesondere unter Einbeziehung der transraniellen Sonographie, helfen kann eine Bevölkerungsgruppe mit deutlich erhöhtem Risiko zu definieren. Mit Hilfe dieser und weiterer Studien sollen in Zukunft einfache Untersuchungsverfahren entwickelt werden, die im Alltag helfen, Patienten mit dem Risiko für eine Parkinsonerkrankung früher zu erkennen.

 

 

Optimierung der Frühdiagnose mit DeNoPa-Studie

 

Eine weitere neue Langzeit-follow-up-Studie (DeNoPa = De Novo Parkinson) zur Frühdiagnostik und Vorhersehbarkeit verschiedener Krankheitsverläufe soll weiterhelfen. In der von Prof. Dr. Claudia Trenkwalder, Kassel, vorgestellten Studie wurden bislang 72 von insgesamt 150 bis 200 anvisierten de-novo-Parkinsonpatienten im Alter von 50 bis 80 Jahren eingeschlossen. Das Kontrollkollektiv setzt sich aus 100 bis 150 gesunden Personen zusammen. Alle zwei Jahre werden die Studienteilnehmer neben der klinisch neurologischen Verlaufskontrolle mit bildgebenden Verfahren, darunter MRT, DAT-Scan und Hirnparenchymsonographie, Riechtests, Blutuntersuchungen, ggf. Liquorpunktion, Neuropsychologie, Non-Motor-Skalen, internistische Untersuchungen sowie eingehende Beobachtungen im Schlaflabor untersucht und die Daten dokumentiert. Der Studienzeitraum beläuft sich auf 15 bis 20 Jahre. Studienziel ist es, geeignete prognostische Marker herauszufiltern, mit denen eine Parkinsonerkrankung früher und besser diagnostiziert werden kann, nicht-motorische Komplikationen der Erkrankung besser verstanden werden und therapeutische Konsequenzen abgeleitet werden können, so die Referentin.

 

 

Lebensqualität und Convenience von zentraler Bedeutung

 

Dies würde auch die Lebensqualität Betroffener, ein Zielparameter, der heute in den Vordergrund gerückt ist, erhöhen. Denn es hat sich gezeigt, dass Parkinsonpatienten nicht allein motorische Einbußen beklagen, sondern insbesondere die Beeinträchtigung durch Depression oder Anhedonie. Die Stimmung, betonte Ebersbach, ist der Faktor, der sich am stärksten auf die Lebensqualität der Parkinson-Patienten auswirkt. Vorteilhaft auf die Lebensqualität wirken sich in der Behandlung daher Antiparkinsonmedikamente aus, die neben der motorischen Wirksamkeit auch eine anhedone oder antidepressive Wirkung zeigen. Für den Dopaminagonisten Pramipexol konnte in klinischen Studien eine eigenständige antidepressive Wirksamkeit dokumentiert werden.(2) Ein wesentlicher Fortschritt im Hinblick auf eine bessere Convenience für Parkinson-Patienten ist die Entwicklung retardierter Darreichungen, die nur einmal am Tag eingenommen werden müssen, so Ebersbach. Der Referent zeigte Daten (UPDRS II und III Verlauf über 18 Wochen bei fortgeschrittener Parkinsonerkrankung (3), die die vergleichbare Wirksamkeit von Pramipexol in nicht-retardierter und retardierter Form verdeutlichten. Die Einmalgabe reduziert bei Parkinson-Patienten im fortgeschrittenen Stadium die Tablettenlast, vereinfacht die Handhabung, verhindert Fehler bei der Einhaltung von Einnahmezeitpunkten und kann sich hierdurch auch positiv auf die Compliance der Patienten auswirken (4).

 

Insbesondere bei de-novo-Patienten sieht der Referent eine enorme Erleichterung durch die Einführung der Einmalgabe. Es ist für die Patienten bequemer, sie müssen nicht mehr so oft an eine Tabletteneinnahme denken, und sie werden nicht ständig an ihre Erkrankung erinnert.

 

 

Anmerkung

 

*Symposium "Früherkennung Parkinson: Und was kommt dann?" am 23.09.2010 beim 83. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Mannheim. Veranstalter: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG.

 

 

Weitere Links

 

www.boehringer-ingelheim.de

www.youtube.com/user/parkinsonsmatters

www.mediakademie.de

http://www.twitter.com/boehringerde

 

 

Referenzen

 

  1. Leentjens AFG et al. Higher incidence of depression preceding the onset of Parkinson’s disease: A register study. Movement Disorders, 2003, 4(18): 414-418
  2. Barone P, Poewe W, Albrecht S, Debieuvre C, Massey D, Rascol O, et al. Pramipexole for the treatment of depressive symptoms in patients with Parkinson’s disease: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet Neurology, Published online May 10, 2010, DOI:10.1016/S1474-4422(10)70106-X Lancet Neurol 2010; 9 (6):573-580.
  3. Schapira A et al.: Efficacy and safety of pramipexole extended-release for advanced  Parkinson’s Disease. Poster WE-199 presented at the 13th Annual International Congress of  Parkinson’s Disease and Movement Disorders, Paris, France, June 7-11, 2009.
  4. Grosset D, Antonini A, Canesi M, Pezzoli G, Lees A, Shaw K, et al. Adherence to antiparkinson medication in a multicenter European study. Movement Disorders, Articles online in advance of print, Published Online: 3 Feb 2009, doi: 10.1002/mds.22112 Mov Disord 2009; 24 (6):826-832.

 

 


Quelle: Symposium "Früherkennung Parkinson: Und was kommt dann?" am 23.09.2010 beim 83. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Mannheim. Veranstalter: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG. (signum pr) (tB).

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