Fünf Jahre Lisdexamfetamin bei ADHS

Gute Bilanz und Perspektiven für die Praxis

Berlin (16. März 2018) – Seit fünf Jahren können Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren mit ADHS, bei denen sich eine Therapie mit Methylphenidat als unzureichend herausgestellt hat, von Lisdexamfetamin profitieren. Das Prodrug-Stimulanz hat sich als wirksame Behandlungsoption in der ADHS-Therapie etabliert. Die Besonderheit: Auch über das vollendete 18. Lebensjahr hinaus ist eine Weiterbehandlung mit Lisdexamfetamin nach den Vorgaben der Fachinformation möglich.1 So bietet der Wirkstoff auch Patienten in der wichtigen Übergangsphase ins Erwachsenenalter die erforderliche Therapiestabilität und kann zu besseren Zukunftsperspektiven beitragen, waren sich die Experten bei der Pressekonferenz von Shire in Frankfurt einig.

In einer Metaanalyse mit Daten von insgesamt 3.500 Patienten erzielte Lisdexamfetamin (LDX) über alle Studien hinweg die stärkste Reduktion der ADHS-Kernsymptome, so Prof. Benno Schimmelmann, Hamburg, in seinem Überblick zur aktuellen Datenlage.2 Wie wichtig es ist, mehrere Therapieoptionen zur Auswahl zu haben, zeigen die Ergebnisse einer weiteren Metaanalyse aus sechs Cross-Over-Studien. Hier sprachen die untersuchten Kinder und Jugendlichen unterschiedlich gut auf die Stimulanzien Methylphenidat (MPH) und Amfetamin an.3 Für die Praxis bedeutet dies, dass es sinnvoll sein kann, bei nicht zufriedenstellender Wirksamkeit von MPH auf die Wirkstoffklasse der Amfetamine umstellen. Eine effektive Therapieoption ist LDX: Das pharmakologisch inaktive Prodrug wird nach der Einnahme rasch in die Blutbahn resorbiert.1 Da die Freisetzung des pharmakologisch aktiven Wirkstoffs D-Amfetamin enzymatisch gesteuert wird, flutet er sanft an und nimmt langsam wieder ab.4,5 Die allmähliche Wirkstofffreisetzung bewirkt einen gleichmäßigen, über den Tag anhaltenden Plasmaspiegel.5 Das Nebenwirkungsprofil ist stimulanzientypisch; bei Kindern und Jugendlichen wird sehr häufig von vermindertem Appetit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Oberbauchschmerzen und Gewichtsabnahme berichtet.1

Bilanz aus der Forschung: Starke Evidenz

Zahlreiche Studien haben die Wirksamkeit von LDX bestätigt, wie Schimmelmann zusammenfasste. Im Vergleich zu Placebo demonstrierte LDX bei einer sehr hohen Effektstärke von 1,8 eine signifikante Verbesserung der Kernsymptome6 und verbesserte zudem die Funktionalität und Lebensqualität7,8. Die Wirksamkeit deckt den gesamten Tag bis in den Abend ab.9* Langzeitdaten konnten die Wirksamkeit und das Verträglichkeitsprofil von LDX über einen Zeitraum von zwei Jahren bestätigen.10 Rebound-Effekte werden unter LDX nur vereinzelt beobachtet.11

Auch emotional labile Patienten mit ADHS können von einer Stimulanzien-Gabe profitieren12, wobei LDX eine vielversprechende Wirkung zeigte11,13. Mit Blick auf die klinischen Studien bilanzierte der Hamburger Kinder- und Jugendpsychiater: „Dieser Fundus an klinischen Daten und Erfahrungen aus fünf Jahren Praxis machen den wichtigen Stellenwert von LDX bei der Therapie der ADHS deutlich.“

ADHS in der Transition: Wachsende Herausforderungen

Mit zunehmendem Lebensalter verändern sich die Bedürfnisse und Erwartungen der Patienten an die ADHS-Therapie. „Während die Anforderungen im Jugend- und Erwachsenenalter steigen, nehmen die unterstützenden Ressourcen in dieser Übergangsphase ab“, konstatierte Prof. Peter Greven, Berlin. Wenn Patienten unter MPH im Tagesverlauf Residualsymptome entwickeln oder eine längere Tagesabdeckung benötigen, sollte eine Umstellung auf Therapieoptionen mit längerer Wirkdauer wie LDX in Erwägung gezogen werden, riet der niedergelassene Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie. In diesem Zusammenhang kann LDX bei Kindern und Jugendlichen, die nicht zufriedenstellend auf MPH ansprechen, das Mittel der Wahl sein. Die lange Wirkung bis in den Abend hinein9 kommt vor allem denjenigen Patienten zugute, die aufgrund von sozialen Aktivitäten in den Nachmittags- oder Abendstunden eine Abdeckung des gesamten Tages benötigen.

Weiterverordnung nach dem 18. Lebensjahr: Bewährte Unterstützung

Greven betonte, dass ADHS eine facettenreiche Erkrankung ist, die bis ins Erwachsenenalter persistieren kann.14,15 Umso wichtiger sei es, Patienten auch in dieser entscheidenden Übergangsphase die bewährte Unterstützung zu bieten. So ist gemäß der Fachinformation eine Weiterverordnung von Elvanse® nach Vollendung des 18. Lebensjahres möglich. Für den indikationsgemäßen Einsatz von LDX müssen die folgenden Punkte beachtet werden:

1. Die ADHS-Symptome des Patienten müssen im Erwachsenenalter fortbestehen.

2. Der/Die Jugendliche hat eindeutig von der Therapie mit LDX profitiert.

3. LDX konnte nach Vollendung des 18. Lebensjahres nicht erfolgreich abgesetzt werden.

Dabei muss der behandelnde Arzt jährlich überprüfen, ob die Weiterbehandlung tatsächlich notwendig ist. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, können Patienten auch über das 18. Lebensjahr hinaus zulassungskonform von Elvanse® profitieren.1

Perspektiven für die Praxis: Weichenstellung für eine erfolgreiche Zukunft

Wie relevant die Weiterbehandlung im Übergang zum Erwachsenenalter ist, machte Dr. Klaus-Ulrich Oehler, Würzburg, deutlich. Er berichtete über den heute 19-jährigen Adrien**, bei dem im Alter von sieben Jahren ADHS diagnostiziert wurde. Auf eine Therapie mit unretardiertem MPH sprach er zunächst gut an, jedoch verkürzte sich die Wirkdauer des Medikamentes zunehmend. Dies ging mit Rebound-Phänomenen in Form von psychomotorischer Unruhe einher. Der Wechsel auf ein retardiertes MPH führte zunächst zu einer Besserung. Im Alter von 13 Jahren zeigte der Junge jedoch aufgrund wachsender schulischer Anforderungen eine angsthaft-depressive Stimmung und Kontrollzwänge. Da die Mutter eine antidepressive Medikation ablehnte, nahm er im Rahmen der multimodalen Behandlung an psychotherapeutischen Einzelgesprächen teil. Hierdurch wurde zwar eine deutliche Verbesserung der schulischen Leistungen erreicht, jedoch zeigten sich Konzentrationsprobleme.

Erst durch die Umstellung der Medikation auf Lisdexamfetamin im Alter von 16 Jahren konnte eine wirksame Verbesserung der Kernsymptomatik und eine Stabilisierung seiner emotionalen Situation erreicht werden. Die Kontrollzwänge verloren sich ganz. Der Jugendliche durchlebte eine sehr positive Entwicklung, die ihm auch von seinem gesamten Umfeld bestätigt wurde, berichtete der niedergelassene Neurologe und Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Entgegen den anfänglichen Erwartungen seiner Lehrer gelang dem Jugendlichen nicht nur der Schulabschluss mit einem sehr guten Abitur, sondern der junge Mann absolviert derzeit als bester Bewerber erfolgreich eine Ausbildung im zivilen Bereich der Bundeswehr. „Mit der Umstellung auf  Lisdexamfetamin wurde für Adrien Therapiestabilität in der entscheidenden Übergangsphase ins Erwachsenenalter erreicht. Dies hat dazu beigetragen, dass er sein Potenzial besser ausschöpfen und seine beruflichen Ziele verwirklichen kann,“ schloss Oehler.

Über Lisdexamfetamindimesilat

Lisdexamfetamindimesilat ist im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) bei Kindern ab einem Alter von 6 Jahren indiziert, wenn das Ansprechen auf eine zuvor erhaltene Behandlung mit Methylphenidat als klinisch unzureichend angesehen wird. Lisdexamfetamindimesilat  ist mit einer Effektstärke von 1,8 hochwirksam auf die ADHS-Kernsymptomatik und wirkt über den gesamten Tag mit einer Wirkdauer von 13 Stunden nach Einnahme. Die Einnahme von Elvanse® kann flexibel als Kapsel oder gelöst erfolgen.1

Anmerkungen

  • * Wirkdauer von 13 Std nach Einnahme nachgewiesen bei Kindern im Alter von 6-12 Jahren C-APROM/DE/LDX/0112 2
  • ** Name geändert

Quellen

  1. Fachinformation Lisdexamfetamindimesilat, Stand Dez 2017
  2. Joseph A et al. Eur Child Adolesc Psychiatry, 2017; 26: 875-897
  3. Arnold LE et al. J Atten Disord, 2015; 3: 200-211
  4. Pennick M Neuropsychiatr Dis Treat, 2010; 6: 317-327
  5. Boellner SW et al. Clin Ther, 2010; 32(2): 252-264
  6. Coghill D et al. Eur Neuropsychopharmacol, 2013; 23: 1208-1218
  7. Banaschewski T et al. CNS Drugs, 2013; 27: 829-840
  8. Banaschewski T et al. CNS Drugs, 2014; 28: 1191-203
  9. Wigal SB et al. Child Adolesc Psychiatry Ment Health, 2009; 3(1): 17
  10. Coghill D et al. CNS Drugs, 2017; 31(7): 625-638
  11. López et al. J Atten Disord, 2017; 21(1): 52-61
  12. Posner J et al. Curr Psychiatry Rep, 2014;16(10) 478
  13. Katic A et al. J Child Adolesc Psychopharmacol, 2013; 23(6): 386-393
  14. Lara C et al. Biol Psychiatry, 2009; 65: 46-54
  15. Faraone SV et al. Psychol Med, 2006; 36: 159-165


Über Shire

Shire ist eines der weltweit führenden Unternehmen in der Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen. Wir streben danach, bahnbrechende Therapien für seltene Erkrankungen in verschiedenen medizinischen Fachgebieten zu entwickeln – dazu zählen Hämatologie, Immunologie, Erbkrankheiten, Neuroscience sowie die Innere Medizin und zunehmend auch Augenheilkunde und Onkologie. Unser Knowhow und unsere globale Organisation ermöglichen es uns, Patienten in mehr als 100 Ländern zu erreichen. Patienten und deren Angehörige, die dafür kämpfen, das Beste aus ihrem Leben machen zu können. Jeden Tag aufs Neue. Für uns stehen die Patienten und ihre Bedürfnisse an erster Stelle. Wir arbeiten unermüdlich daran, das Leben von Menschen mit seltenen Erkrankungen mit Hilfe von adäquaten medizinischen Therapien zu verbessern. Therapien, die einen wirklichen Unterschied für die Patienten und all jene bedeuten, die sie auf ihrem Weg unterstützen.

Quelle: Shire, 18.03.2018 (tB).

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