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Dysphagie Screening Tool Geriatrie (DSTG) vorgestellt

Zwei Teelöffel Wasser können Leben retten

München (26. Dezember 2019) -- Zwei Teelöffel Wasser und ein Wasserglas – mehr braucht es nicht, um bei hochbetagten Menschen ein erhöhtes Risiko für Schluckstörungen zu erkennen. Diese Erkenntnis hat die Arbeitsgemeinschaft Dysphagie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) just veröffentlicht und ihr Dysphagie Screening Tool Geriatrie (DSTG) vorgestellt. „Wir haben mit einem einseitigen Durchführungsbogen einen sehr praktikablen Schluckstörungstest, gut einsetzbar für geschultes Personal wie z. B. Arzthelferinnen, Pflegekräfte oder Ärzte, entwickelt“, erklärt Dr. Martin Jäger, Leiter der AG Dysphagie und ärztlicher Direktor Geriatrie am Hüttenhospital Dortmund.


Jägers Ziel ist es, Schluckstörungen bei sehr alten Menschen in Kliniken, Arztpraxen sowie ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen deutlich schneller und häufiger zu erkennen und durch weitere Tests dann zu verifizieren. Denn Früherkennung in der Grundversorgung kann Komplikationen verhindern! „Die Gefahr für diese Patienten sich zu verschlucken, in der Folge zu ersticken oder auch eine Lungenentzündung zu entwickeln, Zeichen von Muskelschwund oder Mangelernährung aufzuweisen, ist sehr hoch“, warnt Jäger. „Ich möchte deshalb alle Kollegen aufrufen: Nutzt ab sofort das DSTG bei euren geriatrischen Patienten. Es kann Leben retten!“ In der Literatur finden sich Prävalenzen für Schluckstörungen bei unabhängig lebenden Älteren von bis zu 33 Prozent, bei Pflegeheimbewohnern von mehr als 50 Prozent und bei Patienten in geriatrischen Kliniken von bis zu 70 Prozent – somit sind Schluckstörungen in der Geriatrie ein häufig auftretendes und schwerwiegendes Problem.


Positiver Likelihood Quotient des DSTG liegt bei 4,95

Die Durchführung des Tests ist wie gesagt bewusst einfach gehalten: Ist der Patient in der Lage zu sitzen und ausreichend wach, ist der erste Schritt des Screenings bereits durchlaufen. In Schritt zwei sollte der Untersuchende beobachten, ob sich die Zunge des Patienten frei bewegen lässt, keine auffälligen Beläge oder Nahrungsreste im Mund zu finden sind und der Patient spontan husten kann.

Schritt drei ist dann entscheidend: Der Patient bekommt zwei Mal hintereinander einen Teelöffel mit Wasser angereicht. Es folgt zwei Mal ein Schluck Wasser aus einem normalen Wasserglas. Muss der Patient räuspern oder husten? Ist eine Stimmveränderung bemerkbar? Falls nur eine dieser Fragen mit „Ja!“ beantwortet wird, liegt mit bis zu fünf Mal so hoher Wahrscheinlichkeit eine Dysphagie vor und sollte unbedingt ein weiteres Vorgehen mit dem behandelnden Arzt bzw. Logopäden des Patienten besprochen werden.

Die fünf Mal so hohe Wahrscheinlichkeit, durch das DSTG eine Dysphagie mit weiteren Untersuchungsmethoden zu bestätigen, bescheinigt der erfahrene Geriater und ehemaliges Vorstandsmitglied Prof. Dr. Ulrich Thiem. Thiem, Chefarzt der Geriatrie sowie Inhaber der Stiftungsprofessor für Geriatrie und Gerontologie an der Universität Hamburg, wertete die Daten der AG Dysphagie der DGG aus, nachdem das Screening Tool in eine erste Evaluierungsphase in den vergangenen 18 Monaten ging. „Das Tool funktioniert gut!“, sagt Thiem. „Es gibt kein anderes für geriatrische Patienten. Deshalb sollte es jetzt unbedingt zum Einsatz kommen. Denn ein Tool ist besser als kein Tool!“


DSTG: einfache Methode kann Großes bewirken

So freut sich AG-Leiter Dr. Martin Jäger jetzt auf die Einführung des DSTG: „Wir haben viele Jahre entwickelt und evaluiert und es zeigt sich: Einfache Methoden können sehr Großes bewirken. Dieser einfach durchzuführende Früherkennungstest zeigt deutlich, ob die Gefahr einer Schluckstörung, einer Dysphagie, beim geriatrischen Patienten vorliegt und ob weitere Maßnahmen notwendig werden.

Das DSTG, validiert für geriatrische Patienten, ist das erste Screening Tool seiner Art. Der Fragebogen mit Handlungsanweisung sowie vier Seiten Schulungsunterlagen für die Anwendung des Tests können auf der Website der DGG heruntergeladen werden und stehen jedem zur Nutzung und Weitergabe frei zur Verfügung.


Originalpublikation

 
 
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Quelle: Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG), 26.12.2019 (tB).