Gestörter Treibstoffanzeiger

Wie steuern Nährstoffe das Essverhalten?

 

Was wir essen, ist von molekularen Signalketten im Gehirn abhängig, die Alexander Tups Nachwuchsforschergruppe an Nagern untersucht. Photo: Alexander TupsMarburg (1. Oktober 2008) – Mit dieser Frage beschäftigt sich eine neue Nachwuchsforschergruppe an der Philipps-Universität Marburg. Das Team unter Leitung von Dr. Alexander Tups erhält vom Bundesforschungsministerium gut 1,4 Millionen Euro für seine Studien, verteilt auf die kommenden fünf Jahre.

Signalmoleküle wie das Hormon Leptin, die den Ernährungszustand des Organismus‘ ans Gehirn melden, spielen eine wichtige Rolle für das Ernährungsverhalten. Sie binden an Rezeptoren im Hypothalamus und setzen dadurch eine Kaskade von Signalübertragungen in Gang. Störungen in dieser Signalkette führen zu einer Unempfindlichkeit gegenüber Leptin, etwa wenn der Körperfettgehalt übermäßig erhöht ist. Resistenzen gegenüber Leptin und Insulin gelten als eine der Ursachen für krankhaftes Übergewicht und Diabetes: Die Treibstoffanzeige des Organismus‘ funktioniert dann gewissermaßen nicht ordnungsgemäß.

Die Nachwuchsforschergruppe "Neuronale Ernährungsphysiologie" wird die Wirkung einzelner Nährstoffe auf die Steuerung des Körpergewichts untersuchen. Für einen Bestandteil der Signalkette, nämlich das Molekül mTOR, konnte bereits nachgewiesen werden, dass seine Aktivität von verschiedenen Nahrungsmittelinhalten beeinflusst wird, etwa von Aminosäuren und freien Fettsäuren. Die Wissenschaftler testen nun im Tiermodell an Nagern, wie die Wahrnehmung von Nährstoffen funktioniert, wie die Weiterleitung der Leptin- und Insulin-Signale vonstatten geht und wie diese sich gegenseitig beeinflussen. "Wir vermuten, dass es einen gemeinsamen Signalweg der beiden Hormone gibt", erläutert Tups seine Arbeitshypothese. "Ihre Interaktion ist bislang noch kaum verstanden."

Marburg bietet sich aus vielerlei Gründen als Ort für ein derartiges Forschungsprojekt an. Zum Beispiel ist die hiesige Tierphysiologie auf die Haltung von Ratten als Versuchstiere eingestellt, während an vielen anderen Hochschulen nur mehr an Mäusen geforscht wird. Die Nachwuchswissenschaftler arbeiten auch mit dsungarischen Zwerghamstern (zoologischer Artname Phodopus sungorus). Die Tiere nehmen saisonabhängig an Gewicht zu, wenn die Tage länger werden. "Sie sind damit ein gutes Modell, um die Resistenz gegenüber Leptin zu studieren", erläutert Tups.

"Auf dem höchst aktuellen Forschungsgebiet des ‚Nutrient sensing‘ herrscht ein starker Wettbewerb", sagt Professor Dr. Gerhard Heldmeier, Vizepräsident der Philipps-Universität. "Umso mehr freuen wir uns darüber, dass es uns gelungen ist, die Nachwuchsgruppe von Dr. Tups nach Marburg zu holen." Die Philipps-Universität ist für Tups keine unbekannte Größe: Er wurde hier promoviert und folgte anschließend seinem Doktorvater Martin Klingenspor nach München. Zuletzt war er als Postdoktorand in Neuseeland beschäftigt.

 

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Philipps-Universität Marburg vom 01.10.2008.

 

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