Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar

Weder der Nutzen noch die potenziellen Risiken salzarmer Kost sind wissenschaftlich gut belegt

 

Berlin (31. März 2020) — Empfehlungen zu Verhaltensänderungen gleich welcher Art sollten stets auf Basis einer wissenschaftlich validen Datenlage erfolgen. In puncto Salzverzehr ist diese bislang nicht gegeben, die vorliegenden Daten sind inkonsistent und die Studien sind mit vielen Mängeln behaftet, so das Resümee eines Gremiums amerikanischer Experten, die im Auftrag des unabhängigen „Institutes of Medicine“ (IOM) die aktuellen Studienergebnisse zusammengetragen, analysiert und bewertet haben. Für allgemeingültige Aussagen wären, so heißt es in der Stellungnahme des IOM weiter, methodisch einwandfreie Studien notwendig.

Das Ziel der vom IOM in direkter Kooperation mit dem „Center for Disease Control and Prevention“ (CDC) beauftragten Datenanalyse war es, endlich Klarheit in die seit langem umstrittenen gesundheitlichen Auswirkungen des Salzkonsums in der Bevölkerung zu bringen. So wird von Salzkritikern immer wieder angeführt, der derzeit übliche Kochsalzverzehr treibe den Blutdruck in die Höhe und sei für unzählige Todesfälle, vor allem bedingt durch Herz-Kreislaufkomplikationen verantwortlich.


Reine Spekulation

Eine solche Hypothese ist jedoch reine Spekulation und durch Studiendaten nicht belegt, so die US-Wissenschaftler. Diese haben vielmehr bei ihrer Datenanalyse eine Reihe methodischer Fehler und Widersprüchlichkeiten in den Studien ausgemacht. Das betrifft die Bestimmung des Salzkonsums und auch die Ermittlung gesundheitlicher Risiken verschiedener Bevölkerungsgruppen.

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Die Experten fordern daher explizit eine bessere wissenschaftliche Untersuchung der Frage, inwieweit der übliche Salzkonsum und eine Beschränkung auf 6 oder sogar 3 Gramm Kochsalz (NaCl), wie sie häufig angemahnt wird, aus gesundheitlicher Sicht gerechtfertigt, wünschenswert und auch medizinisch unbedenklich ist.


Wissenschaftlich valide Studien gefordert

Hierzu wären zum einen Studien erforderlich, in denen der tägliche Salzkonsum mit standardisierter Methodik erfasst wird. Möglich ist zum Beispiel die Errechnung der NaCl-Aufnahme aus der Natriumausscheidung im 24-Stunden-Urin, wobei die Berechnung allerdings die Menge der Urinausscheidung und auch das Körpergewicht berücksichtigen muss.

Bei der Auswertung der in den Studien beobachteten Effekte einer diätetischen Salzbeschränkung müssen, so das IOM-Gremium, auch die Veränderungen anderer Elektrolyte und insbesondere des Kaliums beachtet werden. Es müssen ferner begleitende Faktoren berücksichtig werden, die sich auf das Studienergebnis auswirken können. Dazu gehört beispielsweise die Höhe der täglichen Kalorienaufnahme, das Körpergewicht und mögliche Veränderungen dieser Parameter im Verlauf der Studie. Auch müssen, so die Wissenschaftler, mögliche Wechselwirkungen der Salzrestriktion mit eventuell von den Studienteilnehmern eingenommenen Medikamenten – und insbesondere mit Medikamenten zur Blutdrucksenkung – erfasst werden. Solche Studien fehlen bislang, heißt es in der Erklärung.

Gefordert werden vor allem randomisierte kontrollierte Studien und konkret Interventionsstudien. Es handelt sich hierbei um Studien, bei denen nicht nur rein deskriptiv Beobachtungen beschrieben werden, sondern bei denen die Auswirkungen der Maßnahmen unter kontrollierten Bedingungen analysiert werden. Dabei werden üblicherweise mehrere Gruppen gebildet, wobei die Studienteilnehmer auf diese Gruppen zufällig verteilt werden. In puncto Salzkonsum könnte so zum Beispiel getestet werden, wie sich eine Beschränkung des Salzverzehrs auf 6 Gramm täglich (Gruppe 1) oder auf 3 Gramm täglich (Gruppe 2) gegenüber einer Kontrollgruppe (Gruppe 3), die sich wie gewohnt weiter ernährt, auf den Blutdruck auswirkt.

Solche Studien sind aus Sicht der Experten vor allem für bestimmte Personengruppen zu fordern, zum Beispiel für bestimmte Altersgruppen, insbesondere für ältere Personen. Oder auch für Personen mit bestimmten Grunderkrankungen wie etwa einer Herzschwäche, einem Diabetes oder einer Nierenerkrankung. Innerhalb dieser Subgruppen könnte dann auch geprüft werden, ob sich eine Salzbeschränkung günstig auf die Gesundheit, auf das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen und möglicherweise auf die Sterblichkeit auswirkt.


Mechanismen der Salzeffekte klären

Davon abgesehen sind „mechanistische Studien“ zu fordern, Studien also, die analysieren, welche physiologischen Konsequenzen sich im Körper ergeben, wenn diesem besonders hohe oder auch besonders niedrige Salzmengen zugeführt werden. Auch zu dieser Frage gibt es noch keine ausreichenden Daten, monieren die US-Wissenschaftler. Solange die Datenlücken nicht geschlossen werden, verbieten sich aus ihrer Sicht allgemeingültige Empfehlungen zum Salzverzehr, wie sie immer wieder ausgesprochen werden.


Abb. oben: Von Poyraz 72 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42501297

 


Quelle: VKS Verband der Kali- und Salzindustrie e.V., 31.03.2020 (tB).

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