Große Rolle für das Kleinhirn: Epilepsieauslöser entdeckt

 

Neue Therapiemöglichkeiten

 

Bochum (16. März 2011) – Vererbbare Krankheiten wie etwa Epilepsie oder verschiedene Bewegungskoordinationsstörungen können durch Veränderungen in Nervenzellen des Kleinhirns hervorgerufen werden, die sich erst nach der Geburt einstellen. Das berichten Bochumer Neurowissenschaftler im Journal of Neuroscience. Das Team von Prof. Dr. Stefan Herlitze vom RUB-Lehrstuhl für Allgemeine Zoologie und Neurobiologie zeigte, dass die Krankheiten ausbrachen, wenn sie bei Mäusen eine Woche nach der Geburt ein bestimmtes Protein im Kleinhirn ausschalteten, das den Einstrom von Ionen in die Nervenzellen reguliert.

 

„Es ist das erste Mal, dass wir einen Einblick in die Entstehung dieser Krankheiten bekommen“, so Prof. Herlitze. „Wir können jetzt an neuen therapeutischen Ansätzen forschen.“

 

 

Defekte Kalziumkanäle als Krankheitsursache

 

Verschiedene Formen von Epilepsien, Bewegungskoordinationsstörungen

(Ataxien) und Migräne werden durch Mutationen im sogenannten P/Q-Typ- Kalziumkanal ausgelöst, der den Einstrom von Kalziumionen in die Nervenzellen des Gehirns steuert. Dr. Melanie Mark aus dem Team von Prof. Herlitze entwickelte ein Tiermodell, in dem dieser Kalziumkanal zu einem beliebigen Zeitpunkt in einer bestimmten Hirnregion abgeschaltet werden konnte. Die Forscher konzentrierten sich auf bestimmte Zellen im Kleinhirn (Purkinje-Zellen), die die Bewegungen des Körpers koordinieren. „Der Kalziumkanal kommt eigentlich im gesamten Gehirn vor“, erklärt Dr. Mark. „Es ist das erste Mal, dass wir zeigen konnten, dass die Krankheiten nur durch eine gestörte Signalverarbeitung im Kleinhirn ausgelöst werden können.“

 

 

Durch Kooperation zur neuen Therapie

 

Mit Hilfe des neuen Mausmodells, der sogenannten Purky-Maus, wird Prof. Herlitzes Team nun die molekularen Grundlagen der Krankheiten erforschen, die auf Veränderungen im P/Q-Typ-Kalziumkanal zurückgehen, um neue therapeutische Ansätze zu entwickeln. In Kooperation mit Prof. Dr. Dagmar Timman-Braun von der Uni-Klinik in Essen und Prof. Dr. Thomas Klockgether von der Uni-Klinik in Bonn möchten die Bochumer Neurowissenschaftler ihre Studien am Mausmodell mit Ergebnissen aus Patientenuntersuchungen vergleichen. „Wir hoffen insbesondere Kindern helfen zu können, die an Absence-Epilepsien leiden, also Epilepsien, die mit einer Bewusstseinsstörung einhergehen“, sagt Prof. Herlitze.

 

 

Titelaufnahme

 

  • M. Mark, T. Maejima, D. Kuckelsberg, J. Yoo, R. Hyde, V. Shah, D. Gutierrez, R. Moreno, W. Kruse, J. Noebels, and S. Herlitze: Delayed Postnatal Loss of P/Q-Type Calcium Channels Recapitulates the Absence Epilepsy, Dyskinesia, and Ataxia Phenotypes of Genomic Cacna1A Mutations.
    In: The Journal of Neuroscience 2011: 31; 4311– 4326, doi:10.1523/JNEUROSCI.5342-10.2011

 

 


Quelle: Ruhr-Universität Bochum, 16.03.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung