IQWiG: Gutartige Prostatavergrößerung

Wahl der Therapie erfordert sorgfältige Abwägung

 

Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten – neue chirurgische Techniken werden zu stark angepriesen

 

Berlin (17.Oktober 2008) – Vielen Männern sind ihre Prostatabeschwerden nur mehr oder weniger lästig. Manche Männer aber zwingen die Symptome ihrer vergrößerten Prostata zum Beispiel nachts so häufig zur Toilette, dass sie schon lange nicht mehr richtig durchschlafen können. Der Grund für ihre Beschwerden ist meist eine gutartige Prostatavergrößerung, in der Medizin "Benigne Prostatahyperplasie" (BPH) genannt. Einer von fünf Männern über fünfzig hat Prostatabeschwerden; bei den 70-jährigen Männern ist es sogar die Mehrheit.

In den letzten Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten stark erweitert. Das IQWiG hat einige davon geprüft und festgestellt, dass zu vielen Operationstechniken Fragen offen bleiben. Dazu der Leiter des IQWiG, Professor Dr. med. Peter Sawicki: "Nicht alles, was neu ist, bedeutet tatsächlich einen Fortschritt. Bessere Informationen sind nötig, um betroffenen Männern und ihren Ärzten zu helfen, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsverfahren abzuwägen." Zu diesem Zweck hat das Institut allgemeinverständliche Informationen zu Forschungsergebnissen aus diesem Bereich auf der IQWiG-Website www.gesundheitsinformation.de veröffentlicht. Leserinnen und Leser finden dort Informationen zum Umgang mit Prostatabeschwerden, zu Medikamenten und Operationsverfahren sowie Erfahrungsberichte von Männern, die verschiedene Therapien ausprobiert haben.

 

Die meisten Männer mit BPH-Beschwerden benötigen keine Operation

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen, dass etwa drei von zehn Männern in Europa ohne Behandlung mit ihren Prostatabeschwerden zurechtkommen, und nur einer von zehn eine Operation benötigt. Wenn ihre Beschwerden zu störend werden, greifen die meisten Männer zu Medikamenten, auch zu pflanzlichen Mitteln.

 

"In Deutschland und anderen europäischen Ländern sind sogenannte Alphablocker zur häufigsten Behandlungsmethode bei Benigner Prostatahyperplasie geworden", so Professor Sawicki. "Diese Medikamente wurden ursprünglich entwickelt, um Bluthochdruck zu senken. Doch bei etwa 60 % der Männer, die sie einsetzen, lassen sich damit auch Prostatabeschwerden zumindest etwas lindern."

 

Aus der Analyse der Forschungsergebnisse zu Operationstechniken zieht das Institut den Schluss, dass die derzeitigen Standardverfahren immer noch die besten Resultate zeigen. Einige der neuen Operationsmethoden scheinen auf den ersten Blick ebenfalls gute Ergebnisse zu erzielen – zum Beispiel, den Klinikaufenthalt nach einer OP zu verkürzen. Es ist jedoch weitere Forschung nötig, um dies zu bestätigen. Zudem verwenden die meisten der neuen Techniken Instrumente, deren Einsatz durch wissenschaftliche Studien noch nicht ausreichend überprüft wurden.

 

Professor Sawicki: "Eine Operation kann bei Prostatabeschwerden sehr effektiv sein. Viele Männer machen sich aber Sorgen wegen der unerwünschten Wirkungen. Einige der neueren Verfahren scheinen weniger unerwünschte Wirkungen zu haben – doch sie sind vermutlich auch weniger effektiv. Die Beschwerden könnten dann nach ein paar Jahren zurückkehren und genauso stark sein wie zuvor".

 

Die IQWiG-Website www.Gesundheitsinformation.de informiert die Bevölkerung allgemeinverständlich und aktuell über medizinische Entwicklungen und Forschungsergebnisse zu wichtigen gesundheitlichen Fragen. Wer über die neuesten Veröffentlichungen der unabhängigen Gesundheits-Website auf dem Laufenden sein möchte, kann den Gesundheitsinformation.de-Newsletter abonnieren.

 

Einen Abschlussbericht zur vergleichenden Nutzenbewertung operativer Verfahren bei der Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung hatte das Institut im Juli 2008 publiziert.

 


 

Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom 17.10.2008 (tB).

 

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