Gynäkologen und Geburtshelfer befassen sich kritisch mit Problemen der Frauenheilkunde

 

57. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Gebursthilfe in Hamburg, 16. bis 19.9.2008

Hamburg (17. September 2008) – Am zweiten Tag des Deutschen Kongresses für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der noch bis zum Freitag mit gut 3.000 Teilnehmern läuft, haben Fachleute auf die Notwendigkeit hingewiesen, Frauen mit bestimmten Krankheiten in zentralisierten Zentren zu betreuen. Nur dort seien ärztliche Erfahrung sowie personelle und technische Ausstattung gegeben, um eine bestmögliche Diagnostik und Behandlung nach dem Stand der Wissenschaft zu gewährleisten. In manchen Fällen, so Matthias Beckmann aus Erlangen, müsse "dafür auf Wohnortnähe verzichtet werden". Ein Beispiel sind Brustkrebszentren. Nicht zuletzt auf Wunsch von Betroffenen-Vereinigungen werden nun in Deutschland auch Zentren für Genitalkrebs eingerichtet. Die ersten zehn dieser Spezialkliniken erhalten nach umfassender Qualitätsprüfung ihre Zertifizierung auf dem DGGG-Kongress.

Prof. Klaus Vetter (Berlin) kritisierte, dass Frühgeborene mit sehr geringem Geburtsgewicht auch in Kliniken betreut werden, die nur wenige Fälle pro Jahr behandeln. Eine "Mindestmenge" pro Jahr sei aber notwendig, um solchen Frühchen bestmögliche Chancen auf ein gesundes Überleben zu ermöglichen.

Prof. Ernst Beinder aus Zürich erläuterte heute in Hamburg vor der Presse, dass Gesundheit und Krankheit im späteren Leben schon im Mutterleib vorgeprägt werden. Zwar sei noch nicht klar, wie groß der Anteil dieser "pränatalen Prägung" im Zusammenspiel mit Erbanlagen und Umwelteinflüssen ist, jedoch müssten zum Beispiel mütterliche Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck konsequenter als bisher behandelt werden, um langfristige Schäden des Ungeborenen zu vermeiden.

Das Massenuntersuchungsprogramm auf Brustkrebs (Mammographie-Screening) verteidigte Prof. Ingrid Schreer (Kiel), auch wenn es durchaus Probleme gebe wie die seelische Belastung für Frauen, bei denen der Test "falschen Alarm" ergeben hat. Allerdings monierte Frau Schreer, dass Frauen, die älter als 69 Jahre sind, keinen automatischen Anspruch auf die Früherkennungsuntersuchung haben.

Oft werde übersehen, dass ein großer Teil der frauenärztlichen Tätigkeit Operationen seien, betonte Prof. Jürgen Hucke (Wuppertal). Gynäkologen waren weltweit Vorreiter bei schonenden Operationsmethoden, die in diesem Fach heute oft bereits Standard sind. Das gelte zum Beispiel für Myome, Gebärmutterentfernungen und die "gurtartige", aber sehr belastende Endometriose. Jedoch seien die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen zum Beispiel im Hinblick auf die Ausbildung des Nachwuchses problematisch.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat in einer Umfrage festgestellt, dass die Möglichkeit, dass Neugeborene in Kliniken verwechselt werden, nicht überall ernst genug genommen wird. Prof. Dietrich Berg (Amberg) stellte beim Kongress in Hamburg eine neue Empfehlung der DGGG vor, wie Verwechslungen und auch Kindesentführungen auf Neugeborenenstationen vermieden werden können.



Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) vom 17.09.2008.

 

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