Hamstern und Herdentrieb
Auf den Spuren ausverkaufter Lebensmittel im ersten Lockdown

 

Geisenheim (16. Februar 2021) — In Deutschland zeichnete sich eine schnelle Veränderung des Einkaufsverhaltens ab, als die Weltgesundheitsorganisation am 11. März 2020 eine globale Pandemie verkündete. Restaurants, Imbisse und Kantinen schlossen, und der Verkauf von vielen länger haltbaren Lebensmitteln, wie zum Beispiel Nudeln oder Mehl, aber auch von anderen Produkten wie Toilettenpapier stieg stark an. Doch was waren die Gründe für das übermäßige Einkaufen und Hamstern, und wie wurde das Hamstern von Konsumentinnen und Konsumenten wahrgenommen?

Um diesen Fragen nachzugehen, haben Forschende der Hochschule Geisenheim eine Online-Umfrage während des ersten Lockdowns im Frühsommer 2020 gestartet. Hierbei konzentrierten sie sich auf das Hamstern von lagerfähigen Lebensmitteln. Am Ende wurden Personen aus allen Bevölkerungsgruppen befragt, d.h. anteilig nach Alter, Geschlecht, Einkommen und Region. Daten von 488 Befragungen wurden ausgewertet.

Insgesamt ergab sich das Bild, dass ein Großteil der Teilnehmenden Hamstern als etwas Negatives oder Unnötiges wahrgenommen haben oder auch als egoistisches und unsoziales Verhalten verurteilten. Je positiver Befragte das Hamstern von lagerfähigen Lebensmitteln ansahen, desto eher hamsterten sie auch selbst. So gab ca. ein Viertel der Befragten an, dass sie lagerfähige Lebensmittel Ende März/Anfang April 2020 gehamstert haben. Die Analysen deuten darauf hin, dass die Gründe dafür vielfältig sind. Ein Hauptgrund war die Unsicherheit der Lage in Deutschland im Allgemeinen und im speziellen der Lebensmittelversorgung im Land. Zwar vertrauten viele der Befragten darauf, dass insgesamt immer genug Lebensmittel zu kaufen seien, aber ca. die Hälfte der Befragten berichteten auch von Einkaufsbeschränkungen und davon, dass Regale leer waren. Zudem war ein zentraler Antrieb für ein „Mehreinkaufen“ auch die Angst davor, dass Lebensmittel in Zukunft nicht mehr verfügbar sein werden.

Ein weiterer Treiber für das Hamstern war der Blick auf andere Verbrauchende: Je mehr die Befragten das Gefühl hatten, dass andere hamstern, desto eher neigten sie selbst dazu, mehr einzukaufen. So sprachen einige Befragte von „Rudelverhalten“ und davon, dass sie sich zum Hamstern „anstecken“ haben lassen. „Die Vermutung liegt nahe, dass Medienberichte über leere Regale eine Art Herdentrieb hingehend zum Hamstern angefeuert haben“, so die Forschenden.

Einkäufe größerer Mengen ließen sich auch darauf zurückführen, seltener einkaufen gehen zu müssen und somit auch die Gefahr der Corona-Ansteckung zu verringern – dies hat sich auch schon in andern Untersuchungen gezeigt.

„In den letzten Monaten wurden einige Studien und Umfragen zum Thema Hamstern durchgeführt. Zu Beginn des jetzigen Lockdowns zeigte sich, dass weniger gehamstert wird, als noch in der Anfangsphase der Pandemie“, so Dr. Mira Lehberger vom Institut für Frischproduktlogistik der Hochschule Geisenheim. Laut den Forschenden wäre es nun aufschlussreich, die verschiedenen Lockdownphasen zu vergleichen um Änderungen im Konsumverhalten zu verstehen.

 

Zur Studie

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal Appetite unter dem Titel “Panic buying in times of coronavirus (COVID-19): Extending the theory of planned behavior to understand the stockpiling of nonperishable food in Germany” veröffentlicht und sind unter https://doi.org/10.1016/j.appet.2021.105118 verfügbar.

 

 


Quelle: Hochschule Geisenheim University, 16.02.2021 (tB).

Schlagwörter: ,

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung