HDTV und NBI:

Neue Bildverfahren lassen Krebs im Frühstadium eher erkennen

 

Von Dr. Brigitte Schumacher

 

Düsseldorf (7. Februar 2008) – Neue Entwicklungen in der Endoskopie haben primär das Ziel, kleinste Gewebeveränderungen im Schleimhautniveau früh zu erkennen, um anschließend organschonende bzw. organerhaltende endoskopische Therapien zur Entfernung dieser Krebsfrühformen anzuwenden. Mit Hilfe der neuen Videoendoskope mit hohen Auflösungseigenschaften können Irregularitäten in der Schleimhaut und ihre Struktur völlig neu dargestellt werden.

 

Mit Einführung der HDTV-Technik (High-Definition Television) und des NBI (Narrow Band Imaging) können Krebsvorstufen noch besser als bisher erkannt werden. HDTV stellt eine Verbesserung der Grundtechnologie dar mit Vermehrung der Bildpunkte von 400.000 auf über 2 Millionen und einer Erhöhung der vertikalen und horizontalen Auflösung der Zeilen um mehr als das Doppelte. Es wird dadurch eine Verfeinerung des endoskopischen Bildes erreicht, die kleinste Veränderungen im Schleimhautniveau deutlich macht. Hinzu kommt eine gleichzeitige Vergrößerung des endoskopischen Bildes im Monitorrahmen.

 

Zusatztechniken wie das NBI verwenden spezielle Filter, die eine Hervorhebung der reinen Schleimhaut sowie eine verstärkte optische Kontrastierung aber ohne Färbemittel bewirkt. Hierdurch wird eine Analyse der Gefäße in suspekten Arealen möglich. Durch einen einfach „Knopfdruck“ am Gerät werden die Filter zugeschaltet, so dass eine differenzierte Diagnostik erfolgen kann.

Verdacht auf Frühkarzinom im Bereich der unteren Speiseröhre 

Die NBI-Technik nutzt aus dem Spektrum die Farben Blau und Grün zur Bildverstärkung, das langwellige rote Licht wird herausgefiltert. Im Gegensatz zu rotem Licht dringen die Lichtwellen des Blau-Grünbereiches nicht in die tiefer liegenden Gewebeschichten, sondern werden von Blutgefäßen bzw. im Schleimhautniveau absorbiert. Es lassen sich Bereiche mit Lichtreflexen (Schleimhäute) von Bereichen ohne Reflexion (Blutgefäße) gut differenzieren und mit hohem Kontrast darstellen. Frühe auch sehr kleine Karzinome können mit dieser Technik sicher erkannt und anschließend endoskopisch therapiert werden. Erste viel versprechende Ergebnisse zeigen sich bei Plattenepithelkarzinomen der Speiseröhre (Ösophagus). In einer japanischen Studie (1) wurde gezeigt, dass die NBI-Technik in Bezug auf Kontrast, Darstellung der pathologischen Gefäße in der Mukosa und in der Beurteilung der Tiefeninvasion der konventionellen Endoskopie überlegen ist. Auch Untersuchungen zum Barrett-Ösophagus (mögliche Präkanzerose bedingt durch Schleimhautveränderungen hervorgerufen durch Reflux) zeigen im Vergleich zur herkömmlichen Vergrößerungsendoskopie einen Vorteil für das NBI-System in der Diagnostik des Barrettepithels. (2)

 

Im Bereich des Dickdarmes ermöglicht das NBI System, eingesetzt bei der Darmspiegelung, eine Unterscheidung tumorverdächtiger (neoplastischer) Strukturen von harmlosen kleinen (nicht-neoplastischen) Polypen. (3) Durch einen einfachen Knopfdruck am Instrument kann der Endoskopiker mit zwei unterschiedlichen Methoden eine optische Analyse der Oberflächenveränderung durchführen.

 

Ein kürzlich in Deutschland durchgeführter Vergleich von konventioneller Vergrößerungsendoskopie und NBI-Technik bei der Entdeckung und Charakterisierung von Polypen im Dickdarm zeigt die Überlegenheit der NBI-Technik. In der Unterscheidung von neoplastischen und nicht-neoplastischen Veränderungen zeigte die NBI-Technik eine Sensitivität von 90,5 % und eine Spezifität von 89,2 %. Die Sensitivität bei alleiniger Anwendung der Vergrößerungsendoskopie (ohne NBI) lagen dagegen bei nur 66,7 %.(4)

 

 

Fazit

 

Die Entwicklung der endoskopischen Bildgebung wie HDTV und NBI führen zu einer präziseren Diagnostik von Krebsvor- bzw. Krebsfrühformen im Verdauungstrakt. Die durch den Einsatz dieser neuen Endoskope gewonnene Erfahrung hat zu einer erweiterten Kenntnis über das Erscheinungsbild von Krebsfrühformen geführt. Die neuen Techniken ermöglichen so auch eine Entscheidung, ob lokale organerhaltende endoskopische Therapien zur Anwendung kommen, oder ob eine Operation für den Patienten notwendig wird.

 

Literatur

  1. Yoshida T , Inoue H , Usui S et al . Narrow-band imaging system with magnifying endoscopy for superficial esophageal lesions. Gastrointest Endosc 2004;59:288-295.
  2. Hamamoto Y, Endo T , Nosho K et al. Usefulness of narrow-band imaging endoscopy for diagnosis of Barrett´s esophagus. J Gastroenterol 2004;39:14-20.
  3. East JE, Saunders BP. Look, remove, and discard. Can narrow-band imaging replace histopathology for small colorectal polyps? It is time to push the button! Gastrointest Endosc 2007; 66:953-956.
  4. Tischendorf J, Wasmuth H, Koch A et al. Value of magnifying chromoendoscopy and narrow-band imaging (NBI) in classifying colorectal polyps: a prospective controlled study. Endoscopy 2007; 39: 1092- 1096.

 

Verfasserin

Dr. med. Brigitte Schumacher

Ltd. Oberärztin der Endoskopie der Medizinischen Klink

EVK Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf

Kirchfeldstr. 40, 40217 Düsseldorf

Telefon : +49 (0) 211-919-1150

eMail: BrgSchumacher@t-online.de

 


Quelle: Pressekonferenz der Firma Olympus anlässlich des 10. Internationalen Symposiums „Diagnostische und Therapeutische Endoskopie“ am 07.02.2008 in Düsseldorf (John Warning Corporate Communications) (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung