Heimparenterale Ernährung bei Krebspatienten

Mangelernährung auch zu Hause sicher therapieren

 

München (21. Februar 2007) – Viele Krebspatienten entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung eine Mangelernäh­rung, die nicht nur mit einer erhöhten Komplikationsrate, sondern auch einer gesteigerten Mortalität verbunden ist. Wird hingegen frühzeitig mit einer sup­portiven parenteralen Ernährung begonnen, verlängert sich die Überlebenszeit, und die Lebensqualität der Patienten steigt deutlich, so das Ergebnis einer Stu­die am Universitätsklinikum Mannheim. Eine solche Ernährungstherapie ist aber kein Grund für einen Krankenhausaufenthalt – eine stationär begonnene Therapie kann ebenso gut ambulant durchgeführt werden.


 

Je nach Krankheitsstadium und Tumorart gelten etwa 30 bis 90 Prozent aller Krebspati­enten als mangelernährt, und ca. 25 Prozent sterben sogar an den Folgen einer Kache­xie! Ursachen für die Mangelernährung sind Stoffwechselveränderungen sowie krank­heits- und therapieinduzierte Einschränkungen der Nahrungszufuhr: Verantwortlich für den Verlust an Fett- und Muskelmasse sind Entgleisungen des Eiweiß-, Fett-, und Koh­lenhydratstoffwechsels, die die Effizienz der Nährstoffverwertung vermindern. Ein Ge­wichtsverlust kann überdies auf mechanische Behinderungen oder Schmerzen bei der Nahrungsaufnahme zurückgeführt werden. Dies ist häufig bei Patienten mit Tumoren im Kopf- und Nackenbereich, Speiseröhren- oder Darmkrebs der Fall. Aber auch Nebenwir­kungen von Chemotherapeutika (Übelkeit, Erbrechen und Appetitverlust) sowie Ängste und Depressionen können die Nahrungsaufnahme der Patienten beeinträchtigen.

 

Ergebnisse der von Dr. Edward Shang am Universitätsklinikum Mannheim durchgeführten Studie zeigen, dass eine supportive parenterale Ernährung die Überlebenszeit onkologi­scher Patienten verlängert und die Lebensqualität deutlich verbessert: Im Rahmen der prospektiven Untersuchung wurden 152 palliativ behandelte Tumorpatienten randomi­siert in zwei Gruppen eingeteilt. Beide erhielten zusätzlich zur oralen Ernährung enterale Supplemente (Trink­nahrung); eine Gruppe zudem noch eine parenterale Ernährung. Die kumulative Überle­bensrate dieser Patienten war mit p < 0,0001 signifikant höher, und die Lebensqualität wurde deutlich besser bewertet (siehe auch das Interview).

 

Fette sind auch bei einer parenteralen Ernährung unverzichtbar, da sie eine bedeutende Rolle bei der Energiegewinnung in pathologischen Stoffwechselsituationen spielen. Hin­sichtlich der ernährungsphysiologischen Qualität von Fettemulsionen bestehen allerdings große Unterschiede. Sojaöl wird aufgrund seines hohen Gehalts an mehrfach ungesät­tigten Fettsäuren heutzutage nicht mehr empfohlen. Als besonders vorteilhaft gelten Nährlösungen, deren Fettkomponente auf Olivenöl basiert. Die darin reichlich enthaltenen einfach unge­sättigten Fettsäuren fördern eine ausgewogene Eicosanoidsynthese und sind kaum anfällig für Peroxidationsprozesse.

 

Eine parenterale Ernährung wird in den meisten Fällen in der Klinik begonnen und im ambulanten Bereich fortgesetzt. Das wird auch von vielen Patienten begrüßt, die eine Therapie in vertrauter häuslicher Umgebung einem Krankenhausaufenthalt vorziehen. Allerdings muss gewährleistet sein, dass die Ernährungstherapie mit gleich bleibender Qualität fortgeführt wird. Voraussetzung dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren im stationären und ambulanten Bereich.

 

Zu einer strukturierten Überleitung in die häusliche Versorgung gehört beispielsweise, dass der Klinikarzt Stammdaten und Basisinformationen zu Diagnosen und Therapien in einem Entlassungsschreiben festhält. Dies dient der Information des weiterbehandelnden Arztes und den Mitarbeitern des ambulanten Pflegedienstes, der den Patienten zu Hause versorgt. Daneben haben sich Home Care Provider etabliert, die alle Maßnahmen zur Vorbereitung der Entlassung des Patienten koordinieren sowie wichtige Aufgaben in der Weiterbetreuung des Patienten übernehmen. Sie führen in der Regel auch eine ausführli­che Schulung des Patienten und seiner Angehörigen durch, damit diese den sicheren Umgang mit Nährlösungen und Pumpsystemen erlernen können.

 

Ein Unterschied zwischen einer stationären und einer heimparenteralen Ernährung liegt in der Applikation der Nährstoffe: Werden diese in der Klinik meist kontinuierlich verab­reicht, ist im ambulanten Bereich eine zyklische, nächtliche Gabe vorzuziehen. Dazu sollte bereits in der Klinik rechtzeitig die Applikationsform umgestellt werden. Dagegen gibt es hinsichtlich der Zusammensetzung der Nährlösung keine Unterschiede zwischen stationärer und ambulanter Therapie. 80 bis 90 Prozent der Patienten, bei denen eine parenterale Ernährung angezeigt ist, können sicher und effizient sowohl in der Klinik als auch zu Hause mit industriell hergestellten All-in-One-Systemen ernährt werden.

 

Einfach handhabbare Dreikammerbeutel enthalten Fette, Aminosäuren und Glukose in unterschiedlichen Konzentrationen. Die notwendigen Vitamine und Spurenelemente wer­den kurz vor der Verabreichung einfach zugespritzt. Der An- und Abschluss der Nährlö­sung sowie Portnadel- und Verbandswechsel werden in der Regel von einem ambulanten Pflegedienst oder Home Care Provider durchgeführt, können aber auch, nach entspre­chender Schulung, vom Patienten selbst vorgenommen werden.

 

Nicht zuletzt müssen zu Hause einige Grundregeln beachtet werden: Für die hygienische Zubereitung der Nährlösung wird eine ca. 1 qm große, abwaschbare Fläche benötigt, zum Beispiel ein kleiner Tisch oder eine Küchenarbeitsplatte. Industriell hergestellte Drei­kammerbeutel können bei Zimmertemperatur gelagert werden, in der Apotheke zusam­mengestellte Lösungen müssen dagegen im Kühlschrank aufbewahrt werden.

 

Durch eine heimparenterale Ernährung wird eine bedarfsgerechte Zufuhr aller lebensnot­wendigen Nährstoffe sicher gestellt und dem Patienten zugleich ermöglicht, trotz ihrer Erkrankung, ein weitgehend selbst bestimmtes Leben zu führen.

 

Unterstützung mit Sentex 1.0

Die Excel-basierte PC-Anwendung unterstützt Krankenhäuser bei der Generierung von Entlassformularen für die Überleitung ihrer Patienten in die ambulante Ernährungsthera­pie. Die CD sowie der Algorithmus Entlassungsmanagement sind kostenlos erhältlich und können bestellt werden bei baxter@the-messengers.de.

 


 

Quelle: Presseinformation der Firma Baxter Deutschland vom 21.02.2007 (the messengers) (tB).

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