Neue Wege in der Nephroprotektion

 

Professor Dr. med. Lars Christian Rump

 

Wiesbaden (11. April 2010) - Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen habe ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Die reduzierte eGFR und die Proteinurie sind unabhängige Riskofaktoren für tödliche und nichttödliche kardiovaskuläre Ereignisse. Eine Mikroalbuminurie stellt insbesondere beim Diabetiker das früheste messbare Zeichen einer Nierenschädigung dar. Je größer die Proteinurie, desto größer das kardiovaskuläre Risiko und die Wahrscheinlichkeit, terminal niereninsuffizient zu werden. Man geht davon aus, dass die Mikroalbuminurie das früheste Zeichen einer generellen Gefäßschädigung und Mikroinflammation ist. Eine moderne nephroprotektive Therapie verfolgt daher vor dem geschilderten Hintergrund eine umfasende kardiorenale Protektion.

 

Die wichtigste Maßnahme zur kardiorenalen Protektion ist die Blutdrucksenkung. Bei fortgeschrittenen Stadien der Niereninsuffizienz konnte bereits gezeigt werden, dass Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) anderen Substanzklassen in der Primärtherapie überlegen sein können. Bei chronischer Niereninsuffizienz, Diabetes und Hypertonie Grad II bis III ist oft eine Kombinationstherapie unerlässlich. Hemmstoffe des RAS in Kombination mit Diuretika und Kalziumantagonisten kommen hier in Frage. Die ACCOMPLISH-Studie konnte zeigen, dass die Kombination eines ACE-Hemmers (Benazepril) mit einem Calciumantagonisten einer Kombination mit Hydrochlorothiazid bei gleicher Blutdruckeinstellung im Hinblick auf kardiovaskuläre und renale Endpunkte überlegen ist.

 

Heutzutage gilt vermehrt, dass die antihypertensive Therapie des Diabetikers individuell, d.h. in Abhängigkeit von Begleiterkrankungen und Nebenwirkungen, entschieden werden sollte. Das Erreichen eines etwas weniger ambitionierten Zielblutdruckes unter primärer Verwendung von Hemmstoffen des RAS bleibt der wesentliche Schritt zur Reduktion mikro-und makrovaskulärer Ereignisse. Einen neuen vielversprechenden Weg stellt die Prävention der Mikroalbuminurie dar. In der vorgestellten ROADMAP (Randomised Olmesartan And Diabetes Micro-Albuminuria Prevention)-Studie wurden 4.449 normalbuminurine Typ2-Diabetikter mit zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktoren entweder mit Olmesartan 40 mg pro Tag oder Plazebo behandelt. Andere Antihypertensiva mit Ausnahme von AT1-Blockern waren in beiden Gruppen erlaubt. Der primäre Endpunkt war das erste Auftreten einer Mikroalbuminurie (diabetische Nephropathie). Die ersten Ergebnisse scheinen vielversprechend und können möglicherweise ein neues Therapiefeld aufstossen.

 

 

Autor

Professor Dr. med. Lars Christian Rump

Direktor der Klinik für Nephrologie

Universitätsklinikum der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf

 


 

Quelle: Satellitensymposium der Firma Berlin-Chemie zum Thema „Hypertonietherapie 2010 – auf dem Weg in ein neues Jahrzehnt“ am 11.04.2010 in Wiesbaden (Fleishman Hillard) (tB).