15. Kardiologisches Seminar Süd für nichtärztliches Fachpersonal an der Uni Ulm

Herzinfarkt – wenn jede Minute zählt!

 

Einsatz eines Stent (rechts) nach Hinterwandinfarkt (links). Photo: UK UlmUlm an der Donau (24. März 2009) – Jährlich erleiden mehr als 300.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt. Etwa 80.000 versterben bereits vor dem Eintreffen des Notarztes oder der Einlieferung ins Krankenhaus am so genannten Kammerflimmern, einer Rhythmusstörung, die nur durch Wiederbelebungsmaßnahmen und einen Elektroschock beendet werden kann. Vor diesem Hintergrund veranstaltet das Universitätsklinikum Ulm am 3. und 4. April in Ulm/Neu-Ulm mit dem "15. Kardiologischen Seminar Süd" die größte Fortbildungsveranstaltung für das nichtärztliche Fachpersonal in Deutschland.

 

Doch wie entsteht überhaupt ein Herzinfarkt? "Am Anfang der Prozesse stehen Ablagerungen in der Gefäßwand der Herzkranzarterien, die zur Arteriosklerose führen. Klassische Risikofaktoren sind erhöhtes Cholesterin, eine Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht", erläutert Prof. Dr. Jochen Wöhrle, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Ulm. Der Mediziner sieht täglich die Auswirkungen auf das Herz: Im Bereich der Ablagerungen kann die Gefäßinnenhaut, die das Herzkranzgefäß wie eine Tapete auskleidet, aus bisher wenig bekannten Gründen aufreißen. "Zur Abdichtung dieser Wunde entwickelt sich ein Gerinnsel. Dieses kann dann das Herzkranzgefäß verschließen – ohne schnelle ärztliche Hilfe stirbt in der Folge das Herzmuskelgewebe, das normalerweise von diesem Gefäß mit Sauerstoff und Energieträgern versorgt wird, unwiederbringlich ab", fasst Prof. Wöhrle zusammen. In der überwiegenden Mehrzahl entwickeln sich solche plötzlichen Gefäßverschlüsse mit Herzinfarkt auf dem Boden von Gefäßablagerungen, die den Blutfluss bis dahin nicht behinderten. Das bedeutet, dass ein Herzinfarkt oft bei Menschen auftritt, die bis zu diesem Ereignis nie Herzbeschwerden verspürt haben.


Jede Minute zählt, doch wie lassen sich die Symptome erkennen? "Ein akuter Herzinfarkt führt typischerweise unter Ruhebedingungen zu einem sehr starken Engegefühl mit Schmerzen in der Brustmitte. Todesangst und kalter Schweißausbruch kommen hinzu", zählt Prof. Wöhrle auf und ergänzt: "Der Schmerz kann gürtelförmig um den Brustkorb empfunden werden und in den linken Arm, in Hals und Unterkiefer, die rechte Schulter und den Oberbauch ausstrahlen."


"Gar nicht selten treten aber nur Teile der Symptome auf." Das berichtet Prof. Dr. Vinzenz Hombach, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II und Tagungspräsident des "15. Kardiologischen Semi-nars Süd". Betroffene suchen z. B. zunächst ihren Zahnarzt wegen Kieferschmerzen auf – oder den Chirurgen wegen Schmerzen in der Schulter.


Was ist medizinisch zu tun? Was kann Patienten geraten werden? Von "Basismaßnahmen bei Herzkreislaufstillstand" über "Grundlagen der Elektrokardiographie" bis hin zu "Notfallsituationen im Herzkatheterlabor" reicht die ebenso vielseitige wie renommierte Fortbildungsveranstaltung, die am 3. und 4. April im Edwin-Scharff-Haus (Silcherstraße 40, 89231 Neu-Ulm) stattfindet. Das Fazit von Prof. Wöhrle: "Ein Herzinfarktpatient mit rechtzeitig wiedereröffnetem Infarktgefäß ist unmittelbar nach dem Eingriff beschwerdefrei und der Schaden am Herzmuskel, welcher mit einer Einschränkung der Pumpleistung des Herzens einhergeht, kann minimiert werden. Voraussetzung ist jedoch, dass der Infarkt zunächst überhaupt erkannt und ärztliche Hilfe so schnell wie möglich angefordert wird. Betroffene, Angehörige, Ärzte, Sanitäter und Krankenschwestern sind bei einem Herzinfarkt mit zügigem und professionellem Handeln gefordert."

Einsatz eines Stent (rechts) nach Hinterwandinfarkt (links). Photo: UK Ulm 

 

 Abb.: Einsatz eines Stent (rechts) nach Hinterwandinfarkt (links). Photo: UK Ulm

 

 


 

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Ulm vom 24.03.2009.

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