Hitzewelle erfordert Eigeninitiative von Altenpflegeeinrichtungen

Tipps und Regeln zum Schutz von älteren Menschen und Pflegeheimbewohnern bei großer Hitze

 

Köln (31. Juli 2008) – In den meisten Regionen Deutschlands ist es zur Zeit brütend heiß und sehr schwül. Viele Menschen leiden darunter. Richtig gefährlich ist die Hitze aber vor allem für alte und kranke Personen, darunter vor allem Pflegeheimbewohner und Menschen mit Demenz. Bei ihnen können die hohen Temperaturen und ihre Auswirkungen im schlimmsten Fall zum Zusammenbruch des gesamten Organismus führen. Damit es nicht so weit kommt, finden sich in der gerade erschienenen aktuellen Ausgabe von PRO ALTER, dem Fachmagazin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA), Tipps und Regeln, die von Mitarbeitenden in Pflegeeinrichtungen dringend beachtet werden sollten, um die Bewohner zu schützen.

 


"Hier ist die Eigeninitiative der Einrichtungen gefragt", stellt Uwe Brucker, Fachgebietsleiter Pflegerische Versorgung des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen, in PRO ALTER fest. Denn es sei fraglich, ob das Gesundheits- und Sozialsystem in Deutschland auf diese und wegen der klimatischen Veränderungen zu erwartenden weiteren Hitzewellen flächendeckend vorbereitet sei, so Brucker, der auch externer Berater der WHO ist, weiter. So habe eine öffentliche Auseinandersetzung über die katastrophalen Folgen des Hitzesommers 2003 – dem in Europa rund 70.000 Menschen, mehr als im gleichen Zeitraum üblich, zum Opfer fielen – kaum stattgefunden, beklagt er. "Die Maßnahmen, die getroffen wurden, basieren höchst ausnahmsweise auf den Erfahrungen der Sommerhitze 2003". Lediglich Hessen habe 2004 auf Basis der Daten des Deutschen Wetterdienstes ein differenziertes Hitzewarnsystem installiert, führt Uwe Brucker aus.

Vorbildliches Warnsystem in England
Dass das auch anders sein kann, zeigt ein Blick nach England. Das englische Warnsystem ist insofern vorbildlich, als dass alte, multimorbide und allein lebende Menschen je nach hitzeabhängiger Warnstufe zu Hause aufgesucht werden, wie in dem KDA-Magazin zu lesen ist.


Während einer Hitzewelle ist Wassermangel, die Exsikkose, bei alten Menschen ein zentrales Thema. "Leider erkennen viele Mitarbeitende in Pflegeeinrichtungen nicht deren Anzeichen, was für den betroffenen alten Menschen katastrophale gesundheitliche Folgen haben kann", sagt Christine Sowinski, Pflegefachfrau des KDA. "Was die Menschen dann dringend brauchen, sind natriumhaltige Getränke. In den Pflegeheimen werden aber oft Tees und natriumarme "Mineralwässer" gereicht." Es komme auch nicht selten vor, dass die Folgen einer Exikkose, wie beispielsweise Temperaturerhöhung, als Infektion missgedeutet und dann mit Antibiotika falsch behandelt würde, heißt es in PRO ALTER weiter.

Regeln zum Schutz besonders hilfebedürftiger und hitzempfindlicher Personen
Um ältere Menschen und Pflegeheimbewohner vor den Folgen einer Hitzwelle zu schützen, sollten daher folgende kurzfristige Maßnahmen getroffen werden:

 

  • Raumtemperatur niedrig halten, indem beispielsweise tagsüber Fenster und Rollläden geschlossen bleiben,
  • Aufhängen von feuchten Tüchern oder Aufstellen mobiler Verdampfungskühlgeräte (bei trockner Hitze) bzw. mobiler Entfeuchtungs- und Klimageräte (bei feuchter Hitze),
  • Ausschalten unnötiger elektrischer Geräte (auch Licht) und
  • in kühlere Räume umziehen (auch Keller) oder, wenn das nicht geht, mindestens zwei bis drei Stunden Aufenthalt in kühleren Räumen.

Weitere wichtige Punkte:

  • Leichte und locker sitzende Kleidung aus natürlichem Material tragen.
  • Kühl duschen oder baden oder als Alternative dazu Kühlpackungen, feuchte Wickel, feuchte Handtücher, kühlende Einreibungen oder Fußbäder anwenden.
  • Pro Stunde sollte ein Glas kühler, nicht kalter Flüssigkeit, wie natriumhaltiges Mineralwasser, Säfte, Suppen oder Brühen, getrunken werden.
  • Bei extremer Hitze dürfen alte Menschen, deren natürliches Durstempfinden nachgelassen hat, nicht zu lange auf sich allein gestellt bleiben und sollten immer wieder, auch durch Trinkrituale, zur Flüssigkeitsaufnahme ermuntert werden.
  • Da die meisten Älteren Medikamente einnehmen, sollte mit dem behandelnden Arzt geklärt werden, ob die Präparate den Flüssigkeitshalt beeinflussen.


Quelle: Pressemitteilung des Kuratoriums Deutsche Altershilfe – Wilhelmine Lübke Stiftung e.V. vom 31.07.2008 (tB).

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