Meningokokken im Mikroskop. Photo: Novartis BehringMeningokokken

Impfstoff mit potenziell breitem Wirkspektrum gegen Meningokokken der Serogruppe B ist in Entwicklung

München (6. November 2009) – Meningokokken sind gramnegative Bakterien, die ubiquitär vorkommen. In den gemäßigten Breiten sind etwa 15 bis 25 Prozent der Jugendlichen und 2 bis 15 Prozent der Stadtbewohner Träger von Neisseria meningitidis, ohne dass jedoch eine klinische Symptomatik auftritt. Besonders besiedelt ist der Nasen- und Rachenraum. Durch Tröpfcheninfektion erfolgt eine Übertragung auf andere Personen, wobei der Mensch auch der einzige Wirt ist.

Gelangen die Erreger jedoch ins Blut, können sich respiratorische Symptome, Fieber und Gelenkschmerzen einstellen. Heilen diese nicht spontan wieder aus, kommt es oft zur Meningokokken-Meningitis (Gehirnhautentzündung), -Sepsis oder zu Mischformen aus beiden. Die Betroffenen leiden neben der charakteristischen Nackensteifigkeit unter unspezifischen, allgemeinen Krankheitszeichen wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Fieber. Als Komplikation kann sich eine Meningoenzephalitis (Gehirnentzündung) oder Meningoenzephalomyelitis (Entzündung des Rückenmarks) einstellen. Als bleibende Schäden sind hier Lähmungen, Gehörverlust, geistige Behinderung oder Verhaltensauffälligkeiten zu nennen.

Bei den Meningokokken lassen sich bislang 13 verschiedene Serogruppen unterscheiden, von denen jedoch nur fünf (A, B, C, W-135 und Y) von klinischer Bedeutung sind. In Europa führen besonders die Meningokokken B und C zu Infektionen, wobei etwa 20 bis 30 Prozent der Erkrankungen durch die Serogruppe C verursacht werden. Da allerdings überwiegend Kleinkinder und Jugendliche an Meningokokken C erkranken und diese Verläufe meist sehr schwer sind (zehn Prozent der Fälle enden tödlich, 20 Prozent erleiden bleibende Schäden), empfiehlt die Ständige Impfkommission die Meningokokken C-Impfung für Kleinkinder im zweiten Lebensjahr. Wird dieser Zeitpunkt verpasst, sollte die Impfung bis zum vollendeten 17. Lebensjahr erfolgen.

Während auch gegen die von den Serogruppen A, W-135 und Y hervorgerufenen Erkrankungen Impfungen möglich sind, ist die Prävention von Infektionen mit Meningokokken der Serogruppe B nach wie vor ein bislang ungelöstes dringliches Problem – und das, obwohl zwischen 70 und 80 Prozent der Erkrankungsfälle in Europa auf diesen Erreger zurückzuführen sind. Weltweit wird die Inzidenz der Serogruppe B auf zwischen 20 000 und 80 000 Fälle pro Jahr mit jährlichen 2.000 bis 8.000 Todesfällen geschätzt. Die derzeit erhältlichen Impfstoffe gegen Meningokokken B sind stammspezifisch und in ihrer Anwendbarkeit nur regional einsetzbar, da sich die B-Stämme je nach geographischer Region erheblich unterscheiden.

Diese Impfstoffe bewirken daher nicht den breiten Schutz, um auf der ganzen Welt insbesondere Säuglinge zu schützen. Mittels einer innovativen, genomikbasierten Strategie namens „reverse Vakzinologie“ wurde nun der erste Impfstoff mit potenzieller Breitbandwirkung gegen Meningokokken der Serogruppe B entwickelt, der die klinische Prüfphase III erreichte. In den bislang durchgeführten klinischen Studien wurde der Impfstoff von jüngeren und älteren Säuglingen, Kleinkindern und Erwachsenen gut vertragen.


Quelle: Symposium „New Vaccines“ am 06.11.2009 im Rahmen der 101. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit, München. Veranstalter: Novartis Behring (Weber Shandwick) (tB).

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