Implantierbare Herzmonitore

Ungesicherte Patientenversorgung trotz zwanzig Jahren Evidenz

 

Mannheim (25. April 2019) — Zwanzig Jahre Forschung, Entwicklung und wissenschaftliche Evidenz sowie eine Million Implantationen weltweit stehen hinter der 5. Produktgeneration des RevealTM implantierbaren Herzmonitorsystems. Implantierbare Herzmonitore (Implantierbare Loop-Recorder, ILR) schließen eine Lücke bei der Diagnostik von Synkopen und Schlaganfällen unbekannter Ursache. Nationale und internationale Leitlinien bewerten den Einsatz der ILR mit hohem Empfehlungsgrad und hoher Evidenz. Eine Erfolgsgeschichte, die Anlass zum Feiern bietet. Aber nicht uneingeschränkt, wie die Experten bei der Medtronic Pressekonferenz anlässlich der 85. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim berichteten. Seit einiger Zeit bestehe stationär und ambulant eine Erstattungsproblematik, die im Ergebnis zu einem Versorgungsdefizit von Patienten führe.


In Deutschland gibt es nach Schätzungen jedes Jahr mehr als 25.000 Patienten mit wiederholter Bewusstlosigkeit (Synkope) sowie etwa 40.000 Patienten mit so genanntem kryptogenem Schlaganfall, bei denen konventionelle Diagnostikmethoden keine Ursache finden können.(1) Häufig sind unregelmäßige und in längeren Abständen auftretende Herzrhythmusstörungen wie beispielsweise Vorhofflimmern die Ursache. Bleiben sie unbehandelt, gefährden sie den Patienten im weiteren Verlauf in hohem Maße. Das Risiko eines erneuten Schlaganfalls ist bei Vorhofflimmern deutlich erhöht.(2)

Seit rund 20 Jahren ermöglichen implantierbare Herzmonitore eine Überwachung des Herzrhythmus, seit 2007 über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren. „Wir können auf diese Weise Herzrhythmusstörungen sicher detektieren, die mit konventionellen Diagnostikmethoden schwer bis gar nicht aufzuspüren sind“, schildert Prof. Dr. med. Joachim Weil, Chefarzt der Medizinischen Klinik II für Kardiologie und Angiologie des SANA Klinikums Lübeck, seine Erfahrungen aus der klinischen Praxis. „Unsere Patienten werden mit Hilfe der neueren Generation von Herzmonitoren zudem telemedizinisch überwacht, so dass wir bei Rhythmusstörungen zeitnah die geeignete Therapie zum Schutz der Patienten einleiten können“, beschreibt er die Vorteile der ILR-Diagnostik.

Eine Vielzahl von Studien bestätigt den Nutzen der implantierbaren Herzmonitore, die 2016 bzw. 2018 zu einer Aufwertung der Leitlinienempfehlungen bei Vorhofflimmern (IIa/B) und bei Synkopen (I/A) geführt hat.(3,4)

Lange Zeit war der Einsatz von implantierbaren Herzmonitoren im stationären Bereich eine etablierte und erstattungsrechtlich unproblematische Methode. Der medizinisch-technische Fortschritt ermöglicht mit deutlich kleineren Implantaten und einfacheren Implantationsverfahren zunehmend die ambulante Versorgung mit implantierbaren Ereignis-Rekordern. Daraus ergeben sich seit geraumer Zeit Schwierigkeiten bei der Erstattung. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) konstatierte kürzlich in einer Stellungnahme eine „Unterversorgung von Patienten mit Herzrhythmusstörungen und Synkopen“ in Deutschland.(5)

Dr. jur. Ulrich Reese, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Clifford Chance in Düsseldorf, beschrieb die aktuelle Erstattungssituation: Häufig lehnten gesetzliche Krankenkassen nach Einschaltung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen die Erstattung der implantierbaren Herzmonitore mit der Begründung ab, eine stationäre Implantation sei nicht erforderlich und könne ambulant durchgeführt werden. Gleichzeitig würden Kosten für die ambulante Implantation mit Verweis auf fehlende Abrechnungsziffern im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM)(6) und im Katalog für ambulantes Operieren (AOP)(7) nicht übernommen. „Meiner Einschätzung nach führt die Erstattungsrealität der gesetzlichen Krankenkassen bei implantierbaren Ereignis-Rekordern in der Praxis zu einem systemwidrigen Versorgungsdefizit“, konstatierte Dr. Reese.

Es sei dringend geboten, so Dr. Reese weiter, die nötigen EBM- und AOP-Ziffern zu implementieren, um die derzeitige unbefriedigende Situation für Patienten und Ärzte zu überwinden. „Sowohl ambulant als auch – sofern nötig-  stationär, sollten Ärzte ihrer Pflicht, Patienten leitliniengerecht zu versorgen, nachkommen können. Versicherte sollten regelhaft GKV-Leistung in Anspruch nehmen können“, bekräftigte Dr. Reese.


Das Reveal LINQTM implantierbare Herzmonitorsystem

Das Reveal LINQ System ist ein implantierbarer Herzmonitor, der Ärzten helfen soll, Herzrhythmusstörungen schnell und präzise zu diagnostizieren. Der Reveal LINQ mit TruRhythmTM-Technologie ermöglicht Algorithmus-gesteuert eine optimierte Episodenerkennung. Mit 1,2 cm(3) ist der Reveal LINQ der kleinste implantierbare Herzmonitor. Mit einem Schnitt von weniger als 1 cm Länge wird er direkt unter die Haut geschoben und ist damit eine diskrete Lösung für die Herzüberwachung. Das System gewährleistet eine telemedizinische Nachsorge über das Medtronic CareLink Netzwerk. Der klinische Nutzen der Reveal Systeme wurde in mehr als 500 Studien und Fachartikeln belegt.


Anmerkungen

  1. Nach Medtronic eigenen Schätzungen
  2. Toni D et al. Types of stroke recurrence in patients with ischemic stroke: A substudy from the PRoFESS trial. Int J Stroke 2014; 9:873-878.
  3. Kirchhof P, Benussi S, Kotecha D, et al. ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation developed in collaboration with EACTS. Eur Heart J. October 7, 2016; 37(38):2893-2962.
  4. Brignole M, Moya A, de Lange FJ, et al. ESC Guidelines for the diagnosis and management of syncope. Eur Heart J. June 1, 2018; 39(21):1883-1948.
  5. Bosch R, Perings St.  Versorgungslücke bei Patienten mit Rhythmusstörungen und Synkope. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. CardioNews 2019; 3(22): 33.
  6. Das Vergütungssystem für die ambulante vertragsärztliche Versorgung in Deutschland.
  7. Katalog ambulant durchführbarer Operationen sowie deren einheitliche Vergütung für Krankenhäuser und Vertragsärzte.

 

 


Quelle: Medtronic, 25.04.2019 (tB).

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