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Individuell ausbalanciert dosiert statt großzügig nach dem „Gießkannenprinzip“

Mikronährstoffe für Frauen – auf die Lebensphase kommt es an

 

München (9. Oktober 2014) – Frauen, die eine gynäkologische Praxis aufsuchen, erwarten im persönlichen Gespräch oft auch Hinweise, ob und wie sie ihre körperliche sowie geistige Leistungsfähigkeit mit Hilfe von Nährstoffsupplementen verbessern können. „Nach Daten der Nationalen Verzehrsstudie II (1) verwenden 31 % aller Frauen, aber nur 24 % der Männer entsprechende Produkte. Welchen Nutzen sie aus physiologischer Sicht besitzen, wird kontrovers diskutiert. Weder eine Hochdosisgabe nach dem ,Gießkannenprinzip’, noch eine generelle Ablehnung sind aus wissenschaftlicher Sicht zu begründen“, erläuterte Prof. Dr. Andreas Hahn (Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung, Leibniz Universität Hannover) jetzt auf dem Symposium „Mikronährstoffe für Frauen in verschiedenen Lebensphasen“ im Rahmen des 60. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in München.

 

 

Nahrungsergänzung: Was kann und soll sie leisten?

 

Erforderlich sei vielmehr eine differenzierte Betrachtung, die sowohl die physiologischen Anforderungen in der jeweiligen Lebensphase der Frau als auch die beabsichtigten Ziele sowie die tatsächliche Versorgung mit Nährstoffen berücksichtige. Bei Gesunden sollen Nahrungsergänzungen laut Prof. Hahn in erster Linie zwei Funktionen erfüllen:

 

1. Es wird erwartet, dass sie bei unausgewogener Ernährung (z.B. Veganismus) oder bei erhöhtem Nährstoffbedarf (wie in Schwangerschaft und Stillzeit) eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherstellen. Ihr Nutzen ist dabei vielfach evident.

 

2. Von ihnen werden primärpräventive Effekte erhofft. Dafür Belege zu finden sei, von Ausnahmen abgesehen (z.B. Folsäure zur Vermeidung von Neuralrohrdefekten beim Ungeborenen), meist jedoch schwierig. „Eine Bewertung der Nährstoffversorgung ist auf Populationsebene durch den Vergleich zwischen erwünschter Zufuhr (in Form der Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr der Fachgesellschaften) und der in Studien (z.B. NVS II) ermittelten Aufnahme möglich. Eine Beurteilung der tatsächlichen individuellen Versorgungssituation kann hingegen nur auf Basis geeigneter Parameter erfolgen“, so Prof. Hahn. „Während diese in einigen Bereichen (z.B. Folat, Vitamin D, Eisen) gut etabliert sind, fehlt es bei anderen Nährstoffen an geeigneten Kenngrößen. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich für die Praxis der Supplementempfehlung bei Gesunden – vor allem unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten – der Vergleich zwischen Soll und Ist als Basis bewährt.“ Und bei dieser stützt man sich eben auf die in der Gesamtpopulation erhobenen Daten im Vergleich zu den D-A-CH-Referenzwerten. Ein erhöhter Bedarf, etwa durch besondere physiologische Anforderungen (z.B. starke körperliche Belastungen, Erkrankungen, Einnahme bestimmter Arzneimittel), werde dabei jedoch nicht berücksichtigt. „Grundsätzlich ist zu empfehlen, in Fällen ungünstiger Ernährungsgewohnheiten sowie bei Risikogruppen für ein Nährstoffdefizit physiologisch, das heißt gemäß der Zufuhrempfehlungen dosierten Mehrkomponentenpräparaten mit den jeweils kritischen Nährstoffen den Vorzug gegenüber Hochdosispräparaten oder Einzelstoffen zu geben“, folgerte Prof. Hahn. „Dadurch werden Defizite ausreichend ausgeglichen und gleichzeitig Risiken einer Überdosierung vermieden.“

 

 

Folsäure & Vitamin D: Wie sind Wunschmütter und ihre Kinder optimal versorgt?

 

Was dies beispielsweise für Frauen mit Kinderwunsch und in der Schwangerschaft konkret heißt, erklärte Prof. Dr. med. Peymann Hadji (Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe) auf dem Symposium. „Eine unzureichende Folsäureversorgung erhöht die Gefahr von Aborten, Frühgeburten und steigert das Risiko für angeborene Fehlbildungen des Neuralrohrs (Neuralrohrdefekte; NRD). Da letztere sich zwischen dem 22. und 28. Schwangerschaftstag ausbilden, kommt einer ausreichenden Folsäureversorgung bereits perikonzeptionell große Bedeutung zu“, sagte Prof. Hadji. „Allen Frauen, die eine Schwangerschaft planen oder schwanger werden können, wird daher empfohlen, sich zusätzlich zu einer folsäurereichen Ernährung täglich 400-800 µg Folsäure in Form eines Ergänzungspräparats zuzuführen.“ Daneben sei eine adäquate Vitamin-D-Versorgung allgemein, besonders aber in der Schwangerschaft, wichtig. „Vitamin D ist an der Insulinausschüttung aus den Beta-Zellen des endokrinen Pankreas beteiligt. Zusätzlich reguliert es die Muskelkontraktion sowie die Muskelproteinsynthese und ist damit essenziell für die Muskelkraft und neuromuskuläre Koordination“, berichtete Prof. Hadji. „Auch die Regulation von Zellwachstum und Zelldifferenzierung sowie die Modulation der Immunfunktion werden dem Vitamin D zugesprochen.

 

Die Konzentration an Vitamin D im Serum der Mutter beeinflusst die fetale Calcidiolverfügbarkeit und damit den Schwangerschaftsverlauf. Basierend auf einem angestrebten Calcidiol-Serumwert von mindestens 50 nmol/l empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für Schwangere ohne adäquate Sonnenlichtexposition eine tägliche Zufuhr von 20 μg bzw. 800 I.E. Vitamin D.“

 

Fazit der Referenten: Wenn allgemein, insbesondere aber in der Zeit der Familienplanung, in der Schwangerschaft oder der Stillzeit, um die Empfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels gebeten wird, ist ein Mikronährstoff-Konzept, das nach dem „Gießkannenprinzip“ funktioniert, wenig hilfreich. Um den Bedarf in jeder der spezifischen Lebensphasen einer Frau wirklich zielführend und ausbalanciert dosiert zu decken, sind individuelle und dem tatsächlichen Bedarf angepasste Lösungen gefragt.

 

 

Anmerkung 

 

Abbildung

 

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Quelle: Rottapharm Madaus, 09.10.2014 (tB).

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