Infektiologie

NeonatologieRKI

Kolonisationsscreening in neonatologischen Intensivstationen

Berlin (12. September 2019) -- Seit 2012 empfiehlt die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention ein wöchentliches Kolonisationsscreening in neonatologischen Intensivstationen. Im Epidemiologischen Bulletin ist in der Ausgabe 37/2019 ein Beitrag über die Ergebnisse einer Befragung von neonatologischen Intensivstationen zur Umsetzung dieser Empfehlung erschienen. Diese erste Übersicht zur Praxis des Kolonisationsscreenings in neonatologischen Intensivstationen in Deutschland zeigt Möglichkeiten der kontinuierlichen Verbesserung. Die Autorinnen und Autoren des Beitrags aus dem Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg, und der Universitätskinderklinik Lübeck diskutieren auch den Nutzen des Screenings im Hinblick auf die Late-onset Sepsis, eine schwer­wiegende Kompli­kation auf neonatologischen Intensivstationen mit erheblicher Morbidität, Mortalität und negativen Langzeitfolgen für die Entwicklungsprognose von intensivmedizinisch behandelten Früh- und Neugeborenen.

roeteln standardsPEI engagiert sich im Verbund mit WHO für zuverlässige Teststandards

Rötelndiagnostik

Langen (9. September 2019) -- Weltweit eingesetzte Referenzpräparate (Internationale Standards) sind unentbehrlich für zuverlässige diagnostische Tests. Eine internationale Expertengruppe hat den bisher verwendeten Internationalen Standard für die Diagnostik von Röteln unter die Lupe genommen. Über die Ergebnisse berichtet The Lancet Infectious Diseases in seiner Online-Ausgabe vom 06.09.2019.

NekrotisierendeFasciitisNekrotisierende Fasziitis

Schnellere Diagnose für Erreger der nekrotisierenden Fasziitis

Braunschweig (26. August 2019) -- Schwere Infektionen durch „fleischfressende“ Bakterien machen zunehmend Schlagzeilen. Dahinter steckt das Krankheitsbild der nekrotisierenden Fasziitis (necrotizing soft tissue infections). Diese seltenen Infektionskrankheiten verursachen dramatische Gewebezerstörungen. Den Patienten müssen oft Gliedmaßen amputiert werden oder sie versterben, bevor eine passende Therapie gefunden wird. Der rasante Krankheitsverlauf, verschiedene bakterielle Erreger und deren zunehmende Antibiotikaresistenz machen eine Schnelldiagnostik nötig. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) erlangten jetzt mithilfe modernster Methoden erstmals Einblicke in die Zusammensetzung der Erreger der oft durch bakterielle Mischinfektionen verursachten Krankheit. Zudem konnten sie die am Infektionsort ablaufenden Prozesse besser charakterisieren und Unterschiede in der Wirtsantwort in Abhängigkeit vom Erregerspektrum beobachten. Damit gelang es, potenzielle Biomarker für die durch Einzelerreger wie Streptococcus pyogenes oder bakterielle Mischinfektionen verursachte nekrotisierende Fasziitis zu identifizieren. Diese neuen Biomarker könnten zukünftig in der klinischen Anwendung eine schnellere Diagnostik der Erreger und damit eine zugeschnittene Therapie ermöglichen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt im renommierten Fachjournal Nature Communications.

STIKO

Neue Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission

Berlin (22. August 2019) -- Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre neuen Impfempfehlungen im Epidemiologischen Bulletin 34/2019 veröffentlicht. Die wesentliche Neuerung ist bereits in der Ausgabe 50/2018 veröffentlicht worden: Die STIKO empfiehlt allen Personen ab 60 Jahre die Gürtelrose-Schutzimpfung mit einem sogenannten Totimpfstoff als Standardimpfung. Personen mit einer Grundkrankheit oder Immunschwäche sollen sich bereits ab 50 Jahren impfen lassen (Indikationsimpfung).

Schadensminimierung bei Gefangenen in Europa

Ansteckungsraten in Gefängnissen können reduziert werden

  • HIV/AIDS und Hepatitiden eindämmen

Frankfurt am Main (22. August 2019) -- Infektionskrankheiten sind unter Gefangenen überrepräsentativ häufig verbreitet. Gefängnisse gelten als Katalysatoren für die Übertragung von HIV/AIDS und Hepatitis B/C. Oft geht dieses Problem mit der Drogenabhängigkeit der Gefangenen einher. Deshalb untersuchte Prof. Dr. Heino Stöver, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung (ISFF) der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), mit seinem Team Ansätze der Schadensminimierung (Harm Reduction) in Gefängnissen. Das Forschungsteilprojekt „Harm reduction and continuity of care in prisons“ des ISFF war eines von acht Arbeitspaketen des Projekts „The Joint Action on HIV and Co-infection Prevention and Harm Reduction (HA-REACT)“ der Europäischen Union. „Die Projektergebnisse werden von vielen Justizministerien, Gefängnisbehörden und Nicht-Regierungsorganisationen für eine Reform der gesundheitlichen Versorgungsstrukturen von Gefangenen genutzt“, freut sich Projektleiter Stöver.

Neue Leitlinie zu Virusinfektionen bei Organ- und allogen Stammzelltransplantierten

Freiburg (15. August 2019) – Patienten, die eine Organ- oder allogene Stammzelltransplantation erhalten haben, sind durch die in der Folge notwendige Immunsuppression besonders anfällig für virale Infektionen, die bei ihnen zudem oft schwerer verlaufen. Die Gesellschaft für Virologie (GfV) und die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten (DVV) haben in Kooperation mit 18 weiteren wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften den aktuellen Erkenntnisstand zu Diagnose, Prävention und Behandlung von Virusinfektionen bei Organ- und Stammzelltransplantierten nun in einer Leitlinie zusammengefasst. Die Empfehlungen richten sich an sämtliche stationär und ambulant tätigen Ärzte, die an der Versorgung von Patienten vor und nach Organ- und allogenen Stammzelltransplantationen beteiligt sind.

GonokokkenRKI

Gonorrhö im Epidemiologischen Bulletin

Berlin (8. August 2019) -- Die Resistenzentwicklung bei Neisseria gonorrhoeae und die damit verbundene Gefahr eines kaum therapierbaren, hochresistenten Erregers ist ein globales Problem. Im Epidemiologischen Bulletin 32/33 2019 wird über eine urogenitale Gonorrhö mit einer besonders problematischen Resistenzeigenschaft berichtet, einer "high-level-Azithromycin-Resistenz". Das Resümee der Autorinnen und Autoren, unter anderem vom Konsiliarlabor (KL) für Gonokokken am Vivantes Klinikum Neukölln und vom Robert Koch-Institut: "Unerlässlich ist eine Testung der Antibiotika-Empfindlichkeit, um vorhandene Resistenzen aufzuspüren … Eine Therapieerfolgskontrolle sollte stets erfolgen. … Fälle von ungewöhnlicher Resistenz und Therapieversagen sollten daher zeitnah an das KL für Gonokokken und das RKI gemeldet werden." Konsiliarlabor und RKI arbeiten seit 2013 im Gonokokken-Resistenz-Netzwerks GORENET gemeinsam mit Laboren aus ganz Deutschland zusammen, um die Resistenzsituation der Gonorrhö in Deutschland möglichst aussagekräftig abzubilden.

Hochsicherheitslabor RKIHochsicherheitslabor im Robert Koch-Institut

Berlin (31. Juli 2019) -- Vor einem Jahr, am 31. Juli 2018, hat das neue Hochsicherheitslabor im Robert Koch-Institut seinen Betrieb aufgenommen. In dem Labor der höchsten Schutzstufe (S4) können lebensbedrohliche, hochansteckende Erreger wie Ebola- oder Nipahviren sicher diagnostiziert und erforscht werden – um sie besser bekämpfen und Grundlagen für die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe schaffen zu können. Das Labor ist mehrfach gesichert, es darf nur von speziell ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ge­schlossenen Vollschutzanzügen betreten werden. Zum einjährigen Laborgeburtstag veröffentlicht das RKI fünf kurze Webvideos, die einen Blick in den Arbeitsalltag im Hochsicherheitslabor erlauben - vom Anziehen des Schutz­anzugs über die Müllentsorgung bis zur Dekontaminationsdusche.

CRUZIVAX Raubwanze 340x220Projekt CRUZIVAX

Entwicklung einer nasalen Impfung gegen Chagas-Krankheit

Braunschweig (25. Juli 2019) -- Ein Konsortium aus elf Partnern hat für sein Projekt CRUZIVAX („Vaccine for Prevention and Treatment of Trypanosoma cruzi Infection“) eine umfangreiche Förderung aus dem Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020 der Europäischen Kommission erhalten. Ziel von CRUZIVAX ist es, einen hochwirksamen, kostengünstigen und einfach zu verabreichenden prophylaktischen Impfstoffkandidaten für die Chagas-Krankheit zu entwickeln, die durch den Parasiten Trypanosoma cruzi (T. cruzi) verursacht wird. Der Impfstoff soll als Nasenspray einsetzbar sein. Das Projekt wird von der Abteilung Vakzinologie des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) unter der Leitung von Prof. Carlos A. Guzmán koordiniert. Die Gesamtfördersumme beträgt mehr als acht Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren, wobei dem HZI rund zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

BfArM

Risiko der Übertragung von multiresistenten Erregern durch fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT, Stuhltransplantation)

Bonn (18. Juni 2019) -- Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat eine Warnung veröffentlicht zum möglichen Risiko von schwerwiegenden bakteriellen Infektionen durch Übertragung von multiresistenten Erregern im Rahmen von sog. fäkaler Mikrobiota-Transplantation (FMT, Stuhltransplantation). Die FDA berichtet, dass im Rahmen der klinischen FMT-Anwendungen multiresistente Bakterien übertragen worden sind. Zwei Empfänger von FMT entwickelten invasive bakterielle Infektionen, in deren Folge einer der Empfänger verstarb und ein weiterer Proband schwer erkrankte. Es hat sich gezeigt, dass das bei diesen beiden Empfängern verwendete FMT-Präparat aus Stuhl desselben Spenders hergestellt wurde. Der Spenderstuhl bzw. das aufbereitete FMT-Präparat wurde vor der Verwendung nicht auf multiresistente Erreger getestet.

Sicherheit der Blutspenden weiter erhöht

PEI ordnet Hepatitis-E-Testung bei Blutspenderinnen und Blutspendern an

Langen (20. Mai 2019) – Umfassende Sicherheitsmaßnahmen gewährleisten seit vielen Jahren, dass in Deutschland eingesetzte Blutkomponenten sehr sicher sind. Mit dazu beigetragen haben Vorschriften zur flächendeckenden Testung auf das humane Immunschwächevirus HIV, Hepatitis B (HBV) und Hepatitis C (HCV). Aufgrund einzelner Übertragungsfälle von Hepatitis E in den letzten Jahren hat das Paul-Ehrlich-Institut einen zusätzlichen Test von Blutkomponenten auf Hepatitis-E-Viren (HEV) angeordnet. Produktabhängig wird der Test ab 01.01.2020 beziehungsweise 01.01.2021 damit verpflichtend.