Innovation in der Therapie des zweithäufigsten Blutkrebses:

Preisgekröntes Medikament macht Menschen mit multiplem Myelom neuen Mut

 

Düsseldorf (3. Februar 2006) – Viele Menschen mit schwerwiegenden, unheilbaren Erkrankungen hoffen auf neue, innovative Medikamente, die ihre Lebensqualität verbessern. Doch vergeht in der Regel eine lange Zeit, bis schließlich ein solcher Wirkstoff zur Verfügung steht. Ein Beispiel für erfolgreiche Forschung ist ein Medikament zur Behandlung des zweithäufigsten Blutkrebses, dem multiplen Myelom. Es hemmt den Müllabbau in der Krebszelle und kann so das Überleben von vorbehandelten Patienten verlängern, wie Volker Filipp, selbst Betroffener, aus eigener Erfahrung weiß: "Mir und vielen anderen Patienten macht dies neuen Mut." Erst kürzlich wurde der Wirkstoff als herausragendes Medikament im Bereich innovative pharmakologische Forschung mit einer renommierten Fachauszeichnung, dem Galenus-von-Pergamon-Preis, gewürdigt.

 

Rund 3.500 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr am multiplen Myelom. Bei dieser Form des Blutkrebses entarten bestimmte Blutzellen im Knochenmark. Die Blut- und auch die Antikörperbildung sind dadurch gestört. Betroffene leiden in der Folge unter Knochenbrüchen, Müdigkeit und häufigen Infekten. Bis heute kann die Erkrankung nicht geheilt werden. Doch es gibt seit Frühjahr 2004 einen neuartigen Wirkstoff, der selbst dann noch helfen kann, wenn andere Therapien nicht mehr greifen. Möglich wird dies durch seinen einzigartigen Wirkmechanismus, für den das Unternehmen Ortho Biotech, Division of Janssen-Cilag GmbH, den renommierten Galenus-von-Pergamon-Preises erhalten hat.

Die Auszeichnung geht auf den griechischen Arzt Galen zurück, einen der bedeutendsten Ärzte der Antike und Pionier in der medizinischen Forschung. Der Preis, der in seinem Namen heute alle zwei Jahre verliehen wird, ist die höchste nationale Anerkennung, die ein Medikament erhalten kann. In diesem Jahr fiel die Entscheidung des unabhängigen Komitees aus Wissenschaftlern einstimmig auf den Wirkstoff zur Behandlung des multiplen Myeloms, da dieser einen völlig neuen, viel versprechenden Ansatz im Kampf gegen Krebs bietet, so Jury-Mitglied Prof. Dr. Dr. Björn Lemmer, Heidelberg, im Rahmen einer Presseveranstaltung anlässlich der Preisverleihung.

 

Innovatives Medikament gibt Hoffnung

Die ausgezeichnete Substanz hemmt den Müllabbau in der Krebszelle und greift so gezielt in deren Lebenszyklus ein. Dadurch vernichtet sich diese selbst. Der Ansatz: Das Medikament blockiert das so genannte Proteasom, einen Bestandteil in allen Zellen, der normalerweise nicht mehr benötigte Eiweiße abbaut. Diese lebensnotwendige "Müllabfuhr" ist jedoch in Krebszellen wesentlich aktiver als in gesunden. Deshalb kamen Forscher auf die Idee, eine Substanz zu entwickeln, die Krebszellen gezielt an ihrem eigenen Müll ersticken lässt. Denn da gesunde Zellen deutlich weniger empfindlich auf den Hemmstoff reagieren, können sie sich nach der Therapie schnell wieder erholen.

Studien bestätigen den Fortschritt, den diese Form der Krebsbekämpfung für Patienten mit multiplem Myelom bietet. Prof. Dr. Wolfgang Knauf, niedergelassener Onkologe aus Frankfurt, berichtet: "Das Medikament kann die Krankheitsentwicklung des multiplen Myeloms verlangsamen, aufhalten oder sogar zu einem Rückgang der Erkrankung führen. Der Patient gewinnt zusätzliche wertvolle Zeit – und auch Lebensqualität. Seine Schmerzen und andere Symptome der Erkrankung nehmen nachweislich ab." Dem kann Volker Filipp als Betroffener nur zustimmen. Er wurde bereits zweimal erfolgreich mit der Substanz behandelt: "Schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich beide Male deutlich besser."

Durch eine Zulassungserweiterung können seit dem Frühjahr 2005 noch mehr Patienten von dieser innovativen Therapie profitieren. Denn der Wirkstoff kann jetzt zu einem früheren Zeitpunkt, nach nur einer vorhergehenden Behandlung, eingesetzt werden – eine gute Nachricht für die Patienten.

Hintergrundinformationen

Bortezomib ist seit dem 26. April 2005 bereits nach dem ersten Rückfall einsetzbar. Damit dürfen in der Monotherapie Patienten nach nur einer Vorbehandlung mit dem Wirkstoff behandelt werden, die bereits eine Stammzellentransplantation erhalten haben oder sich für diese nicht eignen.

In Studien wurde festgestellt, dass Bortezomib die Krankheitsentwicklung des multiplen Myeloms zumindest verlangsamen, aufhalten oder sogar zu einem Rückgang der Erkrankung führen kann.(1) Es konnte gezeigt werden, dass Bortezomib einer Therapie mit hoch dosierten Kortisonpräparaten – einer bisherigen Alternative bei fortschreitendem multiplen Myelom – deutlich überlegen ist. Darüber hinaus belegen die Studienergebnisse, dass die Substanz die Zeit bis zum erneuten Fortschreiten der Krankheit verlängert und das Überleben der Patienten verbessert.(2)

 

 

Literatur

  1. Richardson P. et al. N Engl J Med. 2003; 348: 2609-2617
  2. Richardson P. et al. N Engl J Med. 2005; 352: 2487-2498



Quelle : Pressemitteilung der Firma Ortho Biotech vom 03.02.2006 (tB).

 

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