Innovative Tumortherapie bei Dickdarm-Krebs:

Protein aus Darmbakterien als Transportmittel geeignet

 

Abb. 1: Mikroskopische Aufnahme von Krebszellen aus einem Dickdarmtumor, die rot markiertes Shiga Toxin B aufgenommen haben. In Blau sind die Zellkerne angefärbt. Das mit einem roten Fluoreszenz-Farbstoff markierte Shiga Toxin B befindet sich innerhalb der Tumorzellen im Golgi-Apparat. Vergrößerung: 400-fach. Photo: Klinikum rechts der IsarMünchen (16. September 2008) – Das kolorektale Karzinom ist die zweithäufigste Krebserkrankung weltweit. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen wird in Deutschland für Männer auf über 27.000, bei Frauen auf nahezu 30.000 Fälle geschätzt. Innovative Methoden zur frühzeitigen Diagnose und zur zielgerichteten Therapie sind daher dringend erforderlich. Von einer neuartigen Strategie zur gezielten Tumorintervention bei Darmkrebs, die von Forschern der Chirurgischen Klinik des Klinikums rechts der Isar mitentwickelt wurde, berichtet die Fachzeitschrift "Molecular Cancer Therapeutics" in der Titelgeschichte der letzten Ausgabe ("Human colorectal tumors and metastases express Gb3 and can be targeted by an intestinal pathogen-based delivery tool.", August 2008, 7:2498-2508).

Die derzeit eingesetzten Chemotherapien haben den Nachteil, dass sie nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf das normale Gewebe wirken. Dadurch werden zwar wie erwünscht Tumorzellen abgetötet, aber auch viele normale Zellen. Dies kann zu beträchtlichen Nebenwirkungen führen. Die Forschergruppe von PD Dr. Klaus-Peter Janssen an der Chirurgischen Klinik arbeitet daher an der Entwicklung eines Transportmediums – eines sogenannten Vektors – , das sich gezielt in Krebszellen anreichert, nicht jedoch im Normalgewebe. Dadurch soll die Chemo- oder Strahlentherapie ganz auf den Tumor konzentriert werden können, um eine effiziente Tumorbehandlung möglichst ohne Nebenwirkungen zu erreichen.

Die Strategie, die die Arbeitsgruppe um Dr. Janssen zusammen mit Forschern des Instituts Curie in Frankreich verfolgt, basiert auf einem Vektor, der diese Vorgaben auf natürlichem Weg ideal erfüllt: dem Shiga Toxin B. Dieses aus einem Darmbakterium stammende Protein verursacht für sich genommen keine nennenswerten physiologischen Störungen im Darmtrakt. Durch die Kopplung an radioaktive oder chemotherapeutische Substanzen lässt sich das Shiga Toxin B jedoch in ein effektives Werkzeug zur diagnostischen Tumordarstellung verwandeln und möglicherweise auch zur Therapie einsetzen.

Die Arbeitsgruppe konnte im Tiermodell bereits im Jahr 2006 zeigen, dass Shiga Toxin B zur Darstellung von Darmtumoren mit bildgebenden Verfahren hervorragend geeignet ist (Cancer Research, 2006; 66:7230-7236). In der aktuellen Veröffentlichung werden diese vorklinischen Befunde auf den Menschen übertragen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass der Rezeptor für Shiga Toxin B (Gb3 oder CD77) nicht nur auf Tumoren des Darmtraktes, sondern vor allem auch auf Lebermetastasen im Vergleich zum Normalgewebe stark angereichert ist. Die Forschergruppe überprüfte daraufhin die Aufnahme von Shiga Toxin B in Primärkulturen von Tumorzellen. Das Ergebnis ist vielversprechend: Fluoreszenzmarkiertes Shiga Toxin B wird von Krebszellen gezielt aufgenommen, nicht aber von Zellen aus gutartigen Adenomen oder von normalen Darmzellen. Damit eignet sich Shiga Toxin B gut als neuartiges Werkzeug zur zielgerichteten Therapie von Darmkrebs.

Abb. 1: Mikroskopische Aufnahme von Krebszellen aus einem Dickdarmtumor, die rot markiertes Shiga Toxin B aufgenommen haben. In Blau sind die Zellkerne angefärbt. Das mit einem roten Fluoreszenz-Farbstoff markierte Shiga Toxin B befindet sich innerhalb der Tumorzellen im Golgi-Apparat. Vergrößerung: 400-fach. Photo: Klinikum rechts der Isar

 

Abb. 1: Mikroskopische Aufnahme von Krebszellen aus einem Dickdarmtumor, die rot markiertes Shiga Toxin B aufgenommen haben. In Blau sind die Zellkerne angefärbt. Das mit einem roten Fluoreszenz-Farbstoff markierte Shiga Toxin B befindet sich innerhalb der Tumorzellen im Golgi-Apparat. Vergrößerung: 400-fach. Photo: Klinikum rechts der Isar

 

 

Abb. 2: Mikroskopische Aufnahme von Krebszellen aus einem Dickdarmtumor, die Shiga Toxin B aufgenommen haben. Die Zellkerne sind blau markiert, das Endoplasmatische Retikulum (ER) in grün. Das Shiga Toxin B wurde mit einem roten Fluoreszenz-Farbstoff markiert, es befindet sich innerhalb der Tumorzellen. Vergrößerung: 630-fach. Photo: Klinikum rechts der Isar

 

Abb. 2: Mikroskopische Aufnahme von Krebszellen aus einem Dickdarmtumor, die Shiga Toxin B aufgenommen haben. Die Zellkerne sind blau markiert, das Endoplasmatische Retikulum (ER) in grün. Das Shiga Toxin B wurde mit einem roten Fluoreszenz-Farbstoff markiert, es befindet sich innerhalb der Tumorzellen. Vergrößerung: 630-fach. Photo: Klinikum rechts der Isar

 


 

Quelle: Presseinformation des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München vom 16.09.2008.

 

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