Vorstellung des neuen Troja 2G der Firma TOPRO am 26.08.2011 auf Burg Sternberg/Extertal. Photo: Tom MillerInternationales TOPRO Rollatoren Symposium

Die Zukunft der Rollatoren – Technik, Markt, Bedürfnisse

Extertal (26. August 2011) – Hochkarätige Experten aus Marketing, Wissenschaft, Technik und Praxis präsentierten beim Ersten Internationalen TOPRO Rollatoren Symposium neueste Erkenntnisse rund um das Thema Rollatoren und Mobilität. Anlass war der Launch des neuen Rollators TOPRO Troja 2G, der bei dieser Gelegenheit der Fachwelt vorgestellt wurde.

Etwa 230 Teilnehmer aus dem Fachhandel, der Forschung und Wissenschaft sowie der Pflege und Rehabilitation besuchten Ende August das Symposium, das auf der Burg Sternberg in Extertal stattfand. Der Marketingexperte Christoph Schmitz (MaKo Consulting GmbH, St. Augustin) erläuterte, wie sich der Sanitätsfachhandel für die Zukunft fit machen und präsentieren muss, um sich bei veränderten Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen behaupten zu können. „Wenn Patienten bei Gesundheitsleistungen immer mehr selbst bezahlen, müssen die Fachgeschäfte – gemeinsam mit ihren Zulieferern – den Wert ihrer Leistung besser deutlich machen. Der Fachhandel verfügt über gute Argumente, die in Zukunft lauter transportiert werden müssen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Kunden ihren Bedarf beispielsweise bei Rollatoren verstärkt bei Discountern decken“, erklärte Schmitz. Es gelte zukünftig verstärkt Erlebniswelten zu schaffen, in denen Kunden den Nutzen von Hilfsmitteln ganz praktisch erfahren können. „Die Entwicklung von Themenwelten funktioniert dabei nicht aus dem Bauch heraus, sondern stellt das Ergebnis eines strategischen Prozesses dar. Dabei müssen sich die Unternehmen mit den eigenen Kernkompetenzen auseinandersetzen und analysieren, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen.“

Wesentliche Rolle des Fachhandels zur Gestaltung zukünftiger Versorgungsmodelle

Prof. Dr. med. Kerstin Wessig (Mitglied des Humanwissenschaftlichen Zentrums und des GRP – Generation Research Program an der Ludwig-Maximilians-Universität München) zeigte neue Wege und Perspektiven für ein längeres selbstbestimmtes Leben zuhause auf. „Moderne Technologielösungen verknüpft mit sozialen Dienstleistungen und Interventionen – das sogenannte Ambient Assisted Living (AAL) – bieten unserer Erfahrung nach die besten Voraussetzungen, eine ganze Reihe von Problemen in der medizinischen und pflegerischen Versorgung der Bevölkerung zu lindern“, erläuterte die Expertin. So würde der verstärkte Einsatz solcher „verschränkter Dienstleistungen“, die aus Technologien und sozialen Interventionen bestehen, sowohl die Qualität als auch die Produktivität der Gesundheitsversorgung verbessern. Zudem könnten die medizinische Unterversorgung in ländlichen Gebieten gelindert, Gesundheitsberatung und Vorsorgeprogramme unterstützt, sowie älteren oder gesundheitlich beeinträchtigten Menschen ein längeres selbstbestimmtes Leben in der bekannten häuslichen Umgebung ermöglicht werden. „Für solche innovativen Dienstleistungen sind aber qualifiziertes Fachpersonal, Anleitung und Training, Beratungund Vertrieb nötig“, sagte Prof. Wessig. „Der Sanitäts- und Orthopädiefachhandel ist schon heute prädestiniert, zum Gesundheitsmanagement Älterer intensiv beizutragen. Der Fachhandel ist deshalb gefordert, eine wesentliche Rolle im neuen Markt der AAL-Produkte zu übernehmen und diesen zu gestalten.“

Brillen und Rollatoren – Auf dem gleichen Weg?

Der Leiter des Fachverbandes Medizintechnik im Industrieverband SPECTARIS, Jan Wolter (Berlin), wagte eine Prognose zum zweiten Gesundheitsmarkt „Über kurz oder lang werden Rollatoren, Gehstützen und andere einfache Hilfsmittel nach unserer Einschätzung aus der Erstattung durch die Krankenversicherungen herausfallen und damit eine ähnliche Entwicklung nehmen, wie seinerzeit die Brillen.“ Das sei für die Branche voraussichtlich eine eher positive Entwicklung. Es sei also sinnvoll, sich rechtzeitig darauf einzustellen und interessante Geschäftsmodelle für eine Zeit nach der Abschaffung der Zuzahlung zu entwickeln. „Die Optiker haben es ja bereits vor Jahren vorgemacht“, erläuterte Wolter. „Brillen haben sich seitdem vom reinen Hilfsmittel zum Lifestyle-Produkt mit integrierter medizintechnischer Problemlösung entwickelt.“ Insbesondere der Rollatorenmarkt mit seinen vielfältigen Angeboten, die sich schon jetzt zum Teil durch Aspekte wie Marke, Design, Premiumqualität, Accessoires etc. differenzierten, böte da bereits zahlreiche Ansatzpunkte.

GGT – Technologische Kompetenz für Senioren

Die GGT Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik® (Iserlohn) engagiert sich seit Jahren bei der Entwicklung altersgerechter Technologien für den täglichen Bedarf. Nun hat sie erstmals in einem Alltagstest auch die Rollatoren unter die Lupe genommen. Die Geschäftsführerin der GGT, Martina Koepp, präsentierte die Ergebnisse dieser Tests, bei denen die Rollatoren von Senioren in praktischen Alltagssituationen genutzt und anschließend nach einem eigens entwickelten Fragebogen bewertet wurden. Ein Verfahren, das anders als die üblichen Testverfahren, sehr individuelle Ergebnisse und vielfach interessante Anregungen für die Produktentwicklung bringt. Martina Koepp zeigte darüber hinaus auf, welche Perspektiven die GGT für den Zukunftsmarkt Rollatoren sieht: „Die Zielgruppe der Senioren und anderer mobilitätseingeschränkter Menschen, die Rollatoren nutzen, wird immer vielfältiger und anspruchsvoller“, erläutert Martina Koepp. „Mit der steigenden Kaufkraft, dem großen Interesse an Mobilität und Kommunikation und dem hohen Anspruch an Komfort, Qualität, Beratung und Service der älteren Generation wachsen auch die Herausforderungen, denen sich die Hersteller und der Handel stellen müssen.“

Rollatorführerschein: Sinnloser Unfug oder gelernte Sicherheit?

Parallel zum Rollatoren-Symposium fanden drei Workshops für Mitarbeiter aus dem Fachhandel statt. Hier ging es zum einen unter dem Titel „Ganzheitlich beraten – gezielt versorgen und verkaufen“ um das Thema „Verkaufen“ im Sanitätsfachhandel. Zum anderen nutzten die Besucher die Möglichkeit, sich von Karl-Heinz Wudi (TOPROs Rampenspezialist) über die TOPRO-Rampensysteme und den neuen „Leitfaden Rampenmodulsysteme“ schulen zu lassen. Großes Interesse fand das Seminar zum „Rollatorführerschein“, das von der Leiterin der Physikalischen Therapieabteilung der Espan-Klinik (Bad Dürrheim), Michaela Frisch, und Polizeihauptkommissar Joachim Tabath angeboten wurde. Joachim Tabath ist Sicherheitsberater für Senioren bei der Polizei Düsseldorf und hat mit seinen Rollatorschulungen für mehr Sicherheit, die er seit knapp zwei Jahren in Düsseldorf anbietet, großen Erfolg. Gemeinsam zeigten die beiden Referenten, wie sich Rollatornutzer gesünder, sicherer und besser mit ihrer Gehhilfe bewegen. „Dazu gehört selbstverständlich die richtige Haltung beim Gehen, die richtige Einstellung der Handgriffe und der Umgang mit Hindernissen wie schwergängigen Türen, Bordsteinkanten und ähnlichem“, erläutert Michaela Frisch.

80 Prozent der Rollatoren sind falsch eingestellt und im Dunkeln kaum erkennbar

Bei Joachim Tabath geht es auch um passive Sicherheit der Rollatoren: „Etwa 80 % der Rollatoren sind falsch eingestellt“, konstatiert er. „Da ist es kein Wunder, dass sich die Nutzer unsicher fühlen.“ Außerdem wichtig: Reflektoren an den richtigen Stellen des Rollators. „Es ist erschreckend, wie wenige Rollatoren heute mit solch grundlegenden Sicherheitselementen ausgestattet sind“, wundert sich der Sicherheitsexperte. „Reflektoren, gute Bremsen, ein Schloss zum Anschließen des geparkten Rollators sollten zur Grundausstattung jedes Rollators gehören.“ Wer dann noch weiß, wie er sich im Straßenverkehr richtig verhält und wie öffentliche Verkehrsmittel sicher genutzt werden können, wird, da sind sich Tabath und Frisch sicher, viel Spaß an der neugewonnenen Mobilität haben.


Quelle: Symposium der Firma Topro am 26.08.2011 in Extertal (PapendorfPR) (tB).

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