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IQWIG: Depressionen nach Schlaganfall – ein vernachlässigtes Problem

 

  • Angehörige bekommen zu wenig Unterstützung
  • Für den Behandlungserfolg ist eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten wichtig

 

Berlin (9. Juli 2008) – Menschen mit einem Schlaganfall und ihre Angehörigen brauchen mehr Unterstützung, um die Folgen der Erkrankung besser bewältigen zu können. Neben den körperlichen Einschränkungen wirken die psychischen Belastungen oft schwer. Viele Schlaganfallpatientinnen und -patienten, aber auch Angehörige, entwickeln eine Depression. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat jetzt Forschungsergebnisse zur Behandlung von Depressionen nach einem Schlaganfall analysiert. Dabei zeigte sich, dass Antidepressiva hier nicht so wirken wie erwartet. Wegen ihrer Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten sie nur mit Bedacht eingesetzt werden.

 

Erfolg der Rehabilitation hängt von Motivation und guter Unterstützung ab

 

Es ist oft selbst für Ärztinnen und Ärzte schwer zu erkennen, ob Menschen nach einem Schlaganfall "nur" niedergeschlagen sind oder eine behandlungsbedürftige Depression haben. Dabei ist es nicht nur für die Gemütslage der Menschen sehr wichtig, eine Depression angemessen zu behandeln, denn eine Depression kann auch die körperliche Genesung verzögern. Über dieses Problem ist bisher nur wenig bekannt. Deshalb hat das IQWiG heute auf www.gesundheitsinformation.de Informationen für Patienten und Angehörige veröffentlicht.

 

"Der Erfolg der Rehabilitation hängt auch davon ab, wie sehr die Patientinnen und Patienten bereit sind, aktiv daran mitzuarbeiten", sagt der Leiter des IQWiG, Professor Dr. med. Peter Sawicki. "Eine Rehabilitation ist anstrengend, sie erfordert viel Geduld und Motivation. Wenn Menschen eine Depression entwickeln, können sie die nötige Motivation aber kaum aufbringen."

 

Für den langfristigen Erfolg einer Rehabilitation ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen und Ärzten, Pflege- und anderen Fachkräften, Betroffenen und ihren Angehörigen wichtig. Ergo- und Physiotherapie können helfen, körperliche Fähigkeiten zurückzugewinnen und wieder selbstständiger zu leben. Forschungen haben gezeigt, dass eine solche intensive Unterstützung auch helfen kann, Depressionen zu mildern.

 

Antidepressiva sind nicht so wirksam wie erhofft und erhöhen das Risiko von Wechselwirkungen

Wissenschaftliche Studien zum Einsatz von Antidepressiva weisen darauf hin, dass die Medikamente bei Menschen nach Schlaganfällen allgemein nicht so wirksam sind wie bei "normalen" Depressionen. Da sie auch unerwünschte Wirkungen haben und die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen können, raten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu, sie nur mit Bedacht einzusetzen.

 

Professor Sawicki: "Gerade bei älteren Menschen, die oft gleichzeitig noch viele andere Arzneimittel einnehmen, können Psychopharmaka unerwartete Neben- und Wechselwirkungen haben. Es gibt noch viele offene Fragen. Zum Beispiel weiß man noch nicht, in welchem Ausmaß Antidepressiva das Risiko für Stürze und Krampfanfälle beeinflussen." Menschen mit bestimmten krankheitsbedingten Einschränkungen, wie Sprach- und Verständnisstörungen, wurden zudem in viele Untersuchungen gar nicht mit einbezogen.

 

 

Informationen für Patienten und Angehörige

 

Verlässliche Informationen können für Betroffene und Angehörige eine große Hilfe sein. Professor Sawicki: "Depressionen nach Schlaganfällen sind ein vernachlässigtes Problem. Leider gibt es auch im deutschen Sprachraum nur wenige allgemein zugängliche Informationen darüber. Angehörige, die Schlaganfallpatienten betreuen, brauchen mehr Unterstützung." Das IQWiG leistet mit seinen heute auf www.gesundheitsinformation.de veröffentlichten Informationen zur psychischen Bewältigung eines Schlaganfalls einen Beitrag, diese Lücke etwas zu schließen. Die Seite bietet außerdem Informationen über den Nutzen von Ergo- und Physiotherapie sowie Anregungen, wie man Menschen mit Depressionen unterstützen kann.


Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom 9. Juli 2008 (tB).

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