IQWiG: Mittel der Komplementärmedizin können bei leichten Depressionen und prämenstruellem Syndrom helfen

Nicht alle „alternativen“ Produkte und Nahrungsergänzungsmittel sind jedoch unschädlich

Deutsches Institut rät Verbrauchern, kritischer zu sein

 

Berlin (26. Juni 2008) – Verbraucher greifen häufig zu sogenannten komplementären Medizinprodukten, denn viele sehen diese Produkte als vermeintlich "sanfte Medizin". Ihre Wirksamkeit ist allerdings sehr unterschiedlich. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat jetzt einige der neuesten Forschungsergebnisse zu bestimmten Produkten analysiert und zusammen mit einem Leitfaden für Verbraucherinnen und Verbraucher veröffentlicht.

Demnach kann Johanniskraut leichte Depressionen mildern, hilft jedoch nicht bei einer ernsthaften depressiven Erkrankung. Es wirkt auch nicht gegen Symptome des prämenstruellen Syndroms (PMS). Vermutlich können aber Kalzium und Vitamin B6 (Pyridoxin) betroffenen Frauen Erleichterung verschaffen. Ob Nachtkerzenöl PMS-Beschwerden lindern kann, ist dagegen nicht belegt.

 

Auch pflanzliche Stoffe oder Nahrungsergänzungsmittel können Risiken haben

Laut IQWiG haben widersprüchliche Forschungsergebnisse, zum Beispiel bei Johanniskrautprodukten, in den letzten Jahren zu Verwirrung und Diskussionen geführt. Ein Grund sei, dass die Wirkung des Mittels von Präparat zu Präparat unterschiedlich ist und auch von der Schwere der Depression abhängt, so das Institut. Die wissenschaftliche Debatte um Johanniskraut unterstreicht, wie wichtig es ist, möglichst alle relevanten Studienergebnisse zu betrachten, um medizinische Behandlungen besser beurteilen zu können.

 

"Verbraucher sollten gegenüber Gesundheitsversprechen kritischer sein", rät der Leiter des IQWiG, Professor Dr. med. Peter Sawicki. "Dies gilt für Nahrungsergänzungsmittel und Komplementärmedizin ebenso wie für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Nur weil ein Medikament aus pflanzlichen Stoffen oder Vitaminen besteht, ist es nicht auch in hoher Dosierung oder bei sehr häufiger Anwendung in jedem Fall sicher. Außerdem wirken nicht alle medizinischen Produkte so, wie es sich die Patienten erhoffen." Dies unterstreicht eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Belege dafür, dass hohe Dosen einiger Vitamine und Antioxidantien Krebs auslösen oder die Lebenserwartung senken können.

 

Alle Behandlungen und Produkte an denselben wissenschaftlichen Maßstäben messen

Vor der Entscheidung für eine bestimmte Behandlung oder ein Nahrungsergänzungsmittel sind viele Fragen zu bedenken. Professor Sawicki: "Ärzte und Patienten sollten wissen, ob Therapien aufgrund genügend guter wissenschaftlicher Studien als so wirksam gelten, dass ihr Einsatz für die Anwender eine entscheidende Verbesserung bedeutet. Egal, ob ein Mittel aus Pflanzen oder chemischen Substanzen hergestellt ist: Wenn man herausfinden will, welche Behandlung die beste ist, müssen dieselben wissenschaftlichen Standards gelten."

Das Institut hat daher einen neuen Leitfaden für Verbraucherinnen und Verbraucher veröffentlicht, die komplementär-medizinische Behandlungsmethoden und Nahrungsergänzungsmittel ausprobieren möchten. Das allgemeinverständliche Merkblatt enthält eine Liste wichtiger Kriterien, die bei der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Behandlung helfen können. Es ist seit heute auf www.gesundheitsinformation.de zugänglich, zusammen mit Forschungsergebnissen zu verschiedenen Therapiemethoden.


Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom 25.06.2008.

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