Ist mangelnde Adhärenz bei Atemwegserkrankungen ein Kommunikationsproblem?

 

Trotz Verfügbarkeit zielgruppenadaptierter Fassungen der Asthma-Leitlinie weisen Ärzte und Patienten Wissensdefizite auf

 

Nürnberg (3. April 2012) – Die Deutsche Atemwegsliga e. V. entwickelt Leitlinien zur Diagnose und Therapie von Atemwegserkrankungen. Die rein wissenschaftlich ausgerichteten Leitlinien werden durch praktikable Versionen für den behandelnden Arzt sowie patientenverständliche Fassungen ergänzt. Trotz dieser starken Ausrichtung an den Bedürfnissen der verschiedenen Zielgruppen stellt Prof. C.-P. Criée, Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga, anlässlich des 53. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin fest, dass Ärzte und Patienten in fast allen Asthma-Themengebieten Wissensdefizite aufweisen.

 

„Das belegt eine im Auftrag der Atemwegsliga im Zentrum Öffentliche Gesundheitspflege der Medizinischen Hochschule Hannover unter der Leitung von Prof. D. Eva Hummers-Pradier durchgeführte strukturierte Befragung“, so Criée. An der Erhebung nahmen 295 Ärzte, davon 55 Hausärzte sowie 240 Weiterbildungsassistenten teil. Dabei erreichten die Hausärzte im Schnitt 58 % der maximalen Punktzahl während die Weiterbildungsassistenten im Schnitt lediglich 57 % erreichten. Criée vermutet, dass die Inhalte der Leitlinien möglicherweise intuitiv umgesetzt werden und sieht zur Klärung dieser Frage noch Forschungsbedarf.

Neben dieser altersunabhängigen defizitären Wissenslage stellt Dr. Uta Butt, Koordinatorin der Deutschen Atemwegsliga, Schwierigkeiten bei der kommunikativen Erreichbarkeit besonders jüngerer Zielgruppen fest. „Nicht-repräsentative Befragungen von Teilnehmer an Informationsveranstaltungen der Atemwegsliga haben ergeben“, so Butt, „ dass sich von der klassischen Form der Informationsveranstaltung bevorzugt älteres Publikum jenseits der 55 Jahre angezogen fühlt“. Mit einer im August des vergangenen Jahres gestarteten Facebook-Präsenz, einem Twitter- und einem YouTube-Kanal sowie audiovisuellen Medien will die Atemwegsliga jüngere Zielgruppen gewinnen und für das Thema „Lunge“ interessieren.

Ziel des Projektes „Gleiche Chancen!? – Asthma in der Schule“ ist es, am Beispiel Asthma zu zeigen, wie eine Chancengleichheit zwischen Kindern und Jugendlichen mit Asthma im Vergleich zu gleichaltrigen Gesunden im Schulalltag gewährleistet werden kann. Dazu wurden mit Unterstützung der Atemwegsliga in den letzten 4 Jahren Fortbildungsveranstaltungen in Niedersachsen und NRW insbesondere für Referendare durchgeführt. In jeweils 3 Zeitstunden umfassenden Seminaren sollten die teilnehmenden Lehrer und Referendare für das Thema „Asthma“ sensibilisiert und ihre Symptomwahrnehmung verbessert werden. Weitere Schwerpunkte der Fortbildung waren die Auslöservermeidung, Schulsport und körperliche Belastung sowie das Verhalten in Notfallsituationen. „Eine Evaluation vor, direkt nach und im Abstand von 6 Monaten nach der Veranstaltung hat u. a. gezeigt“, so Dr. Rüdiger Szczepanski, Kinderhospital Osnabrück, „dass die Fortbildungen Wissen, Kompetenz und Wahrnehmung des Asthmas bei den Schülern verbessert“. Darüber hinaus stellte sich der Lernerfolg als nachhaltig insbesondere bezüglich des Notfallmanagements dar.

 

 


Quelle: Deutsche Atemwegsliga e.V., 03.04.2012 (tB).

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