Ist Süßstoff bei Diabetes empfehlenswert?

 

Berlin (7. Oktober 2014) – Den Kaffee oder Tee mit Süßstoffen zu süßen, gilt für Menschen mit Diabetes seit langem als empfehlenswerte Alternative zu Zucker. Doch in jüngster Zeit wird in den Medien von den synthetischen kalorienfreien Süßungsmitteln abgeraten, da diese angeblich langfristig sogar Diabetes begünstigen sollen. Maßgebliche nationale und europäische Behörden und Fachgesellschaften stufen die zugelassenen Süßstoffe in alltagsüblichen Verzehrmengen jedoch als sicher für die menschliche Gesundheit ein. Ob Zucker oder Süßstoffe empfehlenswerter sind, erklärt Diplom-Oecotrophologin Sibylle Kapellen, Ernährungstherapeutin der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche in Leipzig im nächsten Experten-Chat von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Fragen rund um das Thema Zuckerersatzstoffe können ab sofort eingesendet werden.


Von Cola, über Marmelade bis hin zu Joghurt und Schokolade: Viele „Light“-Varianten dieser Produkte enthalten Süßstoffe statt Zucker. „Der meist verbreitete Süßstoff ist Aspartam, da er keinen unangenehmen Süßstoffgeschmack hat“, erklärt Kapellen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sowie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erklären diesen Süßstoff jedoch, ebenso wie auch die weiteren zehn in der EU zugelassenen Süßstoffe, für sicher. Süßstoffe haben besonders für Menschen mit Diabetes den gesundheitlichen Vorteil, dass sie den Blutzucker nicht ansteigen lassen, darüber hinaus liefern sie keine Kalorien und fördern auch nicht die Kariesentstehung.

 

Dennoch will Kapellen keinen Freifahrschein für den zügellosen Genuss von „Light“-Produkten und Süßstoffen ausstellen: „Die süßstoffgesüßten Lebensmittel und Getränke sind meist noch süßer als zuckergesüßte Produkte. Das kann dazu führen, dass eine Gewöhnung an die Übersüßung eintritt und das Verlangen nach Süßem insgesamt zunimmt. Außerdem können süßstoffgesüßte Produkte dem Verbraucher vorgaukeln, dass sie insgesamt kalorienarm sind. Das ist aber nicht immer der Fall, es sind ja schließlich meist auch noch andere Nährstoffe enthalten“, sagt Kapellen. Wer zu einem kompensatorischen Mehressen neige, d. h. die Essmenge erhöht, weil ja „alles so kalorienarm“ sei, dürfe sich dann nicht wundern, warum es mit der Gewichtsabnahme nicht klappt: „Im Gegenteil: Manche Menschen nehmen dann sogar zu“, warnt die Oekotrophologin. „Die Gewichtszunahme ist dann ein Risikofaktor für Diabetes – nicht  der Verzehr von Süßstoff an sich“, sagt die Expertin.

 

Vereinzelte Berichte über vermehrten Appetit nach Verzehr von Süßstoffen konnten bis jetzt wissenschaftlich nicht belegt werden. „Es ist nicht völlig auszuschließen, dass einzelne Menschen mit vermehrtem Appetit auf Süßstoffe reagieren. Das sollte jeder Konsument bei sich selbst beobachten und entsprechend handeln", erklärt Kapellen.

 

Alternative Süßungsmittel, wie zum Beispiel Honig oder Agavensirup sollten bei Diabetes mit Bedacht verwendet werden, denn sie erhöhen den Blutzuckerspiegel und müssen bei der Berechnung von  Brot- bzw. Kohlenhydrateinheiten berücksichtigt werden.

 

Dies gilt auch für die  Zuckeraustauschstoffe Sorbit und Fruchtzucker (Fruktose). Diese kalorienhaltigen Süßungsmittel wurden lange Zeit speziell für Diabetiker empfohlen, heute wird von Fruktose eher abgeraten, da Fruchtzucker in größeren Mengen die Entstehung einer Fettleber fördert. Beide Zuckeraustauschstoffe erhöhen auch den Blutzucker, ihre Wirkung lässt sich aber nur schwer abschätzen. Die Zuckeraustauschstoffe der "2. Generation" Erythrit und Isomalt enthalten weniger oder keine Kalorien und lassen sich ähnlich wie Zucker verwenden. Sie beeinflussen den Blutzucker nicht.

 

Als Fazit lässt sich sagen, dass Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe eine Alternative zu Zucker bieten. „Sie sollten aber bewusst eingesetzt und sparsam verwendet werden“, sagt die Ernährungsberaterin.

 

 

Weitere Informationen

 

 


Quelle: diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, 07.10.2014 (tB).

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