IT-Report Gesundheitswesen

IT-Leiter und -Leiterinnen kommen zu Wort

 

  • Implementierungsstatus der elektronischen Patientenakte in deutschen Krankenhäusern im Verlauf der letzten 5 Jahre
  • IT-Report Gesundheitswesen der Hochschule Osnabrück liefert zum fünften Mal aktuelle Zahlen aus der IT-Welt in deutschen Krankenhäusern

 

Osnabrück (13. Januar 2012) – IT-Leiter und -Leiterinnen in deutschen Krankenhäusern sind diejenigen Personen, die den größten Überblick über eingesetzte IT-Systeme im eigenen Haus und die tiefste Kenntnis über deren Funktionsweise besitzen. Sie sind die Experten, die sowohl strategisch denken als auch operativ handeln müssen und das vor dem Hintergrund einer immer komplexeren IT-Landschaft. Diese umfasst schon längst nicht mehr nur administrative Buchungs- und klinische Dokumentationssysteme, sondern schließt zunehmend medizintechnische Geräte ein und liefert Gesamtlösungen für die Kernprozesse der Krankenversorgung in einer Einrichtung und im besten Falle einrichtungsübergreifend.

 

Der aktuelle IT-Report Gesundheitswesen untermauert diese Aussagen mit harten Fakten direkt von den deutschen IT-Leitern und -Leiterinnen. Wie auch in den vergangenen Jahren liefert der IT-Report 2012 Installationszahlen von IT-Systemen in Krankenhäusern und erlaubt Aussagen über deren Verläufe. So zeigt er, dass die Verbreitung von IT-Systemen für die verschiedensten Aufgaben über die Jahre deutlich zugenommen hat, wie das Beispiel der Elektronischen Patientenakte (EPA) demonstriert. Hatte noch 2005/2006 nur jedes 12. Krankenhaus ein EPA-System implementiert, sind heute bereits in fast jedem 4. Krankenhaus elektronische Akten komplett und in jedem 3. Haus mindestens in einer Einheit verfügbar. „Die Digitalisierung der Krankenhäuser schreitet stetig voran und hat nennenswerte Installationszahlen erreicht“, sagt Professor Hübner, Herausgeberin des IT-Report Gesundheitswesen, „interessant wird es dann aber, wenn es sich nicht mehr allein um elektronische Dokumentationsfunktionen handelt. Sieht man sich die Zahlen für entscheidungsunterstützende Funktionen an, wie beispielsweise die für Erinnerungs- und Alarmfunktionen und solche für die elektronische Unterstützung in der Arzneimitteltherapie, stecken wir noch ganz in den Kinderschuhen.“, so Professor Hübner.

 

Wie der IT-Report zeigt, ist die elektronische Archivierung auch ein gutes Beispiel für die fortschreitende Durchdringung mit elektronischen Daten auf einem Basisniveau. Mittlerweile wird in jedem 3. Haus vollständig elektronisch archiviert und ein gutes weiteres Drittel befasst sich intensiv mit der Thematik. Aber noch nicht einmal jedes 20. Krankenhaus setzt elektronische Signaturen für den Großteil der primär elektronischen Dokumente ein.  „In Sachen Beweissicherung geht es nur schleppend voran“, kommentiert Professor Schmücker von der Hochschule Mannheim daher in seinem Beitrag im IT-Report die Situation.

 

Folgt man den IT-Leitern und -Leiterinnen, werden auch in Zukunft die Elektronische Patientenakte und die Aktualisierung bestehender Systeme beziehungsweise die Einführung neuer IT-Systeme die Aktivitäten dominieren. Dabei binden Supportaufgaben sowohl im Hard- wie im Softwarebereich die meisten Personalkapazitäten wie die IT-Verantwortlichen berichten. Schaut man nur einmal auf das Aufgabenspektrum der leitenden Person im IT-Bereich, so kümmert sich diese in 86% der Krankenhäuser in irgendeiner Form selber um Supportaufgaben. Natürlich kommen Leitungsaufgaben und strategische Tätigkeiten wie Gestaltung der IT-Strategie (89%) und Mitgestaltung der Gesamtstrategie (68%) hinzu, sowie eher taktische Aufgaben beispielsweise die Unterstützung der Prozessverantwortlichen (74%) und das Change Management (65%). Dr. Seidel, selbst Chief Information Officer (CIO) in Braunschweig an einem großen kommunalen Krankenhaus, bestätigt in seinem Beitrag die Aufgabenfülle bei zunehmender Komplexität der Anwendungen. Professor Staemmler, wissenschaftlicher Beirat der KH-IT, einer führenden Vereinigung von IT-Leitern und Leiterinnen, fragt sich, ob „bei dieser Fülle von Aufgaben noch genug Zeit für rein gestalterische Tätigkeiten bleibt und die Interoperabilität der IT-Systeme so proaktiv vorangetrieben werden kann wie es denn tatsächlich nötig ist.“

 

Der Bedarf an Systemintegration bleibt konstant hoch. Über 40% der Krankenhäuser besitzen ein Krankenhausinformationssystem, das sich aus Teilsystemen unterschiedlicher Hersteller zusammensetzt und seine Daten überwiegend dezentral speichert. „Sieht man von einigen Schwankungen durch Messfehler ab, bleibt diese Zahl relativ konstant über die Jahre“, erklärt Professor Hübner. Und selbst diejenigen Häuser, die ihr KIS als technisch homogen mit zentraler Datenhaltung bezeichnen, setzen auch einen Kommunikationsserver ein. Insgesamt sind das 73% aller teilnehmenden Häuser.

 

Zur Herausforderung wird die Systemintegration dann, wenn nicht genug IT-Personal vorhanden ist. Diesen Punkt beklagen die IT-Leiter und -Leiterinnen deutlich an erster Stelle. Wie die Zahlen des IT-Reports zeigen, haben in der Tat die meisten Krankenhäuser unter fünf Vollzeitstellen zur Verfügung. Dabei hängt die Zahl der Vollzeitstellen von der Größe des Krankenhauses ab. Aber selbst bei Krankenhäusern mit 500 bis 1.000 Betten besitzt die Mehrzahl unter zehn Vollzeitstellen zur Betreuung einer ganzen IT-Landschaft.  Insgesamt werden über alle Häuser gemittelt von einem Vollzeitmitarbeiter 70 Betten IT-mäßig versorgt. Das ist nicht genug, um mit den Worten der IT-Leiter und Leiterinnen zu sprechen. „Was wir brauchen sind Kenngrößen pro Krankenhaus, die die IT-Leistungsfähigkeit zum Ausdruck bringt, und dazu zählt auch die Anzahl der Betten pro IT-Mitarbeiter bzw. die Anzahl der IT-Module pro Mitarbeiter“, fordert Professor Hübner. „Denn der Erfolg von IT setzt sich immer zusammen aus einer Mischung von Hard-, Soft- und eben Peopleware.“

 

Im Rahmen des IT-Reports Gesundheitswesen werden seit zehn Jahren regelmäßig alle bundesdeutschen Krankenhäuser zu ausgewählten IT-Themen befragt. Der IT-Report finanziert sich allein durch öffentliche Drittmittel (EFRE Niedersachsen) und ist unabhängig von einer Einflussnahme aus Industrie, Politik und Gesundheitseinrichtungen. Er wird veröffentlicht in der Schriftenreihe des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Seine Ergebnisse sind demnächst frei verfügbar unter www.it-report-gesundheitswesen.info. Für teilnehmende Krankenhäuser besteht die Möglichkeit, sich hinsichtlich ihrer Bezugsgruppe benchmarken zu lassen.

 

 

Ansprechpartner


Jan David Liebe, M.A.
Forschungsgruppe Informatik im Gesundheitswesen
Hochschule Osnabrück
Telefon: 0541 969-7019
E-Mail:
j.liebe@hs-osnabrueck.de

 

 


Quelle: Hochschule Osnabrück, 13.01.2012 (tB).

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