Janssen – DGU-Kongress 2018

Aktuelle Daten zur initialen Therapie des mCRPC

 

Neuss (5. Oktober 2018) – Die initiale Erstlinientherapie des nicht oder mild symptomatischen metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinomsa (mCRPC) mit Abirateronacetat (Zytiga®) plus Prednison/Prednisolon kann sich positiv auf die PSA-Ansprechrate unter der Folgetherapie auswirken, wie auf einer Pressekonferenz von Janssen, der Pharmasparte des Gesundheitskonzerns Johnson & Johnson, beim DGU-Kongress berichtet wurde. Experten wiesen anhand aktueller Daten und Erfahrungen aus der klinischen Praxis darauf hin, dass die Wirksamkeit von Folgetherapien und die Verträglichkeit wichtige Entscheidungskriterien für die Sequenztherapie sein können.

In der Erstlinientherapie des nicht oder mild symptomatischen mCRPC sollte gemäß aktueller S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom Abirateronacetat plus Prednison/Prednisolon (Abirateron/P) oder Enzalutamid zum Einsatz kommen [1]. Gemäß Prof. Dr. Kurt Miller, Berlin, können im klinischen Alltag Kriterien wie die Wirksamkeit von Folgetherapien und die Verträglichkeit unterstützend herangezogen werden.

Die Ergebnisse mehrerer retrospektiver Studien ließen laut Miller Hinweise darauf zu, dass eine initiale Therapie mit Abirateron/Pb gefolgt von Enzaluamid zu einem besseren PSA50-Ansprechen in der zweiten Therapielinie führt (27–37%) als mit der umgekehrten Sequenz (13-17%). Die mCRPC-Patienten waren teils mit Docetaxel vorbehandelt worden und teils Chemotherapie-naiv [2,3,4].

 

Prospektive Phase-II-Studie zur Sequenztherapie

Weitere Erkenntnisse, insbesondere zur Frage des PSA50-Ansprechens in der zweiten Therapielinie, lieferte eine beim ASCO Annual Meeting 2018 vorgestellte, prospektive, offene Phase-II-Studie zur Sequenztherapie des mCRPC [5]. Hier fiel der PSA-Wert bei Männern mit mCRPC, die zunächst Abirateron/Pb und dann Enzalutamid erhalten hatten, signifikant häufiger um mindestens 50% in der zweiten Therapielinie als bei Männern mit der umgekehrten Abfolge (31% vs. 4%; p<0,001; koprimärer Endpunkt: PSA50-Ansprechrate). Auch das PSA-progressionsfreie Überleben (PSAPFS) unter der Folgetherapie, ein sekundärer Endpunkt, war signifikant länger bei Therapiestart mit Abirateron/P (median 2,7 vs. 1,3 Monate; p<0,001) [5].

Bei der medianen Zeit bis zur zweiten PSA-Progression (kombiniertes PSA-PFS über 1. und 2. Therapielinie), dem zweiten koprimären Endpunkt, zeigte sich ein numerischer, nicht signifikanter Vorteil zugunsten des Therapiestarts mit Abirateron/P (13,6 Monate vs. 11,9 Monate bei Start mit Enzalutamid; p=0,106). Dies galt ebenfalls für das kombinierte PFS über beide Therapielinien, einem weiteren sekundären Endpunkt, das bei Therapiestart mit Abirateron/P numerisch, nicht signifikant um 3,6 Monate besser war (13,6 vs. 10 Monate, p=0,22) [5].

In die Studie waren Chemotherapie-naive mCRPC-Patienten eingeschlossen worden, die in der Erstlinie randomisiert Abirateron/P oder Enzalutamid erhalten hatten (je n=101) und bei PSA-Progress auf die jeweils andere Therapie umgestellt worden waren (n=65 bzw. 71) [5].

„Wir haben damit zum ersten Mal prospektive Daten, die zeigen, dass sowohl die PSA50-Ansprechrate als auch die Zeit bis zur PSA-Progression in der zweiten Therapielinie besser sind, wenn wir die Therapie mit Abirateron/P beginnen und bei Progress mit Enzalutamid fortsetzen als bei umgekehrtem Vorgehen“, fasste Miller zusammen.

 

Verträglichkeit und Lebensqualität im Behandlungsalltag

Auch die Verträglichkeit könne bei der Therapiewahl in der Erstlinie eine wichtige Rolle spielen, so Miller. Bereits in der ersten Interimsanalyse der zuvor genannten PhaseII-Sequenzstudie zur Beurteilung von Lebensqualität, Kognition und Depression (sekundäre Endpunkte) hatten sich Hinweise auf Vorteile von Abirateron/P gegenüber Enzalutamid ergeben [6].

Neu hinzugekommen sind 6-Monats-Daten aus der noch laufenden, prospektiven, nicht randomisierten zweiarmigen Phase-IV-Beobachtungsstudie AQUARiUS, die ebenfalls beim ASCO Annual Meeting 2018 präsentiert wurden. [7]. Bei 211 mCRPCPatienten, die aufgrund eines Progresses nach Orchiektomie oder unter einer Androgendeprivationstherapie Abirateron/Pb (n=105) oder Enzalutamid (n=106) erhielten, wurden Kognition (FACT-Cog), Lebensqualität (EORTC QLQ-30), Fatigue (BFI-SF) und Schmerz (BPI-SF) erfasst [7].

Im Vergleich zu Baseline zeigten sich sowohl in den Monaten 1–3 als auch in den Monaten 4–6 Vorteile von Abirateron/P gegenüber Enzalutamid in Bezug auf die Veränderungen im Vergleich zu Baseline über die Zeit bei mehreren der untersuchten Parameter. Dies betraf die subjektiv empfundene oder von Dritten beurteilte Beeinträchtigung der Kognition, die Stärke der Fatigue oder Appetitverlust [7]. Im Vergleich zu Abirateron/P berichteten bspw. doppelt so viele Patienten unter der Therapie mit Enzalutamid über mindestens eine Episode, in der sich die Kognition in den ersten sechs Monaten klinisch relevant verschlechterte (27% vs. 56%; p=0,0004).

„Die bisher vorliegenden Daten weisen somit darauf hin, dass Abirateron/P in der Erstlinientherapie des nicht oder mild symptomatischen mCRPC ein günstiges Verträglichkeitsprofil in Bezug auf Lebensqualität, Kognition und Fatigue haben kann“, so Millers Fazit.

 

Blick in die Praxis

„In der klinischen Praxis orientieren wir uns an der Evidenz, den Empfehlungen der Leitlinien, der persönlichen Situation des Patienten und seinen Wünschen“, betonte Dr. Eva Hellmis, Duisburg. Sie erläuterte dieses Vorgehen am Beispiel eines ihrer Patienten, den sie zunächst über knapp vier Jahre mit einer ADT und dann über mehr als fünf Jahre mit der Sequenz Abirateron/P gefolgt von Enzalutamid behandelt hat. Bei diesem wurde im Januar 2010 ein initial ossär metastasiertes Adenokarzinom der Prostata diagnostiziert (T1c Nx M1, G2, Gleason 7 [3+4]). Bei leichten Schmerzen unter Belastung zeigten sich im Knochenscan multiple Hot Spots im Bereich des Stammskeletts. Sechs Monate nach Einleitung der antihormonellen Therapie mit einem LHRH-Analogon war der bei Erstdiagnose festgestellte PSA-Wert von 245 ng/ml auf einen Nadir von 0,008 ng/ml gefallen.

Im Juli 2013 wurde aufgrund eines Wiederanstiegs des PSA-Wertes auf 23 ng/ml die mCRPC-Erstlinientherapie mit Abirateron/P eingeleitet. Der PSA-Wert erreichte daraufhin einen Nadir von 0,02 ng/ml. Der Patient vertrug die Therapie gut und war beschwerdefrei. Im Dezember 2014 zeigten sich in der Bildgebung eine zunehmende Knochenmetastasierung und ein ausgedehnter Befall der Lymphknoten. Der PSAWert war auf 130 ng/ml angestiegen. Der Patient hatte bei Bewegung Knochenschmerzen und Lymphödeme.

Nach Umstellung auf eine Zweitlinientherapie mit Enzalutamid fiel der PSA-Wert erneut auf einen Nadir von 0,9 ng/ml. Lymphödeme sowie Schmerzen gingen zurück. Im Knochenscan im März 2016 hatten sich einige Metastasen wieder zurückgebildet.

Ein Jahr später war der PSA-Wert wieder angestiegen und betrug 92,4 ng/ml. In der Bildgebung im September 2017 war die Erkrankung stabil, jedoch mit einer neuen Knochenmetastase. Im Juni 2018 wurde eine weitere singuläre Knochenmetastase festgestellt. Der Patient hatte nach wie vor keine Schmerzen und befand sich bei konstantem Gewicht in gutem Allgemeinzustand (ECOG 1). Neu aufgetreten war eine leichte Fatigue. Im September 2018 erfolgte eine Umstellung auf Docetaxel.

„Der Patient lebt bei weitgehend guter Lebensqualität seit mehr als acht Jahren mit seiner metastasierten Erkrankung und hat von der rein oralen Therapie mit den neuen antihormonellen Wirkstoffen über 59 Monate gut profitiert“, fasste Hellmis zusammen.

 

Anmerkungen

a) Zytiga® ist u.a. indiziert mit Prednison oder Prednisolon zur Behandlung des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) bei erwachsenen Männern mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf der Erkrankung nach Versagen der Androgenentzugstherapie, bei denen eine Chemotherapie noch nicht klinisch indiziert ist [8].

b) In der Studie kam nur Prednison zum Einsatz, doch die Zulassung von Zytiga® besteht in Kombination mit Prednison oder Prednisolon.

 

Literaturverweise

  1. S3-Leitlinie Prostatakarzinom 5.0, 2018. https://www.leitlinienprogrammonkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/. Zugriff am 7.6.2018
  2. Terada N, et al. Exploring the optimal sequence of abiraterone and enzalutamide in patients with chemotherapy-naïve castration-resistant prostate cancer: The Kyoto-Baltimore collaboration. Int J Urol. 2017;24(6):441-448
  3. Miyake H, et al. Comparative Assessment of Efficacies Between 2 Alternative Therapeutic Sequences With Novel Androgen Receptor-Axis-Targeted Agents in Patients With Chemotherapy-Naïve Metastatic CastrationResistant Prostate Cancer. Clin Genitourin Cancer. 2017;15(4):E591-E597
  4. Maughan BL, et al. Comparing Sequencing of Abiraterone and Enzalutamide in Men With Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer: A Retrospective Study. Prostate. 2017; 77:33–40
  5. Khalaf D, et al. Phase 2 Randomized Cross-over Trial of Abiraterone + Prednisone vs Enzalutamide for Patients with Metastatic Castration Resistant Prostate Cancer (mCPRC): Results for 2nd-line therapy. J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr 5015) & Poster, ASCO 2018. Zugriff am 7.6.2018
  6. Khalaf D, et al. Assessment of quality of life (QOL), cognitive function and depression in a randomized phase II study of abiraterone acetate (ABI) plus prednisone (P) vs enzalutamide (ENZA) for metastatic castrate-resistant prostate cancer (mCRPC). J Clin Oncol 35, 2017 (suppl; abstr 5036) & Poster ASCO 2017. Zugriff am 8.6.2018
  7. Vuillemin AT, et al. Six-month patient-reported outcome (PRO) results from AQUARiUS, a prospective, observational, multicenter phase 4 study in patients (Pts) with metastatic castration-resistant prostate cancer (mCRPC) receiving abiraterone acetate + prednisone (AAP) or enzalutamide (ENZ). J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr 5058) & Poster ASCO 2018. Zugriff am 25.6.2018
  8. Fachinformation Zytiga®, Stand November 2017

 

 

Janssen – Pharmaceutical Companies of Johnson & Johnson

Wir forschen für eine Welt ohne Krankheiten. Mit diesem Ziel entwickeln wir stets neue Methoden, um Erkrankungen vorzubeugen, zu behandeln, zu heilen oder gänzlich zu verhindern. Wir sagen „JA“ zu den großen medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Wir kooperieren mit den klügsten Köpfen und wagen uns in Forschungsbereiche vor, die das Potenzial haben, die Welt der Medizin grundlegend zu verändern. Mit unseren innovativen Arzneimitteln und Impfstoffen aus unseren Schwerpunktgebieten Onkologie, Immunologie, Psychiatrie und Infektiologie erreichen wir allein in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen.

Janssen ist eines der weltweit größten und innovativsten forschenden Pharmaunternehmen mit über 40.000 Mitarbeitern. In Deutschland beschäftigt die Janssen-Cilag GmbH mit Sitz in Neuss rund 900 Mitarbeiter. Sie ist Teil der Janssen Pharmaceutical Companies of Johnson & Johnson.

 

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Hintergrund

 

Über das PCa

Das Prostatakarzinom (PCa) gilt inzwischen als eine der wichtigsten Erkrankungen des männlichen Geschlechtes. In Deutschland ist es mit ca. 58.000 Neuerkrankungen im Jahr 2014 die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Bei den tödlich verlaufenden Tumorerkrankungen bei Männern steht das Prostatakarzinom hierzulande an zweiter Stelle: 2014 verstarben ca. 13.700 Patienten an seinen Folgen [1].

 

Über das mHSPC

Prostatakarzinom ist nicht gleich Prostatakarzinom. Das Spektrum reicht von Tumoren, die auf die Prostata bzw. die Vorsteherdrüse beschränkt sind, bis hin zu Tumoren, die sich über die Prostata hinaus in Lymphknoten, Knochen oder andere Organe ausgebreitet haben (metastasiertes Prostatakarzinom bzw. mPCa) [2]. Ein hormonsensitives Prostatakarzinom (HSPC) entspricht einem Krankheitsstadium, in dem der Tumor sensitiv für eine Androgendeprivationstherapie (ADT) ist bzw. auf sie anspricht [3].

Patienten mit neu diagnostiziertem metastasiertem HSPC (mHSPC), besonders diejenigen mit einem Hochrisiko-mHSPC, haben in der Regel eine schlechte Prognose. In Studien ließ sich beim mHSPC die bessere Wirksamkeit der Kombination aus ADT und Docetaxel im Vergleich zur alleinigen ADT nachweisen [4,5], so dass diese Chemohormontherapie* seit 2016 in Leitlinien mHSPC-Patienten empfohlen wird, die fit genug hierfür sind [6,7,8]. Aber für viele Patienten kommt eine Docetaxel-Therapie nicht infrage, sie könnten von alternativen Therapien profitieren. Basierend auf der LATITUDE-Studie wird in Leitlinien seit 2017 Abirateronacetat plus Prednison in Kombination mit einer ADT ebenfalls beim mHSPC empfohlen [6,7,8].

 

Über LATITUDE

LATITUDE ist eine multinationale, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-III-Studie [9]. In sie wurden 1.199 Patienten mit neu diagnostiziertem (innerhalb von 3 Monaten vor Studieneinschluss) mHSPC (keine oder höchstens 3 Monate ADT vor Studienbeginn) eingeschlossen. Alle Teilnehmer hatten ein Hochrisiko-mHSPC, bei ihnen mussten mindestens 2 der 3 Risikofaktoren vorliegen: Gleason-Score ≥8, ≥3 Knochenläsionen, Viszeralmetastase(n). Die Teilnehmer wurden 1:1 randomisiert und erhielten Abirateronacetat plus 5 mg/Tag Prednison/Prednisolon† (Abirateron/P) plus ADT (n=597) bzw. Placebos plus ADT (n=602). Die ADT bestand aus Gabe eines LHRH-Agonisten oder einer Orchiektomie [9].

Die koprimären Endpunkte wurden erreicht: Abirateron/P führte gegenüber Placebos – je plus ADT- zu einer signifikanten Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens (NR vs. 34,7 Monate; HR 0,62; p<0,001) und des medianen radiographisch progressionsfreien Überlebens (33,0 vs. 14,8 Monate; HR 0,47; p<0,001). Die sekundären Endpunkte wurden ebenfalls erreicht [9]. Darüber hinaus zeigte sich auch bei Patienten-berichteten Endpunkten wie der Zeit bis zur Schmerz- oder FatigueProgression eine Überlegenheit von Abirateron/P plus ADT [10].

Das Verträglichkeitsprofil von Abirateron/P in Kombination mit ADT stimmte insgesamt überein mit dem Verträglichkeitsprofil von Abirateron/P in früheren Studien zum metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) [9,11,12].

 

Über das mCRPC

Bis 2015 haben Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom jahrzehntelang zunächst eine ADT mit LHRH-Agonisten oder -Antagonisten – allein oder mit einem Antiandrogen – erhalten [13]. Diese Hormonmanipulationen verlieren jedoch mit der Zeit ihre Wirksamkeit, so dass der PSA-Wert wieder steigt [6]. Da die Tumorzellen in diesem Stadium weiterhin hormonabhängig sind, wird es metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom (mCRPC) genannt [14].

Nach aktuellen Erkenntnissen tragen beim mCRPC mehrere Resistenzmechanismen dazu bei, dass der Androgenrezeptor trotz eines Testosteron-Serumspiegels unter der Kastrationsgrenze von < 50 ng/dl aktiviert wird und der Tumor daher weiterhin Androgen-abhängig wächst [6]. Zudem persistiert die Androgenproduktion unter der konventionellen antihormonellen Therapie, weil diese nur auf die Hoden abzielt, die Androgenbiosynthese aber auch in den Nebennieren und den Tumorzellen stattfinden kann [15].

Gemäß der aktuellen Leitlinie der European Association of Urology (EAU) liegt ein mCRPC vor, wenn während einer ADT der Testosteron-Serumwert unter 50 ng/dl oder 1,7 nmol/l liegt und ein biochemischer (PSA-Anstieg bei drei aufeinander folgenden Kontrollen im Abstand von je einer Woche mit zwei 50%igen Anstiegen über den Nadir und 1 PSA-Wert > 2 ng/ml) oder radiographischer Progress (Auftreten von neuen Läsionen: entweder zwei oder mehr neuen Knochenläsionen oder einer Weichteilmetastase gemäß den RECIST‡-Kriterien) eintritt [6].

Durch Zulassungen der letzten Jahre stehen für mCRPC-Patienten heute moderne antihormonelle (Abirateronacetat, Enzalutamid), zytostatische (Docetaxel, Cabazitaxel) und weitere Therapiestrategien (Radium-223) zur Verfügung, die in diesem Stadium noch wirken können [6]. Für Sipuleucel-T ist im Mai 2015 auf Wunsch des Herstellers die Marktzulassung für die Europäische Union von der European Medicines Agency zurückgezogen worden [16].

Für die Erstlinientherapie des mCRPC sind Abirateronacetat, Enzalutamid, Docetaxel und – bei symptomatischer, rein ossärer Metastasierung – Radium-223 zugelassene Optionen [15,17,18,19]. In der Zweitlinie nach Versagen von Docetaxel stellen – unter Berücksichtigung des Allgemeinzustandes – Abirateronacetat, Enzalutamid, Cabazitaxel sowie bei symptomatischer, rein ossärer Metastasierung Radium-223 Behandlungsmöglichkeiten dar [15,17,19,20].

 

Über die Studie COU-AA-302

In der Phase-III-Studie COU-AA-302 waren nicht oder mild symptomatische Patienten mit progredientem mCRPC vor Chemotherapie im Verhältnis 1:1 mit Abirateronacetat (einmal täglich 1.000 mg) plus Prednison/Prednisolon§ (zweimal täglich 5 mg) oder Placebo plus Prednison/Prednisolon behandelt worden (Abirateron/P vs. Placebo/P) [11,21]. Beim Gesamtüberleben [21], beim radiographisch progressionsfreien Überleben [11] und bei allen sekundären Endpunkten [11] war Abirateron/P signifikant überlegen (je p≤0,005). Darüber hinaus zögerte Abirateron/P signifikant die Zunahme der Einschränkung des Alltags durch den Schmerz (p=0,005) und die Verschlechterung der Funktionalität/Lebensqualität hinaus (p=0,005) [11]. Sicherheit und Verträglichkeit stimmten mit der Erstzulassungsstudie COU-AA-301 überein. Bei einer Therapiedauer von 24 Monaten oder länger zeigte sich keine kumulative Toxizität [22].

 

Über die Studie COU-AA-301

In der Phase-III-Studie COU-AA-301 hatten 1.195 Patienten mit mCRPC nach Versagen von ein bis zwei Chemotherapie-Regimen, von denen zumindest eines Docetaxel-haltig sein musste, im Verhältnis 2:1 Abirateronacetat oder Placebo – jeweils in Kombination mit Prednison/Prednisolon§ – erhalten (Abirateron/P vs. Placebo/P) [12]. Abirateron/P verbesserte gegenüber Placebo das Gesamtüberleben und alle sekundären Endpunkte signifikant (radiographisch progressionsfreies Überleben, Zeit bis zur PSA-Progression und PSA-Ansprechen, je p<0,0001) [12].

Zudem zeigten sich zusätzliche signifikante palliative Effekte auf den Schmerz (Anteil der Patienten mit Schmerzreduktion: p=0,0005), das Auftreten von Skelettbezogenen Ereignissen (Zeit bis zum ersten Auftreten: p=0,0001), die Fatigue (Anteil der Patienten mit Besserung der Fatigue-Intensität: p=0,0001) und die Lebensqualität (Anteil der Patienten mit Besserung der Lebensqualität: p<0,001) [23,24,25].

Zu den wichtigsten Nebenwirkungen unter Abirateron/P gehörten Mineralkortikoidassoziierte unerwünschte Ereignisse, wie Hypertonie, Hypokaliämie und Ödeme [12]. Diese resultieren aus dem Wirkmechanismus und sind in der Regel medikamentös gut behandelbar [15].

 

Über Zytiga®

Zytiga® (Abirateronacetat) ist ein steroidaler Androgenbiosynthese-Inhibitor. Abirateron, der aktive Metabolit, hemmt die Androgen-Biosynthese in den Hoden, den Nebennieren sowie dem Tumorgewebe und kann auf diese Weise die beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom trotz ADT persistierende Androgenproduktion unterdrücken [15].

Die European Medicines Agency (EMA) hat Zytiga® am 5. September 2011 basierend auf der Studie COU-AA-301 zugelassen in Kombination mit Prednison oder Prednisolon zur Behandlung des mCRPC bei erwachsenen Männern, deren Erkrankung während oder nach einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie progredient ist [12,15]. Am 18. Dezember 2012 erfolgte durch die EMA basierend auf der Studie COU-AA-302 die erste Indikationserweiterung für die Behandlung in Kombination mit Prednison/Prednisolon von nicht oder mild symptomatischen mCRPC-Patienten, bei denen nach Versagen der ADT eine Chemotherapie noch nicht klinisch indiziert ist [15,21].

Im November 2017 erteilte die EMA basierend auf der Studie LATITUDE die zweite Indikationserweiterung für Zytiga® zusammen mit Prednison oder Prednisolon zur Behandlung des neu diagnostizierten Hochrisiko-mHSPC (metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinoms) bei erwachsenen Männern in Kombination mit einer ADT [9,15]. Zytiga® wurde inzwischen weltweit bei mehr als 330.000 Patienten eingesetzt.

Abirateronacetat wird beim Hochrisiko-mHSPC – ebenso wie in der Erst- und Zweitlinientherapie des mCRPC – in einer Dosis von einmal täglich 1.000 mg oral eingenommen [15]. Die zusätzliche Gabe von Prednison/Prednisolon erfolgt beim mHSPC in einer Dosierung von 5 mg am Tag, beim mCRPC hingegen in einer Dosierung von 10 mg am Tag.

 

Janssen – Pharmaceutical Companies of Johnson & Johnson

Wir forschen für eine Welt ohne Krankheiten. Mit diesem Ziel entwickeln wir stets neue Methoden, um Erkrankungen vorzubeugen, zu behandeln, zu heilen oder gänzlich zu verhindern. Wir sagen „JA“ zu den großen medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Wir kooperieren mit den klügsten Köpfen und wagen uns in Forschungsbereiche vor, die das Potenzial haben, die Welt der Medizin grundlegend zu verändern. Mit unseren innovativen Arzneimitteln und Impfstoffen aus unseren Schwerpunktgebieten Onkologie, Immunologie, Psychiatrie und Infektiologie erreichen wir allein in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen.

Janssen ist eines der weltweit größten und innovativsten forschenden Pharmaunternehmen mit über 40.000 Mitarbeitern. In Deutschland beschäftigt die Janssen-Cilag GmbH mit Sitz in Neuss rund 900 Mitarbeiter. Sie ist Teil der Janssen Pharmaceutical Companies of Johnson & Johnson.

 

 

Anmerkungen

* Docetaxel ist für die Indikation mHSPC nicht zugelassen, wird aber in Leitlinien (S3, EAU, ESMO) empfohlen. Hinsichtlich der Zulassung und des Einsatzes sind die Angaben in der aktuellen Fachinformation zu beachten. † In der Studie kam nur Prednison zum Einsatz, doch die Zulassung liegt vor für die Kombination von Abirateronacetat mit Prednison oder Prednisolon

‡ Response Evaluation Criteria in solid tumours

§ In der Studie kam nur Prednison zum Einsatz, doch die Zulassung liegt vor für die Kombination von Abirateronacetat mit Prednison oder Prednisolon

 


Literaturverweise

  1. Krebs in Deutschland 2013/2014. 11. Ausgabe. Robert Koch-Institut (Hrsg) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V. (Hrsg). Berlin, 2017: http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_i nhalt.html. Zugriff am 19.6.2018
  2. American Cancer Society. “Treating Prostate Cancer That Doesn’t Go Away or Comes Back After Treatment.”: https://www.cancer.org/cancer/prostate-cancer/treating/recurrence.html. Zugriff am 19.6.2018
  3. Moul JW. Hormone naïve prostate cancer: predicting and maximizing response intervals. Asian J Androl. 2015;17(6):929–35
  4. Sweeney CJ, et al. Chemohormonal Therapy in Metastatic Hormone-Sensitive Prostate Cancer. N Engl J Med. 2015;373(8):737–46
  5. James ND, et al. Addition of docetaxel, zoledronic acid, or both to first-line long-term hormone therapy in prostate cancer (STAMPEDE): survival results from an adaptive, multiarm, multistage, platform randomised controlled trial. Lancet. 2016;387:1163-77
  6. Parker C, et al. Cancer of the Prostate: ESMO Clinical Practice Guidelines & eUpdate: http://www.esmo.org/Guidelines/Genitourinary-Cancers/Cancer-of-the-Prostate. Zugriff am 19.6.2018
  7. Mottet N, et al. EAU Guidelines on Prostate Cancer 2018: http://uroweb.org/guideline/prostate-cancer/. Zugriff am 19.6.2018
  8. S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom. Version 5.0 – April 2018 AWMF – Registernummer: 043/022OL: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/. Zugriff am 19.6.2018
  9. Fizazi K, et al. Abiraterone plus Prednisone in Metastatic, Castration-Sensitive Prostate Cancer. N Eng J Med. 2017;377:352-60
  10. Chi K, et al. Benefits of Abiraterone Acetate Plus Prednisone (AA+P) When Added to Androgen Deprivation Therapy (ADT) in LATITUDE on Patient (Pt) Reported Outcomes (PRO). 2017 European Society for Medical Oncology (ESMO) Annual Meeting, 8th September 2017: Abstract 783O & Oral Presentation
  11. Rathkopf DE, et al. Updated Interim Efficacy Analysis and Long-term Safety of Abiraterone Acetate in Metastatic Castration-resistant Prostate Cancer Patients Without Prior Chemotherapy (COU-AA-302). Eur Urol. 2014;66(5):815-25
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  13. Mottet N, et al. EAU Guidelines on Prostate Cancer 2014 v3: https://uroweb.org/guideline/prostate-cancer/. Zugriff am 19.6.2018
  14. Miller K. Kastrationsresistentes Prostatakarzinom 2011. Aktuel Urol. 2011;42:95-102
  15. Fachinformation Zytiga®, Stand November 2017
  16. Pressemitteilung European Medicines Agency, 19.5.2015: http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/medicines/human/medicines/002513/human_med_ 001680.jsp&mid=WC0b01ac058001d124. Zugriff am 19.6.2018
  17. Fachinformation XtandiTM, Stand Februar 2018
  18. Fachinformation Taxotere®, Stand Februar 2018
  19. Fachinformation Xofigo®, Stand März 2018
  20. Fachinformation Jevtana®, Stand April 2017
  21. Ryan CJ, et al. Abiraterone acetate plus prednisone versus placebo plus prednisone in chemotherapy-naive men with metastatic castration-resistant prostate cancer (COU-AA-302): final overall survival analysis of a randomised, double-blind, placebo-controlled phase 3 study. Lancet Oncol. 2015;16(2):152-60
  22. Rathkopf DE, et al. Long-term safety and efficacy analysis of abiraterone acetate (AA) plus prednisone (P) in metastatic castration-resistant prostate cancer (mCRPC) without prior chemotherapy (COU-AA-302). J Clin Oncol. 2013;31(Suppl): Abstr 5009
  23. Sternberg CN, et al. Effect of abiraterone acetate on fatigue in patients with metastatic castration-resistant prostate cancer after docetaxel chemotherapy. Ann Oncol. 2013;24:1017–25
  24. Logothetis C, et al. Effect of abiraterone acetate and prednisone compared with placebo and prednisone on pain control and skeletal-related events in patients with metastatic castration-resistant prostate cancer: exploratory analysis of data from the COU-AA-301 randomised trial. Lancet Oncol. 2012;13(12):1210-7
  25. Harland S, et al. Effect of abiraterone acetate treatment on the quality of life of patients with metastatic castration-resistant prostate cancer after failure of docetaxel chemotherapy. Eur J Cancer. 2013;49(17):3648-57

 


Quelle: Fachpressekonferenz anlässlich des 70. DGU-Kongresses 2018: „Aktuelle Entwicklungen in der mCRPC-Therapie mit Zytiga®“, 27.09.2018, Dresden (Veranstalter: Janssen-Cilag GmbH) (tB).

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PARKINSON

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Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung